Ein Versagen des Standplatzes hat meist einen Totalabsturz der Seilschaft zur Folge – das Worst-case-Szenario. Daher gilt es den Standplatz so einzurichten, dass er in allen nur erdenklichen Situationen hält.

Als gängige Methode beim Klettern von Mehrseillängenrouten galt lange Zeit die Zentralpunktsicherung an einer Ausgleichsverankerung.

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Zwei (oder mehr) Fixpunkte (Haken oder Klemmkeile) wurden miteinander verbunden. In den zentralen Karabiner kamen die Selbstsicherung sowie die Kameradensicherung. Diese Methode hat aber zwei entscheidende Nachteile.

Befinden sich die Fixpunkte nicht in idealer Position zueinander (kein horizontaler Abstand, genügend vertikaler Abstand), ist die Last auf die Fixpunkte nicht etwa halbiert (ideal!), sondern liegt typischerweise irgendwo zwischen 70 Prozent und 100 Prozent für jeden Fixpunkt.

Somit ist die Gefahr, dass ein Fixpunkt versagt, größer als gewollt und angenommen. Kommt es zum Versagen eines Fixpunktes, erfolgt auf den zweiten Fixpunkt ein zusätzlicher Krafteintrag, da es zu einem "Sturz" um die halbe Länge der Ausgleichsverankerung kommt.

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Experten-Tipp: Darauf kommt es an

  • Klassische Ausgleichsverankerung nur bei Fixpunkten, die vertikal übereinander liegen.

  • Die Verbindung von Fixpunkten mit dem Kletterseil oder einer Bandschlinge ist ideal.

  • Bei Körpersicherung darauf achten, dass kein Sturz „in den Körper“ erfolgen kann.

  • Von Stand zu Stand entscheiden, ob man über Körper sichert oder über Fixpunkt (Position des Sichernden zum Standplatz).

  • Bei Sicherung über Körper darf ein Anschlagen nach oben/vorne nicht möglich sein (Überhang).

In vielen Fällen steht bei der Fixpunktsicherung der Sichernde von der Wand weggelehnt und beobachtet den Kletterer. Da sowohl die Kameradensicherung als auch die Selbstsicherung in demselben Punkt eingehängt sind, wird der Sichernde bei Sturzbelastung ruckartig an den Fels gezogen (Anschlagen!), was sehr leicht dazu führen kann, dass er die Bremshand vernachlässigt.

In vielen modernen Kletterrouten sind zumindest die Standplätze gebohrt. Wenn am Standplatz zwei Bohrhaken vorhanden sind, sind diese oft mit einer Kette oder einem Stück Seil verbunden. Ist diese Verbindung der Haken solide, muss man sich darum keine Sorgen mehr machen.

Helmut Wundlechner: Schuster-Fachberater Hartware Fels & Eis.

Sind die Haken nicht verbunden, arbeitet man mit einer Reihenschaltung. Die Idee dahinter ist die, dass die ganze Sturzlast auf einen Haken wirkt. Erst wenn dieser versagen sollte, kommt der zweite Haken zum Tragen.

Der Aufbau der Reihenschaltung erfolgt idealerweise mit dem Kletterseil bei Wechselführung oder mit einer Bandschlinge. Inzwischen gibt es dafür extra Standplatzschlingen, die für die Reihenschaltung zweier solider Fixpunkte ausgelegt sind.

Der erste Fixpunkt wird mit einem "weichen Auge", also einer Bandschlingenschlaufe in einen Verschlusskarabiner eingehängt. Nun wird mit der Bandschlinge der zweite Haken dazu gehängt, entweder auch mittels Sackstich oder mit einem Mastwurf.

Das weiche Auge ist unser Zentralpunkt, in dem sowohl die Selbst- wie auch die Kameradensicherung hängen. Besteht der Standplatz aus zwei nicht ganz soliden, vertrauenserweckenden Fixpunkten, geht man anders vor. Man hängt in jeden Fixpunkt einen Karabiner und dann die Bandschlinge.

Ist die Bandschlinge lang genug, zieht man die Verbindung zwischen den beiden Haken nach unten und bindet das Kräftedreieck ab Abb.4a . Kommt es bei einem Sturz zum Ausbruch eines Fixpunktes, wirken auf den zweiten Fixpunkt keine zusätzlichen Sturzkräfte.

Bei richtiger Ausrichtung ist die Kraftverteilung auf die Haken (besonders bei horizontalem Abstand der Fixpunkte) besser als bei einer klassischen Ausgleichsverankerung. Reicht eine Schlinge nicht um die zwei Fixpunkte zu verbinden, hängt man in jeden Fixpunkt eine Bandschlinge und bindet sie vor dem Zentralpunkt ab.

Körper oder Fixpunkt

Eine entscheidende Frage am Standplatz: Sicherung des Vorsteigers über den Körper oder über den Standplatz/Fixpunkt. Die Körpersicherung ist meist bequemer zu bedienen, man ist von der Position des Standplatzes unabhängig Abb.5 . Dafür ist der Sichernde Teil der Sicherungskette. Körpersicherung bietet sich in Routen an, die gut abgesichert sind und wo ein Sturz relativ sicher keine fatalen Folgen hat.

Die Sicherung über den Stand ist meist weniger dynamisch. Es heißt oft, dass der Vorteil der Standplatzsicherung der sei, dass der Sturzweg geringer wäre. Das ist aber nur bei idealer Standanordnung so. Denn sonst gibt man zur besseren Bedienung der Sicherung deutlich mehr Seil aus und hat einen längeren Sturzweg als bei der Sicherung über den Körper.

Man muss bei Körpersicherung allerdings sicherstellen, dass es nicht zu einem Sturz ohne Zwischensicherung kommt (also "in" den Sichernden). Dazu klinkt man in den oberen Fixpunkt des Standplatzes eine sogenannte "Dummy-Exe".

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