Orthopäische Einlagen sind kleine Kunstwerke. In Sportschuhen können sie wahre Wunder wirken – wenn sie richtig ausgewählt und angepasst worden sind. Wir sagen Ihnen worauf Sie bei der Auswahl Achten sollten.

Der Fußabdruck verrät dem Spezialisten schon viel über mögliche Probleme.
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Bei einem Punkt kennt Stephan Riedl, orthopädischer Schuhmacher aus dem bayerischen Ohlstadt, keine Kompromisse: „Gute Einlagen werden immer über den Fuß gemacht.“ Zugegeben, das klingt zunächst etwas kryptisch, doch der Nachsatz klärt auf:

„Nur einen Abdruck der Füße zu nehmen, reicht nicht aus. Wichtig ist, dass anhand des Abdrucks eine Modell der Füße erstellt wird, an dem dann die Einlagen individuell gefertigt werden.“ 137 Bänder, 26 Knochen sowie eine Menge Muskeln sorgen beim Menschen für einen sicheren Tritt. Doch die komplexe Anatomie des Fußes hat ihre Tücken, denn wird sie gestört, entstehen schnell Probleme.

Von Senk-, Platt-, Hohlund Spreizfüßen haben die meisten schon gehört. Nicht selten sind diese Veränderungen der Grund dafür, warum die Füße schmerzen. „Einlagen können in vielen Fällen helfen“, sagt Riedl und greift zur Erklärung auf eine einfache Physik zurück:

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„Mehr Auflagefläche bei gleicher Belastung bedeutet weniger punktuellen Druck und dadurch weniger Probleme.“

Welche Indikation?

Ein sorgfälltiges Vermessen gehört bei guten Einlagen dazu.

Ist die Entscheidung für eine Einlage gefallen, helfen drei Fragen dabei, sich für den richtigen Typ zu entscheiden. „Wichtig ist, sich die medizinische Indikation vor Augen zu führen“, erklärt Riedl. „Müssen Fehlstellungen korrigiert werden, reicht eine einfache Bettung nicht aus. Dann muss es schon eine orthopädische Einlage sein.

„Damit lässt sich ein Senkfuß aufrichten oder der Druck von den schmerzenden Mittelfußknochen nehmen.“ Bisweilen rühren auch Knie-, Hüft- oder Rückenbeschwerden von einer Störung am Fuß her. Orthopäden sind in diesen Fällen die ersten Ansprechpartner und stellen – wenn nötig – entsprechende Verordnungen für Einlagen aus.

Welche Verwendung?

Der Einsatzbereich einer Einlage bestimmt letztlich ihren Aufbau. „Insbesondere für Sportler ist diese Frage entscheidend“, sagt Riedl. Dynamische Sportarten, bei denen sich der Fuß abrollt, stellen andere Anforderungen an Einlagen als statische wie Radfahren.

Beispiel Laufen: Eine zu stark gedämpfte Einlage absorbiert Energie, die eigentlich für die Vorwärtsbewegung nötig ist. Das Laufen strengt mehr an.

In welche Schuhe?

Als Basis für die Einlage dient der Fußabdruck. Dazu tritt der Kunde in einem Katschaum.

Die nächste Hürde auf dem Weg zur passenden Einlage stellen die Schuhe dar, für die sie bestimmt sind. Die entscheidende Frage: Wie viel Platz dürfen die künftigen Hilfsmittel einnehmen? Schließlich sollen Probleme behoben und nicht neue geschaffen werden.

Denn: Schnürt der Schuh mit Einlage den Fuß ein, rebellieren schnell die Muskeln. Im schlimmsten Fall verkrampfen sie, der Fuß wird taub und schläft ein.

Fünf Schritte zur Einlage

Sind diese Fragen geklärt, beginnt die handwerkliche Arbeit des Schuhmachers. „Zunächst schaue ich mir den Fuß des Kunden nochmals genau an“, beschreibt Riedl seine Vorgehensweise. Er testet die Beweglichkeit der Bänder, die Dehnbarkeit der Muskeln und den Zustand der Gelenke.

In seiner Werkstadt in Ohlstadt folgt auf die Bestandsaufnahme eine Druckmessung: „Der Patient stellt sich auf eine kleine Plattform, die die Hauptbelastungspunkte am Fuß registriert.“

Damit weiß der Schuhmacher genau, welche Stellen entlastet werden müssen. Es folgt der Fußabdruck. Dazu tritt der Patient in einen Schaumstoff. Den Abdruck füllt Riedl mit Hartschaum auf und erhält so ein Modell der Füße.

„Das halte ich für einen ganz wichtigen Schritt“, sagt der Schuhmacher, „denn dieses Modell ermöglicht einen entsprechend korrekten Aufbau der Einlage.“ Mit bis zu drei Schichten gestaltet er anschließend die Einlage, wobei er aus verschieden harten Materialien diejenigen auswählt, die dem Körpergewicht und den festgestellten medizinischen Bedürfnissen entsprechen.

Übungen für die Fußmuskulatur.

Nachdem die erhitzten Gummimaterialien ausgekühlt sind, baut der Schuhmacher – falls erforderlich – zusätzliche Dämpfungen ein und überzieht die Einlagen auch noch mit einem speziellen Material.

Für Menschen, die stark schwitzen, kann es beispielsweise interessant sein, die Einlagen mit naturgegerbtem Leder überziehen zu lassen. Das hilft gegen Schweißfüße. „Insgesamt stehen 15 bis 20 verschiedene Materialien zur Auswahl“, sagt Riedl. Für jeden etwas.

35 bis 40 Minuten benötigen Schuhmacher wie Riedl für das Fertigen eines Paars Einlagen. Die Kosten für den Kunden: 100 bis 150 Euro. Wer Einlagen auf Rezept bekommt, muss mit einem Eigenanteil von 20 bis 40 Euro rechnen.

Das Geld ist gut investiert, denn mit gut angepassten Einlagen lassen sich viele Haltungs- und Fußprobleme in den Griff kriegen. Allerdings stehen die Chancen nicht für alle Einlagen gleich gut.

„Es gibt Fertigeinlagen, die zwar auch mit einem Abdruck an den Fuß angepasst werden, sie enthalten aber bereits Dämpfer und Stützen an festgelegten Stellen“, erklärt Riedl. „Da jedoch jeder Fuß anders ist, geht der Vorteilder individuellen Anpassung dabei manchmal verloren.“

Was Sie dagegen tun können? Fragen Sie nach, wie Ihre Einlagen hergestellt werden. Und denken Sie daran: „Gute Einlagen werden immer über den Fuß gemacht.“

Text: Dr. Ralph Müller-Gesser

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