Kashmir scheint so langsam die neue Lieblingsdestination von Stef Siegrist, Thomas Senf und Dres Abegglen zu werden. Die Tourenmöglichkeiten im Grenzgebiet zwischen Indien, Pakistan und China hatten das Trio schon 2014 begeistert, wie Stef Siegrist berichtet.

Berge können unbestritten schön sein, ästhetisch umwerfend – nicht umsonst hat das Matterhorn auf der Welt schon mehrere Doppelgänger. Im Norden Indiens durften wir eine weitere traumhafte Version des Matterhorns finden.

Die markante Pyramide steht in der bisher fast nicht zugänglichen Kashmir-Region, dem konfliktreichen Grenzgebiet zwischen Indien und Pakistan.

Der nach Karte 6.100 Meter hohe Berg (nach unseren Messungen 5.900m) ragt wie eine Speerspitze aus den umliegenden Bergketten und trägt deshalb den Namen "Spear" (Speer).

Aufgrund eines Fotos unseres Indischen Freundes Ranjit hatten wie drei entschieden, im September 2015 ein weiteres Mal in die Region zu fahren, in der wir auf früheren Expeditionen bereits alpinistisches Neuland entdecken durften.

Organisatorisch war die Expedition eine Herausforderung. Über das Gebiet bestehen kaum Informationen, die Karten sind ungenau, manchmal erscheinen ganze Bergketten am falschen Ort.

Von ihrem Hauptziel, dem "Spear", wussten die Bergsteiger nicht einmal, wie hoch er wirklich ist. Es war auch nicht klar, wo sie das Basislager errichten könnten und wie lange sie brauchen würden, um mit allem Material dahin zu gelangen.

Für mich macht aber genau dies den Reiz aus. Mir gefällt das ganze Drumherum, es ist eine tatsächliche Expedition, ein Aufbruch ins Unbekannte. Dank guter Kontakte und viel Wetterglück gelangten wir aber ohne größere Probleme zu "unserem" Berg und schafften den Anstieg auf Anhieb.

Die Bedingungen am «Spear» erwiesen sich jedoch längst nicht so schön wie angenommen. Der Fels war brüchig, die Gefahr von Stein- und Eisschlag relativ groß.

Wir erreichten den Gipfel am 13. September über eine Route, die vom Sattel aus über eine Rampe in die Nordostwand führt.

Beflügelt vom Erfolg entschieden wir drei uns, einen weiteren Berg zu besteigen, der uns ins Auge gestochen war: ein wie von Kinderhand gezeichneter, "perfekter" Gipfel, den die Einheimischen den göttlichen Berg "Tupendeo" nennen.

Im Gegensatz zum "Spear" fanden Dres, Thomas und ich am hohen Pfeiler, der sich bis zum Gipfel zieht, allerbesten Fels vor. Bestimmt die schönsten Kletterverhältnissen , die wir je auf vergleichbarer Höhe hatten. 

Die Route führte über 800 Höhenmeter in 21 Seillängen auf den bisher unbestiegenen Gipfel des "Tupendeo" (5700m).

Den vollständigen Bericht von Stephan Siegrist und noch mehr tolle Bilder von Thomas Senf finden Sie unter www.stephan-siegrist.ch

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