Sportlich soll er sein, der Arlberg Trail, und doch bequem: Moderne Lifte vermeiden lange Talhatscher und die Hotels im Tal versprechen viel Komfort. ALPIN ist probegewandert.

Die Skigebiete von Lech und St. Anton sind schon seit einigen Jahren miteinander verbunden, hochmoderne Seilbahnen verwöhnen Pistenfahrer und Freerider. Auch immer mehr Wanderer und Bergsteiger entdecken die Schönheiten jenseits der weltberühmten Skihänge. 

Und jetzt gibt es auch im Sommer ein großes gemeinsames Projekt, den Arlberg Trail, eine dreitägige Runde, die Lech, St. Anton, St. Christoph, Stuben und Zürs miteinander verbindet.

Der Arlberg Trail

Hier geht es lang: Das "A"-Symbol markiert die Runde durch stille Arlberg-Täler wie das Ochsengümpele über Lech.

| © Bene Benedikt

Dabei wurde nicht einfach das ohnehin schon dichte Netz von Wanderwegen rund um die fünf Arlberg-Orte verwoben, sondern es wurden alte Wege neu belebt, das bislang wenig besuchte und kaum bekannte Almajurtal einbezogen, es wurden die Steige verbessert und natürlich gut markiert: mit einem leicht abstrahierten weißen "A", das sich neben den weiß-rot-weißen Farbtupfern gut behauptet.

In einem Festakt zu Füßen der Valluga wurde vor kurzem der Arlberg Trail offiziell eröffnet. Vom höchsten Gipfel des Arlberg, 2809 Meter hoch, ist fast die ganze Runde zu überblicken. Eine nostalgisch winzige Kabinenbahn rauscht entschlossen hinauf, auf das Traumziel der Freerider, das freilich nur mit Bergführer zu befahren ist. 

Der Arlberg Trail

Feierliche Eröffnung mit (von links nach rechts): Martin Ebster (Tourismusdirektor St. Anton), Ambros Gasser (ASI), Josef Chadakowsky (Tourismus St. Anton), Markus Hahn (Lech Zürs Tourismus), Michael Zimmermann (Tourismusbeirat Lech Zürs), Martina Eberharter (Bergbahnen Ski Arlberg).

| © Bene Benedikt

Es war Ehrensache für die Weg-Entwickler, die Valluga einzubeziehen. Nicht den höchsten Punkt (der bleibt ein Abstecher), wohl die Bergstation der Gondelbahn Valluga I auf immerhin 2647 Meter. Noch ein Stück tiefer durchtrennen die Verantwortlichen das rote Band, ehe sie in der Verwallstube am Galzig, eines der höchstgelegensten Haubenrestaurants in Europa, auf den neuen Weg anstoßen und die Band "Brennholz" für eine super Stimmung sorgt. Ein toller Auftakt für so einen schönen Weg!

Der Arlberg Trail
© Bene Benedikt

Tief unten liegt St. Christoph, wo der Arlberg Trail auf die andere Seite der Straße wechselt und über Maroialpe und Albonagrat (2391 m) zur Kaltenberghütte (2089 m) führt. Von dort läuft er bergab nach Stuben, dem malerischen kleinen Dorf, wo übernachtet wird. Am Morgen überqueren die Wanderer wieder die Arlbergstraße und steigen hinauf nach Zürs, in Sichtweite der Galerien des Flexenpasses aber in gebührendem Abstand. 

Der Arlberg Trail

Ang Kami Lama, der mit seiner Frau Pasang Lhamu Sherpa die Stuttgarter Hütte der Sektion Schwaben (2310 m) bewirtschaftet. Die Momos gibt es mit Rinderhackfleisch- oder Spinatfüllung, dazu immer Salat und Sesamsauce.

| © Bene Benedikt

Mit der Seekopfbahn geht es vom sommerstillen Skidörfchen Zürs hinauf auf 2212 Meter, an den Zürser See. Übers Madlochjoch (2450 m) folgt man der Route der legendären Ski-Runde Weißer Ring über Almwiesen hinab nach Lech (1450 m).

Am Morgen bringt einen die Rüfikopf-Seilbahn auf 2350 Meter, dann läuft der Arlberg Trail in angenehmen Auf und Ab durchs Ochsengümple und über die Rauhkopfscharte, über der Steinböcke durch die Felsen der Krabachspitze tolle, zur Stuttgarter Hütte. Dort locken Momos mit Rinderhackfleisch- oder Spinatfüllung, mit Sesamsauce und Salat, die Hüttenwirt Ang Kami Lama als Gruß aus seiner Heimat Nepal serviert. Aber nicht zu lang sitzenbleiben! 

Der Nachmittag hat noch einen weiten Weg zu bieten: über die Erlischarte ins Almajurtal und durch das verborgene Kar und übers Knoppenkar zur Bergstation der Vallugabahn I, die mit der Galzigbahn den Runterweg zum Etappenziel St. Anton übernimmt. Mit letzterem startet auch die Tour nach Christoph, die wir ja schon in Gedanken abgelaufen sind.

Der Arlberg Trail im Überblick:

Der Arlberg Trail verbindet nicht nur Lech, St. Anton, St. Christoph, Stuben und Zürs, sondern überschreitet auch mehrmals die Grenze zwischen Tirol und Vorarlberg. 

Insgesamt erfordert der Trail rund 18 Stunden Gehzeit, für gut 6000 Höhenmeter und eine Wegstrecke von 40,2 km. Wer die Lifte mitrechnet, kommt auf über 52 km. Das ist nur wenig gemogelt, weil die Bahnen in die Runde so geschickt eingeplant wurden, dass sie lange Hatscher vermeiden. 

Empfohlen wird die Tour im Uhrzeigersinn, so haben wir sie auch beschrieben. Kniesensible drehen sie um, steigen bergan und schweben abends zu Tal. Denn die Liftkarte schreibt die Fahrtrichtung nicht vor und gilt die ganze Saison. 

Sollte also ein plötzlicher Wetterumschwung drohen, muss die Tour nicht um jeden Preis "abgelaufen" werden müssen, dennoch gehört der Wetterschutz in den Tagesrucksack, denn der Arlberg Trail verläuft fast durchgängig im Hochgebirge, selten unter der 2000-Meter-Linie!

Und apropos Tagesrucksack: Zum Arlberg-Service gehört das Angebot, ohne Gepäck zu wandern. Es wird von Etappe zu vorausgeschickt und wartet abends im gewünschten Hotel auf die müden Wanderer. Die Hotels sind speziell ausgesuchte Partnerhotels des Arlberg Trail und als Pauschalen in verschiedenen Kategorien ganz einfach buchbar über die ASI, die Alpinschule Innsbruck.

Ausführliche Informationen zum Arlberg Trail findet ihr hier.

Mehr zum Arlberg Trail lest ihr auch in ALPIN 10/2021. Unsere Oktober-Ausgabe ist ab dem 11. September im Zeitschriftenhandel oder in unserem Heft-Shop erhältlich.


Quiz: Teste Dein Wissen über Bergsteigerdörfer

+++ Alle unsere Berg-Rätsel für SchlauBERGEer findet ihr hier. +++

Text von Bene Benedikt

0 Kommentare

Kommentar schreiben