Nach problemloser Fahrt in Berchtesgaden und am Biwak angekommen, kann nun der sportliche Teil des Wochenendes beginnen. Am nächsten Morgen geht es noch im Dunkeln zum Einstieg.

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Alice und Bob brechen am frühen Morgen auf und machen sich auf den Weg zum Wandfuß, natürlich unterstützt durch ihr mobiles GPS Navigationsgerät, welches sie bereits nach Berchtesgaden navigiert hat. Am Wandfuß angekommen, holen sie das Gerät aus der Tasche - machen ein Foto vom Wandfuß und Sekunden später erscheint die Topographie vom Frankfurt Weg in das Foto eingeblendet (Abbildung 1).

So finden sie den korrekten Einstieg und haben mit dieser Technik die Möglichkeit, immer wieder den aktuellen Topoausschnitt im realen Wandfoto darzustellen, um sich zu orientieren und schwierige Stellen zu erkennen.

Die smarte Kommunikation in der Seilschaft

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Teile der Ausrüstung, wie Sicherungsgurte, Multifunktionsuhren werden mit weiteren Sensoren ausgestattet sein, die es erlauben, dem Kletterer Hinweise zum nächsten Griff oder Stand anzuzeigen.

Nun, wo sie in der ersten Seillänge in der Wand sind, sichert Alice ihren Freund. Dieser ist gerade über einen Felsvorsprung geklettert, so dass Alice ihn nicht mehr sehen kann. Sie gibt noch mehr Seil, Bob scheint gut voran zu kommen. Sie blickt kurz auf das Display an ihrem Gurt, auf dem angezeigt wird, wie viel Seil sie noch zur Verfügung hat - 6 Meter. Dabei sieht sie auch einen starken Ausschlag bei Bobs biometrischen Daten. Sein Pulsschlag hat sich gerade deutlich erhöht. Die Daten werden über Bobs Klettergurt an Alice gesendet. Da drahtlose Übertragung im Gebirge oft sehr störungsanfällig ist, wird das Kletterseil zusätzlich als Datenkabel benutzt .

Der smarte Gurt - Mit integriertem Display überträgt er Kletterstatusinformationen und biometrische Daten.

Über den gleichen Weg fragt Alice Bob nach seiner Situation: "Hast du Schwierigkeiten da oben, Bob?" "Kein Problem Alice, ich muss mich gerade konzentrieren." Bob sieht den nächsten Griff kurz vor sich, der ihn zum Stand führt. Dieser wird ihm auf seiner Armbanduhr mit einem Richtungspfeil und Entfernungsangabe. Das System zeigt ihm weiters einen kleinen Spalt an, an dem man gut einen Klemmkeil anbringen kann; aber hinkommen muss er immer noch alleine. "Alles klar Alice, Stand." Bob blickt kurz auf sein Gurtdisplay, Alice ist bereit nachzusteigen." Du kannst nachkommen."

Der smarte Bohrhaken - Die Haken sprechen miteinander

Nicht nur im Material der Kletterer spiegelt sich die neue Technik wieder, auch die Wand wird smart. Die voranschreitende Miniaturisierung wird sich auch in den nächsten Jahren stark fortsetzen. Bald finden wir in jedem Haken, in jedem Karabiner, in jedem Gurt kleine Chips, die diese Dinge smart machen, sie also mit Funktionen ausstatten, die über die reinen Sicherungsfunktionen für den Kletterer hinausgehen. Dabei wird, wie bereits angedeutet, durch flexible Leitmaterialien die Nutzung des Seils als Kommunikationsbrücke zwischen den Kletterern eingesetzt werden können. Gleichzeitig können kritische Körperwerte an die anderen Kletterer in der Seilschaft übertragen werden. Aber auch die Bohrhaken in der Wand werden auf diesem Wege unterschiedliche Informationen austauschen, wie z.B. Wetterinformationen.

Um in der Wand auf kurzfristige Wetterumschwünge reagieren zu können, ist es sicherlich hilfreich, Informationen über die Wettersituation in den nächsten 2 Stunden zu erhalten. So bleibt für Alice und Bob noch genügend Zeit, um einen Ausstieg aus der Wand zu finden. Diese Ausstiegsmöglichkeiten werden auch vom System bereit gehalten. Kritische Wetterveränderungen, wie zum Beispiel ein heranziehendes Gewitter, erhalten die Kletterer direkt auf ihrem mobilen Gerät angezeigt. Die Haken besitzen Sensoren, die Wetterinformationen aufnehmen und auswerten können. Außerdem kann das Gerät im Notfall benutzt werden, um einen Notruf abzusetzen, der der Bergwacht auch eine exakte Position von Alice und Bob in der Ostwand des Watzmanns übermittelt.

Der smarte Bohrhaken - Ein Netz von Sensoren

Am Gipfel - Nach der Tour ist vor der Tour

Oben angekommen beglückwünschen sich Alice und Bob. "Bergheil", hört man nicht aus dem mobilen Wegbegleiter - die Beiden haben genug Ruhe und Zeit, um die wunderbare Aussicht zu genießen. Damit die gerade erfahrenen Eindrücke und Erinnerungen nicht verblassen, geben Alice und Bob alle gesammelten Informationen auf ihrem mobilen Gerät ein und speichern sie in ihrem digitalen Klettertourenbuch.

Anschließend packen sie ihre Ausrüstung zusammen und fahren mit Unterstützung des Navigationssystems wieder nach Hause. Dort angekommen werden die Daten, welche sich auf dem mobilen Gerät befinden, zu dem Internetportal übertragen, um die Informationen nicht zu verlieren und sie anderen Kletterern zur Verfügung zustellen. So entsteht im Laufe der Zeit eine flächendeckende Austauschplattform für Kletterer vom Anfänger bis zum Profi.

Über die Autoren:

Die Autoren (Johannes Schöning, Oliver Paczkowski, Ilija Panov, Carsten Keßler, Krzysztof Janowicz, Hans Jörg Müller, Martin Raubal und Antonio Krüger) sind allesamt Mitarbeiter am Institut für Geoinformatik (ifgi) in Münster.

Geoinformatik ist die Wissenschaft der Modellierung von raum- und zeitbezogenen Prozessen mit Methoden der Informatik. Das Institut für Geoinformatik Münster bildet Geoinformatiker aus und erforscht Raumbezogene Dynamische Prozesse, Semantische Interoperabilität, Räumliche Assistenzsysteme, Cognitive Engineering und Sensornetze.

Gerne können Sie den Wissenschaftlern Ihre Meinung mitteilen oder eine verlängerte Fassung des Artikels anfordern einfach eine Nachricht an j.schoening@uni-muenster oder an das

Insitut für Geoinformatik

Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Robert-Koch-Str. 26-28

D-48149 Münster

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