Da haben sich zwei gefunden! Am 17. März gelang den beiden Extremalpinisten Michi Wohlleben und Ueli Steck die Nonstop-Durchsteigung aller drei Nordwände der Drei Zinnen innerhalb von 16 Stunden. Ein Parforceritt, der im Winter noch niemanden zuvor gelungen war. Die Idee zu zur Triologie hatte Michi Wohlleben schon länger.

Die drei Routen im Überblick: Innerkofler-Route, "Via Comici" und "Cassin" (v.li. / Foto: Wohlleben).
Die drei Routen im Überblick: Innerkofler-Route, "Via Comici" und "Cassin" (v.li. / Foto: Wohlleben).

Ich habe die Idee schon zwei Jahre, aber es hat nie geklappt. Vorletzten Dienstag (11. März 2014 Anm. d. Red.) schrieb ich Ueli eine SMS, ob er Lust habe, die Trilogie zu versuchen. So trafen wir uns am Sonntag zu einer Pizza in Misurina und fuhren danach mit dem Skidoo an den Winterraum der Auronzohütte.

Am Montag starteten wir um 8.30 Uhr in die Cassin, eigentlich planten wir sechs bis zwölf Stunden, aber wir waren nach drei Stunden und 37 Minuten am Gipfel! Wir waren beide ziemlich überrascht. Durch simultanes Klettern am selben Seil ("running belays") sparten wir extrem viel Zeit und kamen zügig vorwärts.

Für den Abstieg brauchten wir eine Stunde. In dem Col zwischen der Westlichen und der Großen Zinne wartete bereits unser Freund Lukas Binder, der Wasser geschmolzen hatte. Wir machten kurz Pause, aßen und tranken, anschließend stiegen wir ab zum Einstieg der Comici.

Den Vorbau und die erste Seillänge kletterten wir unangeseilt und dann ging's schon wieder los. Mit simultanem Klettern und langen Stretcher-Seillängen waren wir bis zum Ringband wieder extrem schnell. Einzig der viele Schnee auf dem Ringband, das wir auf der Südseite traversieren mussten, hielt uns ein bisschen auf.

Das erste Drittel geschafft: Ueli Steck und Michi Wohlleben auf dem Gipfel der Westlichen Zinne (Foto: Wohlleben).
Das erste Drittel geschafft: Ueli Steck und Michi Wohlleben auf dem Gipfel der Westlichen Zinne (Foto: Wohlleben).

Wir kamen im letzten Abendlicht nach vier Stunden und 47 Minuten auf dem Gipfel an. Die Stimmung dort oben war einzigartig und wir ziemlich glücklich. Der Abstieg im Dunklen war nicht ganz einfach, aber wir waren gegen circa 21 Uhr am Einstieg der Innerkofler. Auch hier stiegen wir durch das Col zwischen Großer und Kleiner Zinne ab. Am Einstieg wartete wieder ein Freund, Flo Rex, der uns dort mit warmem Tee und Cola in Empfang nahm.

Wir zogen uns warm an und gegen 21.30 Uhr starteten wir in die Nordwand der Kleinen Zinne. Bis zum Nordwandsattel kletterten wir auf einer Route, deren Name ich nicht kenne – klassisches alpines Kombigelände mit einem Wächtenboulder auf dem Nordwandsattel. Ab dem Sattel ging's über die Innerkofler Route weiter, um circa 00.20 Uhr standen wir beide – zugegebenermaßen ein bisschen kaputt – am Gipfel der Kleinen Zinne, schlugen in die Hände und waren beide ziemlich happy.

Auf zur letzten Etappe: Michi Wohlleben bereitet sich für den Einstieg in die "Innerkofler" vor (Foto: Wohlleben).
Auf zur letzten Etappe: Michi Wohlleben bereitet sich für den Einstieg in die "Innerkofler" vor (Foto: Wohlleben).

Eigentlich rechneten wir mit einer Gesamtzeit von 30 Stunden oder vielleicht sogar mehr, aber so brauchten wir knapp 16 Stunden (15 Stunden 42 Minuten). Wir waren selbst überrascht, da viele Seilschaften zum Teil für eine Route 20 Stunden unterwegs sind, aber es gibt eben diese Tage, wo alles passt: Verhältnisse gut, Team gut, Kopf gut.

Um 02.00 Uhr waren wir an der Auronzohütte, weckten Flo, der mittlerweile im Bett lag, tranken eine Flasche besten Wein 2006er-Jahrgang und hörten mit Uelis Smartphone "Tage wie diese" von den Toten Hosen.

Text: Michi Wohlleben

Mehr Informationen zu Michi Wohlleben: www.michiwohlleben.de Mehr Informationen zu Ueli Steck: www.uelisteck.ch