Nach der ersten erfolgreiche Winterbesteigung des 8.035 Meter Gasherbrum II am 02. Februar sind Simone Moro, Denis Urubko und Cory Richards wieder gesund im Basislager angekommen. Auf dem Weg nach unten kam es beinahe zur großen Katatsrophe, als die drei in eine Lawine gerieten. alpin.de sprach via Satelliten-Verbindung mit Simone Moro über die erste erflogreiche Winterbesteigung eines 8.000ers im Karakorum.

Wenige Tage nach der Besteigung - das Team war noch im Basecamp - hatte alpin.de die Gelegenheit, mit Simone Moro via Satelliten-Verbindung ein Interview zu führen:

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alpin.de: Gratulation zu Euerem großartigen Erfolg am Gasherbrum II. Beim Abstieg seid Ihr in eine Lawine geraten, aber alles ist wohl gut ausgegangen. Wie geht es Euch?

Auf dem Gipfel des G2: Simone freut sich über den grandiosen Erfolg.

Simone Moro: Der Abstieg war wesentlich aufregender und gefährlicher als wir uns das gewünscht hatten. Aber Gott sei Dank sind wir mit einer Menge Glück am Leben geblieben, habe keine Erfrierungen erlitten und sind unverletzt.

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alpin.de: Während des Aufstieges hat es dagegen scheinbar keine größeren Schwierigkeiten gegeben. Ihr habt es im ersten Versuch geschafft. Lief tatsächlich alles so glatt?

Simone Moro: Der Eindruck täuscht. Der Aufstieg war wesentlich schwieriger und komplizierter als es vielleicht rüberkam. Wir waren einfach sehr stark und extrem motiviert. Wir hatten lediglich ein 36-Stunden-Fenster mit gutem Wetter. Das reicht nicht für den Aufstieg vom Basislager zum Gipfel und zurück. Daher sind wir zwei Tage vor dem angekündigten Wetterfenster gestartet und bis zu Lager II in stürmischem Wetter aufgestiegen.

Den Gipfel haben wir am 02. Februar um 11:30 vormittags erreicht, wenige Minuten bevor das Wetter sich verschlechterte. Dann begann das Abenteuer, den Rückweg bei schlechter Sicht, starkem Weg und aufkommender Dunkelheit zu finden…

alpin.de: Wie fühlt es sich an, einen Meilenstein im Alpinismus gesetzt zu haben? Hast Du das schon richtig realisiert?

Simone Moro: Es ist wirklich großartig und etwas sehr spezielles. Ich habe zwar davor schon zwei 8000er im Winter bestiegen, aber das war mein erster im Karakorum und das erste mal überhaupt, dass ein 8000er im Karakorum bestiegen wurde.

alpin.de: Wann kommst Du nach hause und wie geht's für Dich dann weiter?

Simone Moro: So in 10 bis 15 Tagen werde ich heimkommen. Davor möchte ich noch eine Bergsteiger-Schule in der Region besuchen, die Shimshal Moutainering Schoool, die ich vor zwei Jahren mitbegründet habe. Wenig später werde ich in Nepal als Pilot eines rettungshubschraubers arbeiten. Das ist schließlich mein Job. Und nächstes Jahr im Winter? Da geht's wieder nach Pakistan. Ins Karakorum. Den nächsten 8000er versuchen…

Moro, Urubko und Richards nutzten am 30. Januar trotz anhaltend eisiger Temperaturen von -46 Grad C das erste kurze Wetterfenster, um das in 5.100 m Höhe gelegene Basislager um 07:00 Uhr früh Ortszeit zu verlassen und aufzusteigen. Sie verbrachten die folgenden beiden Nächte in Camp 1 und Camp 2, das auf 6.500 Metern Höhe liegt.

Dienstag stiegen Moro, Urubko und Richards bis auf eine Höhe von 6.900 Metern, wo sie Camp 3 einrichteten. Dort ruhten sie sich aus. Per SMS berichtete Simone Moro: "Wir sind ein bisschen müde, aber es geht uns gut."

Historisches Foto: Denis Urubko, Simone Moro und Cory Richards am Gipfel des Gasherbrum II (v. li.).

Nachts brachen die drei zur finalen Gipfeletappe auf. Am Mittwoch, den 02. Februar, um 11:28 Uhr Ortszeit war es dann soweit: Erstmals standen Bergsteiger im Winter auf dem Gipfel des Gasherbrum II in 8.035 Metern Höhe. Es war überhaupt das erste Mal, dass ein Achttausender im Karakorum im Winter bestiegen werden konnte. Und das im ersten Anlauf! Während eines Satellitentelefonats vom Gipfel sagte Simone: "Es war sehr schwer, aber es geht uns Dreien gut."

Am Mittwoch stiegen die drei vom Gipfel zum Camp 3 (6.900 m) ab und am Donnerstag bei starkem Sturm weiter ins Camp 1. Die schlechten Wetterbedingungen ließen den geplanten direkten Abstieg von Camp 3 ins Basislager nicht zu.

Glücklicherweise hatte das Team noch Ausrüstung in Camp 1 hinterlassen: ein VE 25 Zelt, ihre Schlafsäcke, Essensvorräte und Treibstoff, um auf ihren Kochern Getränke zuzubereiten.

Beim weiteren Abstieg von Camp 1 ins Basecamp kam es beinahe zur großen Katastrophe. Ein Serac stürzte oberhalb des Trios in sich zusammen, eine Lawinen bildete sich und rauschte über die drei hinweg. Simone Moro kam glücklicherweise nicht in den Schneemassen zum Liegen. Er berichtet: "Ich band mich sofort aus und sah Corys orangene Jacke. Ich grub ihn mit meinen Händen aus und machte mich dann daran, Denis auszubuddeln. Nach zwanzig Minuten stürzte Cory bei einer Sichtweite von gerade mal einem Meter in eine Gletscherspalte. Wir konnten ihn aber wieder herausziehen."

Schwein gehabt: Cory Richards nach dem Lawinenabgang.

Der weitere Abstieg am Freitag war entsprechend hart. Glücklicherwiese hatten die drei den Weg zurück ins Basecamp mit in den Schnee gesteckten Fahnen markiert. "Die Wegmarkierungen haben uns das Leben gerettet", sagt Simone Moro. "Wir brauchten acht Sunden, um von Camp 1 ins Basecamp abzusteigen. Normalerweise hätte wir drei Stunden gebraucht. Aber nach sechs Tagen am Berg hatten wir einfach nicht mehr viel an Energie übrig"

Mit einer gehörigen Portion Demut sagte der völlig erschöpfte italienische Bergsteiger: "Heute war das Glück auf unserer Seite. In meinem Rucksack trug ich neben meiner Ausrüstung auch einen großen Sack mit Müll nach unten. Vielleicht wusste das der Berg zu schätzen und gewährte uns Gnade..." Der geschockte Cory Richards ergänzte: "Wir sind sehr glücklich und sehr dankbar am Leben zu sein."

Erstmals im Winter bestiegen: Der Gasherbrum II.

| © Kristoffer Erickson.

Der Gasherbrum II, auch unter dem Namen K4 bekannt, befindet sich in der pakistanischen Provinz Gilgit Baltistan nahe der Grenze zu China. Er liegt auf Platz 13 der höchsten Berge der Erde und ist der dritthöchste Gipfel des Gasherbrum-Massivs innerhalb des Karakorums.

Am 07. Juli 1956 wurde der GII erstmals vom österreichischen Expeditionsteam um Fritz Moravec, Josef Larch und Hans Willenpart bestiegen. Bisher gelang keine einzige Winterbesteigung. Alle bisher im Winter nicht bestiegenen Achttausender liegen im Karakorum und blieben trotz der seit 1987 unternommenen 16 Expeditionsversuche im Winter unbezwungen.

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