Die Lafatscher(-Riesen)-Verschneidung ist eine der „Must-have-Touren“, wenn man sich gerne im alpinen Gelände bewegt. Wir stellen euch die mittelschwere Klettertour Schritt für Schritt vor.

Wer schon einmal am Halleranger war, kennt sie bestimmt: die markante Linie der Lafatscher-Verschneidung. Als Kletterer muss man diese Tour einfach gemacht haben!

ALPIN 10/2019 mit dem Schritt für Schritt auf den Lafatscher gibt es hier online zu bestellen. 

| © www.alpin.de

Das Karwendel ist ein Ort traditioneller Kletterrouten. Nicht alle dieser alten Linien würde man heute als lohnend bezeichnen. Die Lafatscher-Verschneidung schon. Sie wurde 1928 von Auckenthaler und Pirkner erstbegangen. Und wer sich heute die für viele Kletterer ungewöhnliche Rissverschneidung hochschrubbt, hat höchsten Respekt vor der Leistung der Erstbegeher.

Obwohl die Holzkeile, die man auch heute noch finden kann, sicherlich nicht mehr von den Erstbegehern selbst stammen, vermitteln sie dennoch einen Eindruck, wie die Altvorderen damals unterwegs waren und wie gesichert wurde. Heute bedienen wir uns zum Glück ganz anderer Sicherungsmittel. Hilfreich oder besser gesagt gut für das Nervenkostüm sind zwei 4er-Friends ( Camalots), vielleicht sogar ein 5er.

Tierische Freu(n)de: Gut, wenn man immer den Durchblick hat.

| © Birgit Gelder

Denn die Verschneidung wird nach oben hin immer breiter und zusätzliche Sicherungsmöglichkeiten gibt es kaum. Nach der eigentlichen Verscheidung folgen noch zwei Seillängen in nicht ganz festem Fels. Besonders die letzte Seillänge ist eher brüchig, in diesem Bereich aber nicht allzu schwierig (UIAA IV).

Schön, wenn man genießen kann: Die Verschneidungist geschafft, der Abstieg steht an. Wer will, kann  noch zum Gipfel hochkraxeln.

| © Birgit Gelder

Wer nach den zehn Seillängen teils kräftezehrender Kletterei noch genug Energie hat, kann noch auf den Gipfel des Kleinen Lafatscher steigen. Denn die Kletterei endet quasi im Nirgendwo. Wer lieber auf den Gipfel verzichtet, quert durch steiles Schrofengelände und erreicht nach leichter (Ab-)Kletterei die weiten Geröllhänge oberhalb des Lafatscher Jochs, über die es schnell wieder ins Tal hinab geht.

Wir klettern mit eich die Lafatscher-Verschneidung Schritt für Schritt:

ALPIN Info&Touren

Kleiner Lafatscher, 2635 m – Lafatscher-Verschneidung

Die anspruchsvolle Klettertour durch die Riesenverschneidung des Lafatscher zählt zu den Klassiker-Touren im Karwendel.

  • Klettertour, mittel, VI, 10 SL

  • Dauer: 10 ¼ Std. ( Mit Fahrrad: 3 Std., 800 Hm)

  • Höhenmeter: 1750 Hm  im Auf- und Abstieg

  • Beste Zeit: Juni bis Oktober

  • Talort: Scharnitz, 964 m.

  • Ausgangspunkt: Halleranger-Alm, 1776 m, oder Hallerangerhaus, 1768 m.

  • Info: Tourismusbüro Scharnitz, Tel. +43 5088 0540, seefeld.com

  • Anreise: Mit dem PKW über die A95 und B2 oder per Bahn nach Scharnitz. Im Ort vor der Kirche links Richtung Karwendeltäler abbiegen. Gebührenpflichtige Parkplätze.

  • Gehtzeiten: Bis zur Halleranger-Alm per Bike 3 Std. (800 Hm, 18 km), zu Fuß 5 Std. – Einstieg ¾ Std. – Kletterzeit 4 Std. – Abstieg zur Hütte 1 ½ Std. – Abfahrt nach Scharnitz per Bike 1 Std., zu Fuß 4 Std.

  • Unterkünfte/Hütten: Halleranger- Alm, 1774 m, privat, bewirtschaftet von Mitte Juni bis Anfang Oktober, Tel. +43 664 1055955, halleranger-alm.at; Hallerangerhaus, 1768 m, DAV, bewirtschaftet von Mitte Juni bis Anfang Oktober, Tel. +43 720 347028 oder Tel. +43 664 8937583, hallerangerhaus.at

  • Einkehr: Kastenalm, 1220 m, privat, bewirtschaftet Juni bis Ende September, Tel. +43 664 5316796.

  • Taxi: bis zur Kastenalm: Taxi Kili, Tel. +43 522 345500; Taxi Ramona, Tel. +43 5213 5541.

  • Literatur: Karwendel, Panico Alpinverlag, Neuauflage in Bearbeitung. Topo auf sirdar.de

  • Karte: AV-Karte, 1: 25.000, Blatt 5/1 West und 5/2 Mitte, Karwendelgebirge.

  • Absicht: Alpin, mit gebohrten Ständen.

  • Ausrüstung: Gurt, Helm, Sicherungsgerät, zwei 50-m-Seile, 10 Expressschlingen, Grundsortiment Keile, mittlere und große Friends (ideal zwei 4er-Cams ggf. ein 5er-Cam).

Route: Am Besten per Bike bis Halleranger- Alm oder -haus. Zum Einstieg auf dem Weg Richtung Lafatscher Joch, dann rechts abzweigen, um den Steigspuren in Richtung der gut sichtbaren Verschneidung zu folgen. Über brüchiges Gelände hinauf bis zum ersten Stand. Kletternd der Verschneidung aufsteigend folgen, die nach oben hin immer markanter wird. 

Nach der siebten Seillänge (Wandbuch) nach rechts queren. Dann noch zwei Seillängen in brüchigerem Gelände. Nun entweder am Grat entlang (Steigspuren) zum Gipfel, oder in der Flanke zur Jochreisen queren und nach Osten bis auf den Wanderweg Richtung Lafatscher Joch. Auf diesem zurück zum Ausgangspunkt.

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