Am Dienstag, den 28. September 2010, verstarb Kurt Albert nachdem er am Höhenglücksteig in der Hersbrucker Alb abgestürzt war. Die weltweite Klettergemeinde trauerte um einen ihrer Pioniere. Auch wir von ALPIN waren tief betroffen. Unser Redakteur Olaf Perwitzschky schrieb einen Nachruf auf den Vater des Rotpunkt.

"Kurt passte in keine Konventionen": ALPIN-Redakteur Olaf Perwitschky.

Die Anzahl der Klöße auf dem eigenen Teller nahm immer rapide schnell ab, wenn Kurt neben einem saß. Kaum hatte man sich umgedreht um noch ein Bier zu bestellen, schlug Kurt zu. Mein fragender Blick wanderte zu Kurt. Ein Grinsen, ein unschuldiges Achselzucken, das war Kurt: Ein Lausbub!

Kurt passte in keine Konventionen. Noch nie! Sonst hätte er auch damals, 1975, nicht den roten Punkt an die erste Route gemalt, die er ohne technische Hilfsmittel zu nutzen klettern konnte. Er wollte weg von dem, was bisher üblich war.

Damals hätte nie jemand gedacht, dass sich aus diesem roten Punkt eine ganze Bewegung entwickelt und ihr den Namen gibt. Kurt war lange Zeit der kreative Kopf der Szene. Er hat viele Marksteine gesetzt, besonders in den frühen 80er Jahren. Er war DER Kletterpartner von Wolfgang Güllich. Hat diesen gepusht und bei allen seinen grenzbrechenden Erstbegehungen begleitet. Ihre WG in Oberschöllenbach war legendär, noch heute kursieren in der Klettergemeinde die wildesten Geschichten.

Ich sah Kurt das erste Mal "in echt" irgendwann in den 80er Jahren. Was hatte der Mensch Kurt Albert für eine Ausstrahlung. Er faszinierte mich. Auf seinem anschließen Vortrag haben wir Tränen gelacht. Es war kein Vortrag, wie ich ihn bisher erlebt hatte. Alles war anders - Kurt eben. Von da an habe ich versucht, wann immer es ging, seine Vorträge zu besuchen.

+ 28.09.2010: Kurt Albert.

Irgendwann in den 90er Jahren habe ich mich dann mal in Kurts Route "Sautanz" gewagt. Was habe ich gefightet. Und das Ding hat Kurt 1981 geklettert. Ich war - mal wieder - beeindruckt.

Kurt konnte aber auch eher schüchtern sein. Unter fremden Leuten, besonders Nicht-Kletterern war er zurückhaltend, fast vorsichtig. Legendär aber sind die vielen, vielen Geschichten, die von und über Kurt kursieren. Und wer Kurt ein wenig kannte, weiß: Auch wenn vieles davon unglaublich klingt, häufig sind sie eher untertrieben.

Wir trauern um einen Menschen, der sich nicht einengen ließ, der keinen gängigen Konventionen folgte und wünschen besonders seinen Angehörigen und den engen Freunden viel Kraft.

Die Klettergemeinschaft hat ganz sicher eine Persönlichkeit verloren, die das Klettern mehr geprägt hat, als irgendein anderer aktiver Kletterer. Kurt, du wirst für uns weiterleben. Wir wollen noch soviel Routen "ROTPUNKT" klettern, in Gedanken werden wir dann immer bei dir sein.

Text von Olaf Perwitzschky