Hochklettern, blockieren, ablassen – Hallenkletterer benutzen als elementares Werkzeug ihres Sports ein Sicherungsgerät. Warum gerade die populärsten unter ihnen, die Tuber, zu unsicher sind, darüber streiten derzeit die Experten. Bedienfehler, sagen die Hersteller. Konstruktionsfehler, sagt der Sicherheitstechniker. Hinter der Debatte geht es um die Grundsatzfrage, wie viel alpinistisches Risiko der Massensport Hallenklettern verträgt.

Ein Ehepaar geht zum Klettern in die Halle. Damit beide unversehrt bleiben, sichern sie sich stets nach demselben Prinzip: Die Frau steigt an den Griffen empor und zieht dabei ein an den Hüftgurt geknotetes Seil hinter sich her. Auf dem Weg nach oben hängt sie es regelmäßig über Karabiner an der Wand ein.

Sie sorgen dafür, dass sie beim Sturz anstatt auf den Boden ins Seil fällt. Das geht aber nur, wenn der Mann am Boden das Seil mit seinem Eigengewicht bremst. Als Bremshilfe dient ihm dabei ein Sicherungsgerät. Es ist an seinem Hüftgurt fixiert und er führt das Seil durch einen Klemmmechanismus.

Fällt die Frau aus der Wand, blockiert der Mann das Gerät. Das Seil wird gestoppt, der Sturz gehalten. (Hallen-)Klettern funktioniert in den allermeisten Fällen nach diesem Prinzip. Darum lernen alle Kletter-Anfänger als erstes, richtig zu sichern. Früher diente dazu allein ein Schraubkarabiner, in dem man das Seil mit der sogenannten Halbmastwurfsicherung einlegte.

Die Möglichkeit der Ablenkung ist besonders in Kletterhallen vielfältig. | © Sojer

Mehr Auswahl als früher, aber auch mehr Sicherheit?

© alpin.de

Heute konkurrieren mehrere Dutzend Sicherungsgeräte mit unterschiedlichen Handhabungen, Vor- und Nachteilen auf dem Markt. Aber Seil einziehen, ausgeben und blockieren, das geht mit allen. Beim Publikum derzeit am beliebtesten sind sogenannte Tuber. Sie kosten wenig, sind schnell zu begreifen und erlauben ein bequemes Seilhandling. 

Nach der DAV-Kletterhallenstudie 2012 sichern 60 Prozent der Besucher von Kletterhallen in Deutschland mit einem Tuber. Bei 500.000 Kletterern in Deutschland sind das rund 300 000 Personen. Sie alle bringen sich in Lebensgefahr, denn Tuber sind zu unsicher – das behauptet zumindest Thomas Lammel, Sicherheitstechniker und Klettertrainer.

Der 41-Jährige sitzt in seinem Büro in Türkheim und blickt auf das Bündel Sicherungsgeräte auf dem Tisch. Er erzählt von dem Vorfall im Jahr 2013, der alles ins Rollen brachte. Damals fiel seine Frau im DAV-Kletterzentrum Kaufbeuren aus dem Dachbereich des Turms – gesichert von einem Bekannten per Tuber – fast auf den Boden. Nur weil der Bekannte das Seil reflexartig umklammert und sich die Hände verbrannt hat, kam Lammels Frau nur leicht verletzt davon.

Und das obwohl – so versichert Lammel – das Sicherungsgerät korrekt bedient wurde. Genau das ist Lammels Problem mit dem Tuber.

Die Tücke der Tuber

Abstimmungsergebnis
89% der Teilnehmer sind gegen ein generelles Verbot für Tuber in Kletterhallen. | © alpin.de

Beim Tuber kommt das Seil vom Kletterer herab und fädelt durch die kleine Röhre des Tubers ein, daher der Name. Dann umfährt es einen Karabiner und läuft erneut durch das Gerät hinaus zur Bremshand des Sichernden. Der kann den Winkel zwischen ein- und auslaufendem Seil ändern und so die Bremskraft des Tubers regeln.

Zum Halten eines Sturzes muss der Sichernde den Winkel erhöhen, also die Bremshand nach unten nehmen. Lässt er sie oben, läuft das Seil durch den offenen Tuber, der Kletterer stürzt zu Boden.

Sichernde mit Tuber wissen das, darum halten sie die Bremshand möglichst permanent unten und nehmen sie zum Seil ausgeben oder einziehen nur kurz nach oben. In Lammels Fall kam die Last nach eigener Aussage genau in dem Sekundenbruchteil auf das Seil, als die Bremshand des Sichernden oben war.

Grundposition beim Sichern mit dem Ergo Belay von Salewa, einem Halbautomaten. | © alpin.de

Ein nach statistischer Häufigkeit höchst unwahrscheinlicher Vorgang, und dennoch trat er ein. Lammel hinterfragte, warum man Hunderttausende Sicherungsgeräte verkauft, die die Anwender, wenn auch nur im unwahrscheinlichsten Fall, gefährden. In seinem Metier als Sicherheitstechniker – Lammel arbeitet im Bereich Explosionsschutz – wäre das undenkbar. Dort müssen Hersteller die Sicherheit ihrer Geräte nachweisen, bevor sie auf den Markt kommen.

Lammel veröffentlichte mehrere Statements in Fachzeitschriften für Bergsport-Experten. Darin beschrieb er das Problem des offenen Tubers bei falsch gehaltener Bremshand und forderte die Hersteller auf, den sicherheitstechnischen Nachweis für ihre Tuber-Geräte zu bringen. "Bislang habe ich nichts gesehen", sagt er. 

Hersteller sieht Anwender in der Pflicht

"Den Nachweis haben wir", sagt Daniel Gebel, Produktentwickler des Allgäuer Bergsportausrüsters Edelrid. Er hat zusammen mit den Sicherheitsbeauftragten vom DAV im Juli 2014 eine Versuchsreihe durchgeführt. Das Ergebnis: Sogar Nicht-Kletterer können nach kurzer Einweisung Stürze mit dem Tuber halten.

Und das trotz Ablenkung durch Sichtblenden oder Kopfhörer und sogar im unsichersten Moment der Bedienung. Den gesamten Datensatz möchte Gebel allerdings nicht öffentlich machen, solange er nicht muss.

Gebel sieht beim Tuber in Aktion vor allem die Anwender in der Pflicht. Denn Voraussetzung zum Sichern mit dem Tuber ist lückenlose Aufmerksamkeit. Nur wer den Kletterpartner permanent beobachtet, kann ihn beim Sturz halten. "Wer beim Sichern nicht mit einem Sturz des Kletterpartners rechnet, ist einfach selbst schuld", sagt Daniel Gebel.

"In der Gebrauchsanweisung weisen wir ausdrücklich darauf hin. Nur liest sie halt keiner." Tatsächlich steht in der Nutzungsbeschreibung von Edelrid ein entsprechender Hinweis samt Zeichnung, dass bei falscher Anwendung des Geräts Lebensgefahr besteht. Im Netz findet man außerdem Videos von Edelrid, in denen Daniel Gebel selbst die korrekte Benutzung hauseigener Sicherungsgeräte vorführt.

Das reicht nicht, sagt Lammel. Er argumentiert, dass auch bei korrektem Sichern mit dem Tuber Kletterer auf den Boden stürzen können. In seinem Fach als Sicherheitstechniker haben Geräte eine Kontrollfunktion und eine Sicherheitsfunktion. Beide müssen strengstens voneinander getrennt sein.

TÜV: "Man muss die Handhabung beherrschen"

Bei einer Waschmaschine etwa ist die Kontrollfunktion die Auswahl der Waschprogramme. Sicherheitsfunktion ist das eigenständige Verriegeln der Tür, solange die Maschine wäscht. Zum Schutz etwa vor Verbrühen haben Bediener darauf keinen Einfluss.

Beim Tuber ist das anders, sagt Lammel. Kontrollfunktion ist das Handling zum Seilausgeben oder -einziehen, Sicherheitsfunktion ist das Blockieren des Seils zum Halten eines Sturzes. Beide Funktionen seien vermischt, argumentiert Lammel. Um Seil einzuholen oder auszugeben, müssten die Anwender die Bremshand nach oben nehmen, was die Sicherheitsfunktion des Tubers außer Kraft setzt.

© Petzl

"Das geht so nicht", sagt Lammel. "Das wäre etwa so, als würde eine Firma eine Waschmaschine entwickeln, die normalerweise ihre Tür verriegelt, außer im Kochwaschgang." Für diesen Fall würde der Hersteller der Maschine dann ins Handbuch schreiben, dass die Anwender halt aufpassen müssen. "Zu sagen, bei Unfällen bist du selbst schuld – das ist wie ein Schlag ins Gesicht der Opfer", sagt Lammel. "Warum sollte das, was für Haushaltsgeräte gilt, nicht für Sicherheitsgeräte gelten?"

In den Jahren 2012 und 2013 gab es laut DAV-Unfallstatistik rund 90 Unfälle beim Seilklettern in Anlagen des Alpenvereins, fast zwei Drittel davon mit Tuber. Allerdings nur deshalb, weil ihn so viele benutzen. Statistisch gesehen sind Tuber bei Unfällen nicht signifikant überrepräsentiert.

Auch der TÜV sieht beim Umgang mit Tubern die Bediener beteiligt, auch wenn die Fehler machen. Volker Kron vom TÜV sagt: "Das ist, als würde man sagen: Kann man noch Messer verkaufen, da hat sich doch letztens jemand geschnitten? Man muss die Handhabung beherrschen."

Lammel hält dagegen: "Hallenklettern ist ein Massensport. Es gibt kommerzielles Klettern mit Familien, Kindern und sogar Behinderten. Da zählen andere Regeln als im Bergsteigen. Vielen ist gar nicht bewusst, dass Klettern gefährlich ist."

Anfänger nur noch mit Autotubes und Halbautomaten

Einige Beteiligte haben auf Lammels öffentliche Vorwürfe bereits reagiert. Der Kletterhallenverband Klever hat den Tuber zum Jahreswechsel aus seinem Ausbildungsprogramm verbannt und lehrt Anfängern künftig nur noch den Umgang mit sogenannten Autotubes und Halbautomaten wie dem bekannten Gerät GriGri. Im Kletterzentrum Nordhessen sind Tuber sogar komplett verboten worden.

© Petzl

Auch der Österreichische Alpenverein hat seine Lehrmeinung geändert und empfiehlt zum Sichern nur noch halbautomatische Sicherungsgeräte. Der größte Bergsteigerverband, der Deutsche Alpenverein, hält sich mit einer neuen Lehrmeinung bislang zurück. "Dafür braucht man erst eine sichere Position", sagt Florian Hellberg, Sicherheitsingenieur beim DAV.

"Und die hat sich erst durch die jüngste Diskussion entwickelt." Trotzdem will auch der DAV in der Ausbildung auf halbautomatische Sicherungsgeräte umstellen. Ein erster Schritt dazu ist ein Konzept namens "Sicherungsupdate", eine Fortsetzung des 2005 eingeführten Kletterscheins.

Hellberg sieht durchaus Mängel beim Hallenpublikum. "Viele Sicherer in Hallen sind zwar gute Seilausgeber und -einnehmer, aber keine guten Sicherer", sagt der staatlich geprüfte Bergführer.

Hallenklettern hat nichts mit Bergsteigen zu tun!

Früher haben Bergsteiger ihr Material zum Teil selbst gebaut. Ob Karabiner oder Seile wirklich halten, wusste niemand. Trotzdem waren sie unterwegs in großen Wänden, immer an der Grenze zwischen Heldentum und Tod. Der Geist jener wilden Hunde, die gut auf sich selbst aufpassten oder umkamen – in jedem Fall aber selbst schuld waren –, ein Stück weit hat ihn die rasante Entwicklung des Bergsports auch in künstlichen Kletteranlagen mitgerissen.

Da geistert er jetzt herum, zwischen Kindern, Familien und Software-Programmierern, die Hallenklettern betreiben wie ein Workout im Fitnessstudio. Wie er da noch hineinpasst, das ist die große Frage.

"Gar nicht", sagt Peter Plattner, Bergführer und Macher der Fachzeitschrift Bergundsteigen. Für ihn liegt der Kern im Begriff des Bergsports. Hallenklettern hat seiner Meinung nach mit Bergsteigen nichts zu tun.

"Alpinisten wollen ein Risiko eingehen. Das wollen die Breitensportler nicht. "Die Folge: Der risikoreiche Tuber ist fürs Gebirge da, für die Benutzung durch Alpinisten. Nicht durch Hallenkletterer.

Thomas Lammel will im Frühjahr den sicherheitstechnischen Nachweis für Tuber bringen. Und zwar nach den Standards seines Berufs als Sicherheitstechniker. Die aus seiner Sicht wahrscheinlich mangelhaften Ergebnisse will er dann an die Staatsanwaltschaft schicken mit der Bitte um Aufnahme konkreter Ermittlungen.

Fühlen Sie sich sicher mit dem Tuber? Oder sichern Sie mir einem anderen Sicherungsgerät? Was meinen Sie zu der Diskussion? Wir sind gespannt auf Ihre Kommentare und das Abstimmungsergebnis.

Text von Sebastian Nachbar

21 Kommentare

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Max Moritz

Da nimmt sich wohl jemand sehr wichtig. Natürlich geht Sicherheit vor. Aber sowohl beim Bergsteigen als auch beim Hallenklettern bleibt immer ein Restrisiko. Letztlich ist es ein Abwägen zwischen Funktion, Sicherheit, Gewicht, Kosten, ...
Ist der Tuber ein höheres Risiko als die HMS? Wohl nicht, da der Tuber beim Loslassen idR selbständig blockiert. Folgerichtig müsste dann ja auch die HMS verboten werden.
Hängt jemand das Seil falsch durch den Express, kann das ebenfalls schlimm enden. Wieso fordert Herr Lammer nicht auch das Verbot aller Expresse?
Weiter müsste der Argumentation von Herrn Lammel folgend selbst das Auto verboten werden, weil der Anwender trotz aller Sicherheitsfunktionen bei falscher Anwendungen Kollisionen mit Todesfolgen verursachen kann.
Selbst der Vergleich mit der Waschmaschine hinkt, da auch dort bei falscher Anwendungen Todesfolgen möglich sind. Wascht bitte eure Kinder in der Badewanne.

Michi t.

Ich denke auch mit einem tuber ist es problemlos möglich einen sturtz beim Seil nehmen resp geben zu blokieren! Solange die Bremshand nicht über dem tuber liegt wenn das seil vom kletterer belastet ist! Dazu gehört natürlich übung welchetrainirt werden muss eine konsequente umsetztung sowie höchste konsentration!
Ich hallte es für höchst gefährlich den leuten vorzuschreiben nur mit halbautomaten wie dem grigri zu klettern auch das kann ins auge gehen und ist nicht zu 100 sicher auch hier kann ei n bedienungsfehler schlimm enden ich habe dies selbst schon erleben müssen!

Amerigo

Als ich das erste Mal ein Tube gesehen habe, war das meine Frage: was, wenn genau in dem Moment jemand stürzt, wenn die Bremshand nach oben geht? Lammel hat Recht und in der Halle gehören die Dinger verboten.

Tohubi

Angefangen mit Halbmastwurfsicherung HMS, dann über den Tuber und jetzt sichere ich mit dem Smart. Etwas stressfreier, weil mit halbautomtischer Sicherung,wenn auch etwas ruckeliger beim Ablassen.

Aber grundsätzlich sollten alle Anfänger bei der Basis mit HMS anfangen. Auch diese Technik hat ihre Risiken, wenn man schlecht oder falsch sichert und beim Seilnachgeben o. ä. Fehler macht oder kurz los lässt.

Von daher bleibt klettern eine (Rest-)Risikosportart. Aber das wollen bei dem ganzen derzeitgen Hype einige Yuppies nicht wahr haben. Eigenverantwortung NULL, immer ein anderer muss schuld sein - das ist der Trend. Aber das geht halt "leider" nicht. Wer´s nicht wahr haben will, sollte es besser bleiben lassen.

Klettermouse

Ich began mit HMS, dann Tube( ATC) und jetzt mit Smart. Einer meiner Kletterpartnern klettert in 9+ Bereich und kann jederzeit fallen, daher ist es für mich entspannter wenn ich mit Smart sicherer. Habe in der Halle genügend gesehen mit Brand Wünden und Abstürze.

Dynamisch bin ich wegen Gewichts unterschied sowieso. Ich habe mit DAV Dynamisches Sichern trainiert und finde es sehr toll aber das Rest Risiko von Tube ist mir persönlich unnötig versus der etwas statischerer Sicherungs Methode mit Smart usw.
Stay Safe!

Rangifer


Nun aber zurück zu der Nachbarseilschaft, nun hatte die auch einen Route gefunden wo die eingestiegen ist (eine Route neuen Datums mit 4 Haken und man kann eine sehr stabile Sanduhr fädeln). Der Vorsteiger von denen war oben und fand einen Ring vor (keinen Sauschwanz) und schrie runter „hier gibt es keine Karabiner“, er kam nun an einer (!) von Ihm eingehangenen Exe runter und fragte uns nun wie man das Material aus der Route wieder herausbekommt, weil die hatten erwartet, dass wie in der Halle oben zwei Karabiner sind, von Umbauen haben die noch nie was gehört.
Danach haben wir erstmal gesagt jetzt setzen wir uns am Felsfuß hin (ein Kaffee nach der ersten Route ist immer gut), so jetzt unterhalten wir uns erstmal vernünftig. Das Ergebnis war ernüchternd. Die hatten das klettern bei einem kommerziellen Anbieter „erlernt“. Ja und sichern konnten die mit dem Grigri auch wirklich wie im Lehrbuch, an dieser Stelle auch mal kein schlechtes Wort darüber und das Vorsteigen und Exen klippen war auch OK, der Rest hätte aber böse in die Hose gehen können!
Mobile Sicherungen soll / darf man nicht verwenden, ist gefährlich, sind nicht zuverlässig und Umbauen und Abseilen war auch nicht gelehrt worden weil es gebe ja am Ende Karabiner, wo das Seil einlegen kann. Das wurde wie gesagt nach deren Angaben Ihnen von einem Anbieter aus einer kommerziellen Halle gelehrt und Ihnen dann vermittelt, dass die nun alles könnten, auch um draußen zu klettern. Ich hoffe nur, dass das so nicht (!) stimmt, weil sonst der Anbieter mit einem Klemmkeilset verhauen gehört. Wenn ich da an meine beide Übungsleiter denke, die mir das Klettern beigebracht haben, auch nachdem wir alles durch hatten und wir eigentlich das nötige Wissen hatten um unsere eigen Gehversuche im Fels zu machen, gab es zum Abschluss einen sehr wichtigen Tipp: „Nehm Euch zu Anfang erfahrenen Leute mit“, und das war viel Wert.
Die Quintessenz aus der langen und auch abschweifenden Abhandlung: Wichtiger, als die Frage ob man nun mit Tube sichern darf oder nicht, ist, dass man vernünftig ausgebildet ist. Da ist mehr Sicherheit zu gewinnen als bei der leidigen Diskussion welches Sicherungsgerät das einzig Wahre ist. Genau darauf wird es wohl hinauslaufen, man wird eines zu dem deutschlandweites Standardgerät erklären und was anderes darf dann nicht mehr sein (vielleicht nicht mal mehr verkauft werden), wer braucht schon weiches Sichern wegen mobiler Sicherungen (böse), Halbseile (alpin – zu gefährlich, böse Sache) oder gar Mehrseillängen (HMS, ganz böse), sollte eh alles verboten werden.
Wichtiger als irgendwelche Geräte vorzuschreiben, ist es, dass die Leute Ihre Sicherungsgeräte beherrschen und dann finden sich das jeweils richtige Gerät und der Kletterer schon.
Am Ende muss man irgendwann sich auch eingestehen, dass es beim Klettern immer ein gewisses Risiko gibt (man kann auch dabei sterben, aber es ist trotzdem sehr (!) unwahrscheinlich und wahrscheinlich wiegt wenn man die Rechnung wirklich aufmachen will, der „Gesundheitsgewinn“ das mehr als auf) und am sichersten ist es immer noch nicht zu klettern und sich stattdessen jeden Tag die Birne sich zu saufen. Aber beruhigend ist es auch zu wissen, es sterben mehr Personen auf dem Weg zum und vom Klettern als beim Klettern.

Rangifer

Nun mit der Diskussion mit den Tubes, es ist immer das gleiche. Meine ganz persönliche Meinung ist, es ist egal mit was man sichert, wichtiger ist, dass die Seilschaft weis was Sie macht oder eben auch nicht.
Ich jongliere auch mit drei Sicherungsgeräten bzw. Methoden: Click-Up, Tube und HMS. Ja wie das Tube, so hat auch das Click-Up einen Winkel, wo der Bremsmechanismus nicht greift. Um dies aber zu schaffen muss man die grundlegende Regel des Sicherns, das Bremshandprinzip, vernachlässigen. Aber ich sehe es schon kommen, die Diskussion wird dann weiter gehen. Spätestens wenn der nächste Unfall mit welchem Gerät auch immer passiert, wird es dann heißen, dass … ist zu gefährlich.
Das ach so tolle Grigri hat auch seine Nachteile, weil es gegen den natürlichen Bewegungsablauf verstößt, und ich habe da schon persönlich blöde Dinge gesehen. Wie keine Hand am Bremsseil, und einmal sogar einen Unfall. Hier hatte der Sicherer die Hand am Hebel und diesen reflexartige während des Sturzes gezogen. Zum Glück griff der Sicherer dann in Seil und schnitt sich nur die Hände auf und für den Vorsteiger ging es etwas flotter nach unten, ohne dass Ihm was passiert ist. Jede Methode hat Ihren Sinn, das Tube, z.B. wenn man weich sichern muss. Der Klassiker ist, wenn man jemand deutlich leichteres sichert (heißt jetzt nicht, dass das Mädel einen dann umgedreht auch sichern soll). Aber man muss auch nur an Routen denken, bei denen man die Sicherung selbst mitbringen muss oder das Eisklettern. Ich sichere in Mehrseillängen den Vorsteiger in der ersten Seillänge mit Tube (Grigri und Halbseile, das wird wohl eher nix – nur wo sollen die dann den Umgang mit HMS und oder Tube für die alpinen Sachen oder eben für Routen mit mobilen Sicherungen lernen), ab dem ersten Standplatz nehme ich dann den HMS (unten stehend mag ich HMS nicht), weil ich dann auch nicht umbauen muss.
Aber vielleicht werden zukünftig nur noch Hakenleitern bzw. Indoor geklettert.
Ich erinnere mich an einen Vorgang im letzten Sommer. Ich war mit eine Kumpel an einen „klassischen“ Fels unterwegs nix großen, 20 m. Aber die meisten Routen stammen aus der „Vorvergangenheit“ und haben durch die Sanierung in den letzten Jahren zwar einen Umlenker erhalten aber eben nur einen oder keinen Bühler zur Zwischensicherung. Gut, alles keine Thema, weil klassische Risse, keine schweren Routen, die auch (sehr) gut mit Friends, Keilen und Schlingen absicherbar sind.
Wir bereiten uns vor, ich packe die mobilen Sicherungen auf den Gurt, dann kommt eine zweite Seilschaft, entweder aus Hessen oder NRW. Die wurde durch die Beschreibung in den Führern „leicht Routen“ angelockt, nur haben die überlesen, dass man in fast allen Routen Klemmkeile usw. braucht. Kaum war die Truppe da wurde es „lustig“. Nun fragte man uns (oder besser mich, weil mein Seilpartner Kanadier ist und damals noch kein Deutsch konnte) ob das die und die Route ist und dann kam ganz schnell die Frage, wo die Haken sind. Nun es war eine wenn auch leichte Route, die die „Alten Herren“ schon vor 50 Jahren gegangen sind und da gibt es nur den Umlenker und das war es (man kann den einzigen Haken der Nachbarroute mit nutzen wenn man will aber das war es dann wirklich). Ich antworte, oben ist der Umlenker, den Haken vor der Nachbarroute in 8 m Höhe und den Rest muss man selber legen. Danach wurde es interessant, weil die erzählten mir dann: „bei uns wird ‚gelehrt‘, dass man in solche Routen nicht einsteigen darf(!)“, „dass ist alles viel zu gefährlich“. Wir reden hier von erwachsenen Leuten, die selber entscheiden könne sollten ob in eine bestimmte Route eingestiegen wird oder nicht. Es wurde noch besser ich steige nun diesen Riss vor, mein Kumpel sichert mich mit Tube. Ich bin gerade halben Weges höre ich von unten eine hitzige Diskussion wie auf meinen Sicherungspartner eingeredet wird: „you must Grigri“. Nur ich will keinen Flug in einer Route machen, bei der ich auf mobile Sicherungen angewiesen bin und dann knallhart mit einem Grigri o.Ä. gesichert werden. …

hägar

Wer beim Sichern mit den Geräten vom Typ "Tube" beim Seilausgeben die Führungshand, also die Hand oberhalb des Gerätes, die das Seil aus dem Gerät herauszieht, etwas seitlich ausserhalb der direkten Linie zum Vorsteiger hält bzw. führt, registriert auch dann, wenn er fahrlässigerweise den Vorsteiger nicht im Blick hat oder der direkte Blickkontakt nicht möglich ist (Dächer und Überhänge), den Seilzug im Sturzfall bevor dieser auf das Gerät wirkt und kann blitzschnell die Bremshand nach unten nehmen.

Ganz allgemein: der Tuber ist so sicher wie der Bediener (Ausbildung, Aufmerksamkeit). Dies trifft auf alle Gerätetypen zu. Wer bei der HMS-Sicherung den "Pinzettengriff" konsequent vermeidet, hat ein sicheres "Gerät". Auch ist es m.E. problematisch, wenn jetzt die sog. Autotuber propagiert werden. Mein Smart blockiert mit den von mir genutzten Seilen mit Durchmesser grösser 10 mm und meist leichtem Pelz zuverlässig. Wie sieht das mit einem oberflächenbehandelten, nagelneuen Seil kleiner 9 mm Durchmesser aus .....???

Nebelhorn

@toni
hab meinen Vollautomaten auch immer dabei. Mich ärgert nur jedesmal, dass an den meisten Umlenkern noch immer keine Steckdosen eingebaut sind und der Kaffee dann immer kalt bleiben tut.


@den Schreiber dieses Berichts:
Zitat "...Nur weil der Bekannte das Seil reflexartig umklammert und sich die Hände verbrannt hat, kam Lammels Frau nur leicht verletzt davon.Und das obwohl – so versichert Lammel – das Sicherungsgerät korrekt bedient wurde. Genau das ist Lammels Problem mit dem Tuber. "

Sobald das Seil reflexartig umklammert wird und es zu einem Grounder kommt ist anzunehmen, dass das Gerät eben nicht korrekt bedient wurde. Ich bezweifle, dass der Herr Explosionssachverständige Lammel das so dargestellt hat.

Ja natürlich ist ein halmautomatisch wirkendes, handkraftunabhängiges Sicherungsgerät in aller Regel die bessere Alternative als jeder Tuber und diesem bei jeder Schulung vorzuziehen. Darüber, dass der Tuber -bei richtigem Handling, Beachtung des Gewichtsunterschiedes und aufmerksammer Sicherung -nach heute immer noch gängigen Maßstäben als relativ sicher einzustufen ist, dürfte außer Zweifel stehen.
Ich persönlich kann ebenfalls noch immer nicht nachvollziehen, warum Herr Lammel als Ergebnis seiner Forschungen HMS (!) und Grigri als derzeit einzig vertretbare Sicherungsgeräte in der Halle darstellt. Die beiden Berichte darüber in Berg und Steigen werden mehr Fragen auf, als sie beantworten.



Dario

Das eigentliche Problem sind doch eigentlich solche Leute wie Lammel. Wenn einem das Restrisiko beim Sport nicht passt, kann man es ja einfach sein lassen! Dazu eine Anekdote: Letzte Woche waren wir am Fels sportklettern, als sich rechts von uns bei einem Kletterer Steine gelöst haben, welche krachend zu Boden fielen. Links von uns eine Kletterin und Mutter, die total ausflippte und herumschrie, es sei nun endlich Schluss und die sollen aufhören, da zu klettern - hier seien schliesslich auch kleine Kinder! Wer klettert, geht Risiken ein und das MUSS jedem klar sein, egal ob in der Halle, am Fels oder Alpin. Wer Schwimmen geht, kann ertrinken - egal ob im Schwimmbad, Fluss oder See. Und wer ist dann verantwortlich?! Am Ende wird der Laufschuhhersteller verklagt, weil sich der Trailrunner den Fuss verstaucht. Es kann doch nicht sein, dass der Hersteller von Kletterequipment für die Dummheit, Unaufmerksamkeit und Selbstüberschätzung der Anwender hinhalten muss!

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