Der Winter bringt für gewöhnlich Schnee in den Bergen. Mal mehr, mal weniger. Unter dem Eigengewicht, der zunehmenden Kraft der Sonne und den steigenden Temperaturen wandelt sich der Schnee um und verfestigt sich. An sehr warmen Tagen und unter Sonneneinwirkung kann aber auch gut verfestigter Altschnee zu Sulzschnee werden, in dem man unangenehm einsinken kann.

Ausgedehnte Schneefelder voller Altschnee.
Ausgedehnte Schneefelder voller Altschnee.

Der Vorteil von Nassschnee ist aber, dass am nächsten Morgen (zumindest wenn die Nacht kalt genug war) sich ein fester Harsch-deckel bildet, der meist so stabil ist, dass er den Bergsteiger trägt. Solche gefrorenen Harschdeckel sind sehr angenehm und mit wenig Kraft zu begehen, vorausgesetzt man ist richtig ausgerüstet (Steigeisen) und verfügt über die angemessene Technik.

Ein versierter Berggeher mit sicherem Tritt sollte bei guten Verhältnissen erst einmal ohne Steigeisen gehen. Denn Gehen mit Steigeisen kostet mehr Kraft, die Gefahr sich mit den Zacken zu verheddern oder zu stolpern ist groß.

Am angenehmsten

geht man in den flachen Bereichen von Schneefeldern. Dazu sollte man die Hangstrukturen ausnutzen und seinen Weg entsprechend wählen. Lieber geht man eine weitere Strecke, aber dafür flacher.

Leider gibt das Gelände es aber nicht immer her. Wenn es steiler wird, hat man zwei Möglichkeiten. Entweder man geht gerade (also in Falllinie) hinauf, oder man wählt die Zickzack- Variante. Welche Version die Bessere ist, liegt an diversen Faktoren. Zum einen kommt es darauf an, welche Schuhe man hat. Ganz maßgeblich ist natürlich auch, wie weich oder hart der Schnee ist und wie die Oberfläche beschaffen ist.

In der Praxis sieht es so aus, dass man beim Gehen beides ausprobiert und die Möglichkeit wählt, die unter den gegebenen Umständen besser geht. Aber egal ob gerade oder im Zickzack, beide Male sollte man vor allem ökonomisch gehen. Ist der Schnee hart und griffig, ist das kein Problem. Schwieriger wird es, wenn der Schnee nachgibt.

Ein langsames Verlagern des Körpergewichts auf das neue Standbein spart viel Kraft. Der Schnee unter den Schuhen wird damit langsam verdichtet, ein plötzliches Wegsinken kann häufig vermieden werden.

Beim seitlichen Aufsteigen

Der seitliche Aufstieg.
Der seitliche Aufstieg.

tritt man sich die Stufen mit den Schuhen. Dazu nutzt man die natürliche Bewegungsform aus und tritt sich bei der Vorwärtsbewegung des Fußes sichelförmig die Stufe. Schon nach ein paar Schritten automatisiert sich der Vorgang und man kommt meist gut voran.

Grundsätzlich sollte man auf Altschneefeldern größere Steine oder Latschen, die aus dem Schnee herausschauen, meiden. Häufig ist es nämlich so, dass der Schnee rund um diese dunkleren Bereiche, die die Wärme besser speichern, weicher ist und man einbricht, während man zwei Meter daneben nicht einsinken würde.

Ein etwas kritischer Moment beim Gehen im Zickzack-Kurs ist die Wende. Man nimmt dazu aus einem abgeschlossenen Schritt eine stabile Position ein (Stöcke sind hierbei sehr hilfreich) und wendet den bergseitigen Fuß in die neue Gehrichtung.

Dabei achtet man besonders darauf, dass die neue Stufe solide und gut ist. Schafft man dies nicht beim ersten Tritt, kann es sein, dass man noch einmal nachtreten muss. Dann folgt der talseitige Fuß in die neue Richtung und der gewohnte Bewegungsablauf wird fortgesetzt.

Geht man anstatt mit Stöcken mit einem Pickel, nutzt man die stabile Position, in der der Oberkörper zum Berg gewandt ist, um den Pickel von einer Hand in die andere zu übergeben. Dabei ist zu beachten: Grundsätzlich gehört der Pickel in die bergseitige Hand.

Beim Aufstieg in Falllinie

ist es egal, in welcher Hand sich der Pickel befindet. Meist ist es die "stärkere" Hand. Geht man mit Stöcken, hat man eh in jeder Hand einen Stock. Dabei sollte aber bedacht werden, dass ein gerader Aufstieg meist erfolgt, wenn das Gelände relativ steil ist.

Da kann dann schnell die Situation eintreten, dass ein Gehen mit Stöcken nicht mehr angebracht ist und der Pickel her muss. Das ist dann der Fall, wenn das Gelände so steil ist, dass man bei einem Ausrutscher weiter rutscht und "Fahrt" aufnimmt.

Nach wie vor ist das Ausgleiten auf Eis und Firn eine der häufigsten Unfallursachen beim Bergsteigen. Wie Pit Schubert schon vor Jahren herausgefunden hat, erreicht man unter ungünstigen Umständen beim Rutschen nahezu die Geschwindigkeit des freien Falls.

Beim geraden Aufstieg tritt man sich mit den Schuhspitzen Tritte für die Füße. Bei griffigen Verhältnissen (Trittfirn) funktioniert das sehr gut, besonders, wenn man einmal einen Rhythmus gefunden hat, kommt man gut voran. Wer zu schnell geht, macht sich dabei aber auch schnell "platt". Ein ruhiges und kontrolliertes Steigen ist gefragt, mit einer betonten Gewichtsverlagerung auf das jeweilige Standbein. Nur dann kann man das freie Bein in Ruhe nach oben führen.

Erfahrene Bergsteiger

Wenn man abfährt, sollte man die Lage jederzeit unter Kontrolle haben.
Wenn man abfährt, sollte man die Lage jederzeit unter Kontrolle haben.

lieben bei Frühsommertouren nichts mehr, als ausgedehnte Altschneefelder. Mit etwas Übung und einem guten Gleichgewichtsgefühl lässt es sich auf verfestigtem Schnee fantastisch abfahren, nur auf den Sohlen der Schuhe.

Dazu steht man mittig über den Schuhen, eine leichte Schrittstellung der Füße hilft dabei, Wackler nach vorne und hinten auszugleichen. Bei guten Bedingungen kann man sich so den Abstieg "versüßen" und sehr schnell Höhenmeter vernichten.

Allerdings muss man sich natürlich auch über die Gefahren bewusst sein. Gelände, das in flachen Mulden oder Senken ausläuft, bietet sich geradezu an. Allerdings können schon einzelne Steine, die im Schnee liegen, böse Verletzungen verursachen, wenn man nach einem Sturz unkontrolliert darüber rutscht.

Und Schneefelder, die in Schutt- oder Steinflächen enden, dürfen nur von Bergsteigern befahren werden, die absolut sicher sind und jederzeit anhalten können. Wer unkontrolliert in ein solches Schuttfeld rast, ist garantiert ein Fall für die Ambulanz des nächsten Krankenhauses.

Eine weitere Gefahr sind wechselnde Schneebedingungen. Schon eine leichte Expositionsänderung des Hanges kann überraschend ganz andere Bedingungen mit sich bringen. Hier ist also Vorsicht und Voraussicht gefragt.

Wer sich nicht traut

Das etwas sicherere Absteigen.
Das etwas sicherere Absteigen.

abzufahren, kann trotzdem im Schnee schnell und effizient absteigen. Meist ist der Abstieg in Falllinie der günstigste. Im Schnee steigt man am besten mit steifen Beinen ab und rammt die Ferse ein.

Mit einer gleichmäßigen Wippbewegung des Körpers (Gewichtsverlagerung) von rechts nach links kann man so immer wechselweise ein Bein heben und tiefer wieder aufsetzen.

Häufig kommt es bei dem Fuß, der neu aufgesetzt wird, zu Rutschern. Dies sollte man zulassen und sich darauf einstellen. Im Optimalfall ist das Ganze dann ein Mittelding aus absteigen und abfahren, weil man mit jedem Schritt eine ganze Schrittlänge hinabgleitet.

Oftmals ist das kaum langsamer als Abfahren, aber wesentlich kontrollierter. Sind die Bedingungen hart oder man fühlt sich nicht mehr sicher, sucht man sich Gelände, in dem schneefrei abgestiegen werden kann. Häufig ist auf Kuppen und Rippen der Schnee schon abgeschmolzen und man kann im Grasgelände auch ohne Schneekontakt absteigen.

Dass das Gehen ohne Steigeisen seine Grenzen hat, ist selbstverständlich. Bei harten, steilen Bedingungen gehören Steigeisen an die Füße. Und immer dann, wenn man sich ohne Eisen nicht mehr sicher fühlt.

Text: Edu Koch

Aus ALPIN 05/08

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