Moderne Berghemden haben sich längst von ihren karierten Vorgängern mit Holzfälleroptik emanzipiert. Die aktuellen Modelle schauen gut aus und sind praktisch. Auch die Materialien haben sich stark verändert und spezialisiert.

Ein schönes Hemd steht doch jedem gut. (Foto: Fotolia)

Es ist doch schön, ja regelrecht beruhigend, dass es im Bergsport so etwas wie Beständigkeit gibt. Während Begehungszeiten regelmäßig pulverisiert werden, Schnee nicht mehr im Winter, sondern im Frühling fällt und die Produkte so leistungsfähig sind, dass damit auch Weltraumspaziergänge möglich sind, eines bleibt: das Hemd.

Allerdings haben die Hersteller es geschafft, es aus der rotkarierten Ecke zu holen. Das ist gut so. Denn Hemden bieten als Kleidungsstück zahlreiche Vorteile. Zum einen lassen sie sich beim abendlichen Hüttenlagerstrip weit erotischer ablegen als ein Funktionsunterhemd.

Das Aufknöpfen braucht halt seine Zeit und wenn man das richtig anstellt … Aber gut, lassen wir das. Tipps dazu müssen Sie sich in anderen Magazinen holen.

Tatsächlich ist ein Hemd ein ziemlich variabel einstellbares Kleidungsstück. Sowohl die Front als auch die Ärmel lassen unterschiedliche Belüftungsmodi zu. Besonders praktisch sind hier Druckknöpfe, die man einhändig bedienen kann. Zeitraubendes "Fummeln" oder Selbstöffnung wie bei ausgeleierten Normalknöpfen kommen so gut wie nicht vor.

Praktisch auch, wenn die hochgerollten Ärmel mittels zusätzlicher Laschen auf halber Höhe fixiert werden können. Man sollte bei der Anprobe allerdings testen, ob die hochgerollten Ärmel nicht die Blutzirkulation behindern. Bei ausreichender Materialstärke kommt man allein durch diese Einstellmöglichkeiten ziemlich weit, ohne gleich eine Jacke an oder ausziehen zu müssen.

Schon ein offener Knopf mehr bringt viel zusätzliche Luft an den Körper. Natürlich werden Berg-, Wander- oder Trekkinghemden nicht mehr aus reiner Baumwolle gefertigt, sondern aus den technischen oder auch organischen Geweben, die derzeit State of the Art sind.

Moderne Berghemden kommen deutlich modischer daher als ihre Vorfahren.

Da findet man schnelltrocknendes Polyester, Polyamid und Elasthan und organische Baum- und Merinowolle und Tencel, eine aus Eukalyptusholz gewonnene Faser, die unter anderem geruchshemmend wirkt.

Der Mix ist dann entweder kühlend für wärmere Gefilde oder dichter gewebt für Trekking- und Bergsport in höheren Lagen. Manche Stoffe sind auch mit Mitteln gegen Mücken ausgestattet. Es macht durchaus Sinn, sich im Geschäft beraten zu lassen, welche Hauptfunktion das Gewebe hat.

Auch wenn die Optik eine Rolle spielt, sollte der Schnitt nicht zu tailliert sein. Sonst lassen sich die Bewegungen mit Rucksack nicht spannungsfrei ausführen. Wer sicher gehen will, kauft Hemden, die unter den Armen und am Rücken mit Mesheinlagen ausgestattet sind, die Bewegungsfreiheit und Belüftung verbessern.

Ein großer Vorteil eines Hemds ist sein Kragen. Er schützt nicht nur den Nacken vor Sonnenbrand, Wind und Scheuern, sondern auch den Anorak vorm "Einspecken". Hochwertige Hemdkragen sind schweißabweisend und verstärkt. Verstärkungen findet man auch im Bereich der Schultern, wo der Abrieb durch den Rucksack vermindert werden soll und häufig an den Ellbogen.

Sehr sinnvoll sind Brusttaschen für Kleinteile. Diese sollten verschließbar sein. Entweder mit einem Knopf oder besser noch mit Klett- oder Reißverschluss. Nicht zuletzt lohnt ein Blick darauf, ob das Hemd leicht zu pflegen und eventuell sogar bügelfrei ist. Wer will schon ungebügelt in der Hütte einlaufen? Dann schon eher ungezügelt.

Text von Johannes Wessel

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