Der am 06. Februar 1943 in Vorarlberg geborene Oswald Oelz gehört zu den herausragendsten Bergsteigerpersönlichkeiten im Alpinismus. Er vereint ein unheilbares Verlangen nach Berg- und Klettererlebnissen, das lebensbewahrende, lebenrettende Gen eines erfolgreichen Arztes mit einem Mix aus Klugheit und Witz, der ihn in eine Reihe mit Philosophen stellen würde, wenn ihm das nicht zu langweilig wäre.

Es war 1978: Für den Alpinismus eine Zeitenwende: Erstmals gelang dem Tiroler/Südtiroler-Duo Peter Habeler und Reinhold Messner am Mount Everest die Besteigung eines Achttausenders ohne Zuhilfenahme von künstlichem (Flaschen-) Sauerstoff.

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+++ Ein Interview mit Oswald Oelz findet Ihr hier. +++

Der damals 35-jährige Arzt Oswald Oelz war ebenfalls Mitglied der vom Innsbrucker Wolfgang Nairz geleiteten Expeditio. Später, viel viel später, als die Diskussion über die Verwendung von Flaschensauerstoff an hohen Bergen in die Nähe von Glaubensfragen geriet, sollte Oelz, den Freunde „Bulle“ nennen, beitragen: "Ich bin damals mit Flaschensauerstoff auf den Everest gestiegen. Warum? Weil ich sonst nicht rauf gekommen wäre, und ich wollte rauf."

Ein Leben lang behielt der dritte Besteiger der "Seven Summits", der jeweils höchsten Berge aller Kontinente, Bodenhaftung und das will bei ihm etwas heißen.

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Durchsteigung vieler großer Alpenwände (u.a. Walker-Pfeiler, Eiger-Nordwand, Grandes Jorasses)

  • Erstbegehungen in den Alpen, Alaska, Jordanien, und Oman

  • zahlreiche Expeditionen im Himalaya mehrere Achttausender-Versuche

  • Besteigung Mount Everest, Ama Dablam

  • Dritter Besteiger Seven Summits, der höchstenn Berge aller Kontinente

  • Rettung seines Kletterkameraden am Mt. Kenya

Als Arzt führte ihn der Weg nach Nashville (USA) und dann nach Zürich im Nachbarland seiner Heimat. Bis 2006 war er Chefarzt im dortigen Triemli-Spital, für den Ruhestand hat er sich gut eingerichtet: In einem Bauernhaus, umgeben von Frau, von Bergen, von Schafen, Katzen und Papageien träumt er heute vom Klettern und neuen Bergabenteuern.

Als Arzt und Bergsteiger hat er sich, auch aus eigener Erfahrung, mit der Höhenkrankheit befasst. Am Cho Oyu musste er die Besteigung wegen eines Hirnödems abbrechen, er überlebte Lawinenverschüttungen und riskierte bei Rettungsaktionen, z.B. mit Reinhold Messner an der Ama Dabalm oder am Mt. Kenya Gesundheit und Leben.

Dass Bergsteiger nicht vom Bergsteigen zu kurieren sind, hat der Titularprofessor einsehen müssen, aber er war unermüdlich, die tödliche Gefahr von Höhenlungen- und Hirnödemen zu erforschen, wie er auch nicht müde wurde, all jenen, die einfach auf hohen Bergen nichts zu suchen hatten, dies auch freundlich aber unmissverständlich mitzuteilen.

Oelz hat Bücher geschrieben (s.u.), an Filmen mitgearbeitet, Artikel geschrieben, er ist musisch unterwegs, kann gute Freunde und gute Freuden von weniger Nötigem leicht unterscheiden. Sein Humor könnte zusammengesetzt sein aus erlebtem und ihm zustehenden Glück, dem ärztlichen Retter und Helfer und einer starken Portion valentinesker Hinterkübftigkeit.

Immer klingt es bei ihm logisch, wenn er beteuert, dass es wünschenswert sei, "Berg zu steigen, bis man stirbt", zum 75. sei ihm zu wünschen, dass er so lange bergsteigen, klettern kann, so lange er lebt, und das soll noch sehr, sehr lange so sein!

Ein "Bulle" zum Lesen:

  • Mit Eispickel und Stethoskop. AS Verlag, Zürich 1999, ISBN 978-3-905111-42-2

  • Kopfwehberge. Eine Geschichte der Höhenmedizin. AS Verlag, Zürich 2001 (mit Elisabeth Simons), ISBN 978-3-905111-59-0

  • Everest, Lhotse – Schweizer am Everest 1952 und 1956. AS Verlag, Zürich 2006, ISBN 978-3-909111-23-7.

  • Himalaya. Expeditionen und Filme 1952–1971. AS Verlag, Zürich 2007 (mit Andreas Nickel (Hrsg.)

  • Adrenalin, Bullshit und Chemotherapie. Echtzeit, Basel 2007, ISBN 978-3-905800-07-4

  • Orte, die ich lebte, bevor ich starb. AS Verlag, Zürich 2011, ISBN 978-3-909111-82-4

Text von Clemens Kratzer

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