Wollten Sie schon immer klettern? So mit allem Drum und Dran? Dann sind Sie hier richtig. ALPIN macht Sie in acht Stufen vom Hallenanfänger zum Kletterer einer Mehrseillängenroute am Fels. In der Halle klettert man faktisch unter Laborbedingungen. Draußen ist das anders. Neben Vorstiegstaktik, Risikobewusstsein und guter Selbsteinschätzung sind auch spezielle Techniken gefragt.

Zwischensicherungen

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In der Halle hat man häufig das Gefühl, sich "totzuclippen". Jeden Meter steckt eine Zwischensicherung. Am Fels zeigt sich häufig ein anderes Bild. In manchen Gebieten wie dem Altmühltal muss der Blick weit nach oben wandern, bis man einen Bolt entdeckt.

Und auch die Abstände zwischen den Haken sind in der Regel am Fels deutlich größer als in der Halle. Hier gilt es die richtige Vorstiegstaktik zu entwickeln. Wie sicher fühle ich mich? Wie und wo kann ich den ersten Haken clippen? Fühle ich mich physisch und psychisch in der Lage, zum ersten Haken zu klettern? Wichtig ist hier auch die Position des zweiten Hakens. Ist der Abstand zum ersten Haken sehr weit, muss man sich im Klaren darüber sein, dass man bei einem eventuellen Sturz trotz geclipptem erstem Bolt auf den Boden fällt.

Schräg verlaufende Routen sind für Felsneulinge ungewohnt.

| © Birgit Gelder
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Routenverlauf

Alle Wege führen nach oben. Aber draußen nicht unbedingt pfeilgerade wie gewöhnlich in der Halle. Die natürlichen Gegebenheiten am Fels "formen" die Tour und deren Verlauf. Schauen Sie sich die Route genau an, bevor Sie einsteigen. Prüfen Sie dabei intensiv, ob Sie der vorgegebenen Situation auch gewachsen sind.

Ein kurzer Quergang, ein Umklettern einer Felsnase oder eine schräg verlaufende Kletterpassage können im Fall eines Falles unangenehme Pendelstürze oder gefährliche Aufprallunfälle auf Bändern und Felsnasen zur Folge haben.

Bei diagonal verlaufenden Touren zeigt die Schnapperöffnung am Haken immer von der Kletterrichtung weg.

| © Birgit Gelder

Clippen

Beim Clippen gilt die wichtige Regel, dass das Seil immer von hinten nach vorne durch den Karabiner verläuft. In gerade verlaufenden Touren ist es dabei egal, ob die Schnapperöffnung am Haken nach links oder rechts zeigt. Anders gestaltet sich die Situation in diagonal verlaufenden Touren. Hier gilt: Die Karabineröffnung im Haken sollte immer von der Kletterrichtung wegzeigen. Ergo, führt die Tour diagonal nach links, zeigt der Schnapper nach rechts!

Ablassen / Abbauen

Endet die Route an einer fixen Umlenkung, clippt man diese und wird vom Seilpartner abgelassen. Eine einfache und schöne Lösung. Doch nicht in allen Sportklettergebieten gibt es diesen Luxus. Oft ist am Tourenende ein zugeschweißter Abseilring oder ein Kettenglied.

In diesem Fall muss der Kletternde "umbauen". Das funktioniert wie folgt: Der Kletternde sichert sich selbst mit zwei Expressen (die Schnapperöffnungen liegen entgegengesetzt) oder wahlweise mit einer Bandschlinge, hintersichert das Seil, bindet sich nach nochmaliger Kontrolle aus, fädelt das Seil durch die Umlenkung, bindet sich wieder ein, löst die Hintersicherung des Seils und wird anschließend vom Sichernden abgelassen.

Achtung: Der Sichernde nimmt den Vorsteiger während des Umbauens auf keinen Fall aus der Sicherung!

Ist oben eine fixe Umlenkung, lässt der Sichernde den Vorsteiger langsam und kontrolliert ab.

| © Birgit Gelder

Klettertechnik und Klettertaktik

Wer in der Halle eine Tour im siebten Grad klettern kann, muss das draußen noch lange nicht draufhaben. Das liegt vor allem an zwei Faktoren: Im Indoor-Bereich zeigen die Farben einer Route an, wohin die Reise geht. Draußen muss man lernen, "den Fels zu lesen" und die Griffe und Tritte eigenständig zu finden. Eine schwierige Übung, die viel Erfahrung und ein entsprechendes Klettertechnik- Repertoire verlangt. Nur wer lernt, wie man Risse, Piazschuppen oder Verschneidungen technisch sauber klettert, wird auf Dauer am Felsen Spaß haben.

Eine erfolgreiche Felsbegehung hängt aber nicht nur von der richtigen Technik ab, entscheidend ist auch die Taktik. Prinzipiell versteht man darunter "planmäßiges Handeln". Das heißt konkret, die Route vor dem Losklettern so gut wie möglich zu "inspizieren" und sich mit den gesammelten Infos einen Begehungsplan zurechtzulegen: Wo sind die Schwierigkeiten? Wo kann man (vor allem die ersten Haken) gut clippen? Wo sind mögliche Rastpunkte? Der Taktik-Schlüssel zum Durchstieg heißt: In leichteren Passagen vorhandene Ruhepositionen optimal ausnutzen und schwierigere Passagen entsprechend zügig klettern!

Zu Teil 1 der Serie: Basics Hallenklettern - alle Infos auf einen Blick

Zu Teil 2 der Serie: Hallenklettern - Anseilen, Partnercheck & Co.

Zu Teil 3 der Serie: Mit Hand und Fuß: Das sind die wichtigsten Klettertechniken

Zu Teil 4 der Serie: Diese Ausrüstung brauchen Sie beim Sportklettern

Zu Teil 5 der Serie: Basics Fels: Der erste Besuch im Klettergarten

Zu Teil 6 der Serie: Felsklettern - das müssen Sie beherrschen

Zu Teil 7 der Serie: Standplatzbau - so funktioniert's

Zu Teil 8 der Serie: Mehrseillängenrouten: Klettern zwischen Standplätzen

Text von Romana Bloch

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