Schnupfen, Erkältung, Grippe – viele Begriffe für ähnliche Krankheitsbilder. Doch was ist was, wann sollte man zum Arzt gehen und welche Hausmittel sind tatsächlich hilfreich?

Der Anzinger Allgemeinmediziner Dr. Ander sitzt in seinem Sprechzimmer und blickt nach einem anstrengenden Tag aus dem Fenster. "Kaum wird es herbstlich, ist die Sprechstunde gerammelt voll."

- Anzeige -

Die beste Maßnahme gegen Erkältung und Grippe ist immer noch Vorbeugen.

| © alpin.de

Viele Patienten und oft das gleiche Bild: Halskratzen, laufende Nase und ein dicker Kopf. "Ich verstehe die Leute ja. Sie werden ängstlicher. In den Medien wird immer das schlimmste suggeriert. Wann soll man nun zum Arzt gehen und wann nicht?"

Er beantwortet sich die Frage gleich selbst. "Eine normale Erkältung mit erhöhter Temperatur bis maximal 39 Grad Celsius und Gliederschmerzen kann über zwei bis drei Tage auch mal beobachtet werden, ohne gleich zum Arzt zu gehen."

- Anzeige -

Fieber als Therapie

Es gibt einige Begrifflichkeiten im Rahmen dieser ähnlichen Krankheitsbilder. Eine Erkältung bzw. ein grippaler Infekt ist als akute Infektionskrankheit der Schleimhaut von Nase, Nasennebenhöhlen, des Halses und/oder der Bronchien definiert und dauert ungefähr drei bis vier Tage.

Die Ursache ist meist viral. "Bei viralen Infektionen spielt die erhöhte Temperatur eine entscheidende Rolle. Die Vermehrung der Viren ist bei Normaltemperatur am besten", erklärt Dr. Ander.

Deshalb empfiehlt er seinen Patienten, die Temperatur nicht zu früh zu senken. "Die erhöhte Temperatur zwischen 38 und 39 Grad Celsius ist schon eine Therapiemaßnahme" , ergänzt der langjährige Hausarzt.

Bei einem viralen Infekt ist ohnehin nur eine symptomatische Therapie möglich. Die üblichen Arzneien wie Ibuprofen, Paracetamol und Acetylsalicylsäure (ACC) lindern die Symptome, senken aber das wichtige Fieber.

Ander rät zu schleimlösender Therapie: "Bei verstopfter, entzündeter Nase sind abschwellende Nasentropfen sehr erleichternd, wie auch schleimlösende Mittel im Rachenraum." Dazu sind gar nicht mal chemische Wirkstoffe von Nöten. Schleimlösend wirken Myrrhe-Präparate und bei Husten auch Salbei-Tee oder -Bonbons.

Die Fakten

  • Eine Erkältung (= grippaler Infekt) ist nicht mit einer Influenza gleichzusetzen.

  • Mäßiges Fieber unter 39 Grad kann therapeutisch günstig sein.

  • Der grippale Infekt ist meist viral. Der Krankheitshöhepunkt sollte nach drei Tagen erreicht sein, sonst sollte ein Arzt aufgesucht werden.

  • Eine richtige Grippe (= Influenza) beginnt schlagartig und sollte unbedingt von einem Arzt gesehen werden.

  • Die Grippeschutzimpfung ist vor allem für ältere und immunsupprimierte Menschen unter Umständen lebensrettend. Gesunde Erwachsene können bei gesundem Lebensstil oft darauf verzichten.

Ein nicht-medikamentöses Therapieprinzip ist auch die Vermeidung der Sonne. Auch mit sportlicher Betätigung sollte solange zurückhaltend umgegangen werden, bis man zwei Tage fieberfrei ist.

Des Weiteren spielt in dieser für den Körper sehr aufwendigen Stoffwechsellage die erhöhte Trinkmenge eine wichtige Rolle. Zwei bis drei Liter Flüssigkeitsverlust sind keine Seltenheit. "Das muss unbedingt nachgelegt werden, sonst fehlt dem Körper ein wichtiges Instrument zur Entgiftung", betont der Anzinger Landarzt.

Dabei sollte man aber auf Folgendes achten: "Zu heißer Tee schädigt die Schleimhaut und zu Kaltes muss erst energieaufwendig vom Körper aufgewärmt werden."

Wann zum Arzt?

"Hohes Fieber, über 39 Grad Celsius, Schüttelfrost, Gliederschmerzen und ein schlagartiger Beginn mit starkem Krankheitsgefühl sind eindeutige Signale, einen Arzt zu konsultieren", rät Karl-Heinz Ander.

Sind die Symptome sehr stark, sollte sogar über einen Hausbesuch nachgedacht werden. Zum einen ist der Patient oft so geschwächt, dass ein Gang zur Praxis kontraproduktiv wäre, und zum anderen ist ein hochinfektiöser Patient im Wartezimmer suboptimal für die Mitwartenden.

"Wir bitten dann unsere Patienten immer um einen Anruf, um sie entweder gleich selbst zu besuchen oder in ein separates Zimmer setzen zu können." Eine wirklich Grippe, in Abgrenzung zur Erkältung oder zum Schnupfen, der lediglich die Nasenschleimhaut betrifft, ist eine durchaus ernstzunehmende Erkrankung und kann für vorgeschwächte Menschen zur Lebensgefahr werden.

"Schnelles Handeln ist hier unerlässlich", warnt Ander. Eine antivirale Therapie – abzugrenzen von der antibiotischen Therapie bei bakteriellen Infekten – stellt beim Auftreten der Influenza die Behandlung der Wahl dar.

Krankheitserreger werden meist über direkten oder indirekten Kontakt mit Erkrankten verbreitet.

Eine bakterielle Infektion dagegen merkt man am etwas schleppenden Beginn und der nach zwei bis drei Tagen schlimmer werdenden Symptomatik.

Prävention!

"Älteren Menschen, dauerhaft Immungeschwächten oder Personen, die beruflich sehr viel mit Menschen zu tun haben, zum Beispiel im medizinischen Sektor, ist eine Grippeschutzimpfung durchaus zu empfehlen", fasst Ander die Zielgruppe zusammen.

Ein gesunder Erwachsener, der sich fit hält und vernünftig ernährt, kann darauf verzichten.

Jeder sollte allerdings, vor allem in der Hochphase im Herbst und Winter, mit dem Wissen unterwegs sein, dass die Übertragung der Krankheitserreger am meisten über direkten oder indirekten Kontakt mit Erkrankten stattfindet.

Deshalb mahnt Ander: " Also sollte die Händehygiene gerade in dieser Zeit besonders großgeschrieben werden, auch zum Schutz der anderen!"

- Anzeige -

0 Kommentare

Kommentar schreiben