Allzu oft ist die legendäre Ferrari-Route auf den Gipfel des Cerro Torre im Winter noch nicht durchstiegen worden. Genauer gesagt erst ein einziges Mal. Stephan Siegrist war 1999 Teil der Viererseilschaft, der das Kunststück gelungen war. Jetzt ist dem schweizer Profialpinisten auch die 2. Winterbegehung der berühmten Linie geglückt - zusammen mit Thomas Huber, Dani Arnold und Matias Villavicencio.

Wiederholung geglückt: Thomas Huber, Matias Villavicencio, Stephan Siegrist und Dani Arnold (Foto: Stephan Siegrist).

Zum Verlauf der 2. Winterbegehung der Ferrari-Route schreibt Stephan Siegrist auf seiner Homepage:

Für alle von uns hatte der Cerro Torre eine besondere Bedeutung: Thomas stand noch nie auf dem höchsten Gipfel der Torre Gruppe, Matias einmal im Sommer, Dani versuchte sich bereits dreimal am Cerro Torre und ich war 1999 mit David Fasel, Thomas Ulrich und Gregory Crouch über die Westwand gestiegen.

Es war die erste Winterbegehung der Ferrari Route. Doch sind wir – in einer ganz anderen Zeit (ohne Wetterprognose und Satalitentelefon) – damals auf dem Gipfelplateau gestanden und haben aufgrund des heranziehenden Schlechtwetters auf die Besteigung des zehn Meter aufragenden Reifpilzes verzichtet. Für uns machte das dazumal keinen Unterschied. Aber im Hinterkopf hatte ich es immer: ich wollte irgendwann auch im Winter auf dem höchsten Punkt des Cerro Torre stehen.

Am 29. Juli ist um sechs Uhr in der Früh wieder Tagwache. Hell wird es hier zu dieser Jahreszeit jedoch erst um halb zehn. Wir steigen mit schwer beladenen Rucksäcken über den Col Standhardt, seilen zwei Seillängen auf die Westseite der Torre Gruppe ab und steigen weiter ab in den Kessel des „Circo de los altares“. Anschliessen geht es wieder rauf Richtung „Filo Rojo“.

Es liegt wenig Schnee – der spaltenreiche Gletscher ist schlecht zu geschneit. Plötzlich reisst mich das Seil aus dem Gleichgeweicht. Ich schaue nach hinten. Tibu ist nicht mehr zu sehen. Verschwunden in einer Spalte. Ein paar Minuten später hat er sich wieder aus der misslichen Lage befreit.

Es wird warm. Der Schnee weich und die Spurarbeit mühsam. Nach zwei kombinierten Längen erreichen wir einen Pfeilerkopf. Wir machen Pause. Schon schrecken wir wieder auf: Thomas‘ Helm verabschiedet sich in die Tiefe. Wir legen uns einen neuen Schlachtplan zu.

Während Dani und ich noch weiter steigen, bis zu den ersten steilen, blanken Eislängen, seilt und steigt Thomas wieder ab um seinen Helm zu suchen. In der Zwischenzeit präpariert Tibu unsere Biwakplätze. Um halb sechs Uhr finden wir uns alle wieder gemeinsam bei unserem Nachtlager ein. Noch ist es eine gute Stunde hell. Wir alle können etwas Erholung brauchen.

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Die Ferrari Route ist einfach ein Traum! Für mich war es immer wieder ein Wunsch, diese Route in dem unwirklichen Gelände nach 1999 noch einmal klettern zu dürfen. Nun, 14 Jahre nach unseren Ersten Winterbegehung der Ferrari Route und der zweiten Winterbesteigung des Cerro Torres überhaupt, durfte ich wieder hier sein. Thomas übernimmt die Führung durch die vier kombinierten Seillängen. Wir kommen gut vorwärts. Danach steigt Dani eine weitere Seillänge in der Headwall bevor ich drei Seillängen übernehme.

Es „pfeift“ in die Tiefe zum „Col de Conquest“ – dem Einschnitt zwischen Cerro Torre und Torre Egger. Fast auf den Tag genau vor 3 Jahren standen Dani und ich zusammen mit Thomas Senf nach der ersten Winterbegehung auf dem Torre Egger. Der Cerro Torre hat meines Wissens seit meinem letzten Besuch keine weitere Winterbesteigung gesehen.

Unter dem Gipfelpilz mache ich wieder Stand. Mein Blick wandert rüber zu Fitz Roy – und auf das Gebirge auf der chilenischen Seite des „Hielo Continental“ – einfach Fantastisch! Das Wetter unglaublich gut. Keine Wolke ist zu sehen! Unser Team funktioniert perfekt. Während Thomas und Tibu nachstiegen, nimmt Dani die letzte Seillänge in Angriff.

Es schaut anders aus hier oben als vor 14 Jahren und wir haben dank des zuverlässigen Wetterberichtes die Sicherheit, dass sich das Wetter in den nächsten Stunden auch nicht ändern wird. Ungesichert im einfachen Gelände steigen wir dann noch die letzten 10 Meter auf den höchsten Punkt...

Den kompletten Tourenberichtbericht von Stephan Siegrist lesen Sie hier