Ein sehr langer Klettersteig, der mit spektakulärer, teilweise sehr ausgesetzter Routenführung punktet und auch beim langen Abstieg noch Konzentration fordert.

Wer diese Tour an einem Tag machen möchte, muss früh aufstehen. Die ersten Meter führen durch einen kleinen Bergwald und der Weg steigt nur sanft bergan, aber durch die Lücken zwischen den Bäumen kann man die massive Felswand, die nach ein paar Kurven und einer knappen Stunde Fußmarsch vor einem aufragt, schon erahnen. 

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© Jana Erb

Der Bettelwurf ist schon auf die Entfernung ein sehr imposanter Berg, der stoisch neben der Nordkette über dem Inntal thront. Das Ziel, die Bettelwurfhütte, und der Weg dorthin sind von unten kaum einsehbar, der Blick zurück ins Tal hingegen ist traumhaft. Auf dem Steig selbst wechseln sich Stufen durch senkrechte Wände mit Seilbrücken und Querungen mit sehr viel Luft nach unten ab.

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An den schwierigsten Stellen sind C-, für kleine Bergsteiger schon eher D-Passagen dabei, der Großteil der Tour bewegt sich aber im Schwierigkeitsgrad B und der Fels ist griffig! Zwischendrin wähnt man sich an einer Stelle schon am Ende des Klettersteigs und eine Wiese lädt zu einer kleinen Pause ein, aber Achtung, der erste Eindruck täuscht.

In der Slideshow leiten wir Euch schrittweise durch den Klettersteig:

Wer hier schon siegessicher den Gurt im Rucksack verstaut hat, darf ihn weiter oben wieder auspacken. Auch nach dem Ausstieg bleibt das Gelände steil und unwegsam und die Aussicht übers Inntal famos. Wer möchte, kann die Nacht auf der Hütte verbringen und am nächsten Tag noch die Bettelwurf-Überschreitung anhängen.

ALPIN Info&Tour

© Jana Erb

Unter den Klettersteigen im Karwendel ist der Absamer Klettersteig ein richtig alpines Brett: er bietet eine spektakuläre, teilweise sehr ausgesetzte Routenführung mit traumhafter Aussicht ins Inntal und auf den Alpenhauptkamm. 

Gut 1000 Mal Umhängen sind nötig, ehe nach 1300 Klettermetern und 600 Höhenmetern der Ausstieg erreicht ist. Doch dort ist die Tour noch längst nicht zu Ende. Der Steig ist sehr gut versichert, erfordert aber gute Kondition: 600 Hm Klettersteig und ein langer Abstieg.

Bettelwurfhütte, 2077 m

  • Klettersteig, mittel, C/D

  • Dauer: 9 – 10 Std.

  • Höhenmeter: 1370 Hm im Auf- und Abstieg

  • Beste Zeit: Juni, September, Oktober

  • Ausgangspunkt: Parkplatz Halltal, 764 m, Halltal 16, A-6067 Absam

  • Talort: Hall, 574 m

  • Info: Tirol Info, A-6020 Innsbruck, Tel. +43 512 72720, tirol.at

  • Anreise: A12 Inntalautobahn bis Hall Mitte – Richtung Norden aufwärts – Stadtgraben – Salzbergstraße bis Bettelwurfsiedlung.

  • Gehzeiten: Zustieg 1¼ Std., Klettersteig 3½ Std., Ausstieg – Hütte 1 Std., Hütte – Parkplatz 2¾ – 3 Std.

  • Einkehr/Hütte: Bettelwurfhütte, 2077 m, ÖAV Innsbruck, Tel. +43 5223 53353, bewirtschaftet Anfang Juni bis Mitte Oktober, alpenverein.at/bettelwurfhuette

  • Bergführer: bergsportfuehrer-tirol.at

  • Taxi/Shuttlebus: Am Wochenende Shuttlebus bis in die Nähe des Einstiegs, hall-wattens.at; Taxi Tel. +43 6769205620, +43 5223 45500, +43 5223 56111.

  • Literatur: Axel Jentzsch-Rabl, Andreas Jentzsch, Dieter Wissekal: Klettersteigführer Österreich, Alpinverlag, 2015.

  • Karte: AV-Karte, 1:25.000, Blatt 5/2, Karwendelgebirge Mitte.

  • Absicherung: Sehr gut

  • Ausrüstung: Klettersteigausrüstung

Route

Vom Wanderparkplatz über die ehemalige Mautstraße am Ufer des Weißenbachs bergauf. Kurz nach dem Wehr kommt links eine kleine Hütte, dort rechts in ein kleines Wäldchen, über eine Brücke und an der Abzweigung links in Serpentinen durchs Schotterkar Richtung Klettersteig. 

Nach ein paar Minuten im Klettersteig kommt man zu einer nahezu senkrechten Wand (C/D). Dies ist die Schlüsselstelle der Tour, am Fuß der Wand gibt es links einen Notausstieg. Achtung, die Stelle am Köpfle gegen Ende der Tour ist die einzige unversicherte Passage.

Hier nochmal ca. 15 Min. mit B/C-Passagen weiter zum Ausstieg. Von dort ist es noch eine gute Stunde durch steiles, kräftezehrendes Gelände mit Latschen hinauf zur Hütte. Abstieg über den Normalweg AV222, der Trittsicherheit und Konzentration und an einer Stelle im Schotterkar einen Helm erfordert. An der Brücke kommt man wieder auf die Mautstraße und zurück zum Parkplatz.

DEN GPS-TRACK ZUR ROUTE FINDET IHR HIER!

ALPIN Hüttencheck

Bettelwurfhütte, 2077 m

© Jana Erb
  • Pächter: Christine Art u. Ralph Kress, Tel. Hütte: +43 5223 53353, Tel. mobil +43 664 1722468, alpenverein.at/bettelwurfhuette

  • Geöffnet: Juni – Mitte Oktober

  • Schlafen: 34 Betten, 28 Matratzenlager, Winterraum 6 Plätze , Holzofen mit Kochplatte, Geschirr und Töpfen

  • Essen: Traditionelle Tiroler Küche, empfehlenswert vor allem selbstgebackenes Brot aus dem Holzofen.

  • ALPIN-Fazit: Idyllische Bilderbuchhütte, die sich mit der tollen Aussicht auf das Inntal und vielfältigen Tourenmöglichkeiten für den erfahrenen Wanderer und Bergsteiger auch für einen mehrtägigen Aufenthalt anbietet.

Zustieg zur Hütte

Parkplatz beim Eingang Halltal (764 m) über Absamer Klettersteig 6 Std.; Bergstation Hafelekar (2256 m) 4½ Std.; Parkplatz beim Eingang Halltal (764 m) über Lafatscher Joch 6 Std.; mit dem Taxi nach St. Magdalena (1287 m) und übers Lafatscher Joch 3½ Std.; mit dem Taxi bis knapp unter die Herrenhäuser (1441 m) und über das Lafatscher Joch 3 Std.; normaler Hüttenanstieg vom Parkplatz beim Eingang Halltal (764 m) 3 Std. Das Halltal ist für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Am Wochenende Busshuttle und Taxidienst telefonisch ab Parkplatz anforderbar: Tel. +43 5223 45500 bzw. +43 5223 56111.

ALPIN Ausrüstungs-Tipp

© Austrialpin

Sicherheit am Klettersteig: Im Labor getestet, überzeugt das Klettersteigset Hydra.Evo von Austrialpin mit sehr guten Werten.

Das Hydra.Evo hat im Vergleich zu anderen Sets einen dritten Arm, der in schweren Passagen zum Einsatz kommt. Kein ganz leichtes, dafür aber ein sehr sicheres Set.

Nicht das passende Produkt für Euch? Hier gelangt ihr zum Klettersteigset-Test 2018 mit weiteren Modellen.

Text von Jana Erb

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3 Kommentare

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Bergrettung Tirol auf Facebook

Achtung; derzeit noch alles winterlich (20.05.) - letzte Woche am Muttertag gab es eine Bergung von zwei Klettersteiggehern.

Marian Staller auf Facebook

Vorsicht, am Ende des Klettersteiges sind gerne Gämsen unterwegs, die manchmal Steine abtreten. Unbedingt mit Helm gehen.

Anja Schiffmann auf Facebook

Spektakulär und anspruchsvoll... genau das richtige für uns ?????? kann man sich merken.