Wieso sind heutige Bergschuhe in manchen Punkten (Ösen, Sohlen) schlechter als frühere Modelle?

Frage von G. Hendl über alpin.de: Sehr geehrter Herr Perwitzschky, ich ärgere mich immer wieder über die äußerst unpraktischen Ösen für die Schuhbänder wie sie heute an den meisten Bergstiefeln zu finden sind.

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Durch die früher üblichen, dreieckigen Ösen ließen sich die Bänder völlig unproblematisch durchfädeln, weshalb ich beim Einfetten bzw. -wachsen der Bergschuhe die Schuhbänder jedesmal ausfädelte, da das Pflegemittel ja nur auf dem Leder und nicht auch auf den Schnürsenkeln landen sollte.

Bei den heute meist üblichen Ösen wird das Einfädeln zur zeitraubenden Fummelei, vor allem, wenn die versteiften Enden der Schuhbänder irgendwann abgegangen und die Enden der Bänder etwas fransig geworden sind.

So vermeide ich eben so oft es geht, die Bänder bei der Schuhpflege herauszuziehen mit dem Ergebnis, dass ich mir später beim Anziehen der Schuhe schmierige Finger einhandle. Ich wundere mich daher stets, dass dies bei Euren Bergschuhtests noch nie bemängelt wurde, denn sicher haben diese Erfahrung auch schon zahlreiche andere Berggeher gemacht.

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Eine andere Sache ist die mit den oft schlecht verklebten Sohlen der heutigen Bergschuhe. Aufgrund der Aussage eines Schusters entnehme ich, dass dies an den heutigen Klebern liegen dürfte, die aus Umweltschutzgründen eine andere Zusammensetzung haben müssen. Sicher ist auch Ihnen schon aufgefallen, dass man bei Bergtouren hin und wieder mal wo eine abgelöste Sohle liegen sieht.

Auch wir mußten hier bereits diesbezügliche Erfahrungen sammeln. Zum Glück passierte es bisher immer in der warmen Jahreszeit, denn einmal mußte ich sogar die letzten Kilometer zum Bahnhof barfuß zurücklegen. Nicht auszudenken, welche Folgen dies zu winterlicher Zeit oder im Hochgebirge haben kann.

Meine Frage dazu: Hat sich hier in jüngerer Zeit etwas zum Positiven verändert, so dass man zum jetzigen Zeitpunkt gekaufte Schuhe wieder tragen kann, ohne befürchten zu müssen, irgendwo hoch droben plötzlich mit losen Sohlen dazustehen. Wir gehen übrigens seit nunmehr über 50 Jahren in die Berge und hatten früher nie Probleme mit locker gewordenen Schuhsohlen. Mit freundlichen Grüßen G. Hendl

Antwort von Olaf: Hallo Herr Hendl, vielen Danke für Ihre Anmerkungen. Sie gehören mit Ihrer gründlichen Schuhpflege wohl eher zu einer Minderheit. Auch ich pflege meine Schuhe oft wie von Ihnen beschrieben, üblich ist das aber nach meiner Erfahrung nicht mehr.

Grundsätzlich haben Sie Recht mit den Schuhbändern. Es gibt ja sogar Schnürsysteme, bei denen ein Austausch der Schubänder gar nicht möglich ist. Das ist überhaupt nur möglich, weil es heutzutage Schubänder gibt, die hochfest sind und sehr lange halten. Trotzdem halte ich diese Entwicklung nicht für sinnvoll. Wir können bei einem Test so etwas sicherlich nennen, in einem Bewertung mit einzubeziehen sehe ich als schwierig.

Zu den Sohlen: Da hat Ihnen der Schuster schon das richtige gesagt: Die heutigen Kleber sind aus Umwelt- und gesundheitlichen Gründen nicht mehr so in der Zusammensetzung, wie sie vor 20 Jahren waren.

Ergebnis ist, dass die Performance, also die Haltekraft und die Langlebigkeit, nachlässt. Wie lange ein neu gekaufter Schuh auf jeden Fall halten sollte, werde ich bei einem Hersteller erfragen. Nach meinem Ermessen muss eine Sohle mindesten acht bis zehn Jahre halten. Wenn der Schuh nach diesem Zeitraum noch gut in Schuss ist, sollte man sich ggf. vorsorglich eine neue Sohle drauf machen lassen. Wenn ein Schuh nach fünf Jahren die Sohle verliert, kann das nach meinem Dafürhalten nicht sein.

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Olaf Perwitzschky ist ALPIN-Testredakteur und staatlich geprüfter Bergführer. Berge sind seine Leidenschaft - und Eure Fragen sind ihm Herausforderung! Jeden Monat beantwortet er Eure Anliegen im ALPIN-Heft unter der allseits bekannten Rubrik "Olaf klärt das schon!".

Worauf Ihr beim Kauf von Bergschuhen achten solltet, erfahrt Ihr in der Fotogalerie:

Text von Olaf Perwitzschky

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