Nach über drei Jahrzehnten verabschiedet sich Ernst Vogt vom "Rucksackradio". Der BR und ALPIN würdigen den bescheidenen Journalisten mit eigenen Features.

Wer kennt sie nicht, die sanfte Stimme mit dem leichten Allgäuer Tonfall, die einem zu nachtschlafender Zeit von den Bergen erzählt, große Sehnsucht weckt, einen mit dem Mikro hinzieht in die Alpen: Ernst Vogt hat uns über Jahrzehnte begleitet, am Autoradio oder in der Mediathek des Bayerischen Rundfunks. Nun geht der bescheidene Hörfunkmann in den Ruhestand.

Hat wohl so gut wie jeden namhaften Bergsteiger für seine Sendung interviewt: Ernst Vogt

Hat wohl so gut wie jeden namhaften Bergsteiger für seine Sendung interviewt: Ernst Vogt

| © BR / Markus Konvalin

1987 übernahm der gerade mal 32-jährige Ernst Vogt die Leitung der Bergsteiger-Sendung des Bayerischen Rundfunks von Bruno Erath, der das Rucksackradio schon 1948 ins Leben gerufen hatte. Damals gab es noch keinen Bayerischen Rundfunk (der sendete ab 25. Januar 1949), sondern den Vorgänger "Radio München, ein Sender der amerikanischen Militärregierung". 

Zwei leidenschaftliche "Bergmenschen" im Gespräch: Ernst Vogt (re.) mit ALPIN-Chefredakteur Bene Benedikt.

Zwei leidenschaftliche "Bergmenschen" im Gespräch: Ernst Vogt (re.) mit ALPIN-Chefredakteur Bene Benedikt.

| © Andreas Erkens

Erath hatte die Notwendigkeit erkannt, nach dem Krieg den Menschen in einer Sendung für Bergsteiger die Alpen näherzubringen. Was nahezu unglaublich ist: In diesen 73 Jahren gab es nicht mehr als diese beiden Chefredakteure bei der einzigen Hörfunk-Bergsteigerredaktion im deutschsprachigen Raum und vermutlich weltweit.

Bei ALPIN war Bene Benedikt immerhin 25 Jahre der Verantwortliche, ehe er in diesen Tagen sein Amt niederlegt. So trafen sich die beiden zu einem Doppel-Abschieds-Interview in Benes Heimat, in den Bergen rund um Füssen. Das Gespräch könnt ihr hier anhören.

Ernst Vogt im Interview

Mehr aus seinem Leben, seinen Wünschen und Träumen erzählt Ernst Vogt im großen Interview in der Oktober-Ausgabe von ALPIN, die ab dem 11. September im Zeitschriftenhandel und in unserem Heft-Shop erhältlich ist. Hier ein kurzer Auszug daraus:

Du hattest große Fußstapfen zu füllen: Das Rucksackradio entstand schon 1948.

"Bruno Erath hatte da die Sendung für Bergsteiger erfunden, noch bei Radio München. Er hatte die Notwendigkeit erkannt, nach dem Krieg den Menschen die Berge näherzubringen. Danach gab es aber auch Zeiten, in denen wir stark kämpfen mussten, um uns im Gefüge des Bayerischen Rundfunks zu behaupten weil das Image des Wanderns und des Bergsteigens noch nicht so positiv war wie heute: Damals hat man uns belächelt und manchmal auch versucht, uns an die Seite zu drängen."

Mit nur 32 Jahren hast du die Redaktion von Bruno Erath übernommen. Wie hast du da deinen Platz und dein Team gefunden?

"Ja, das war nicht leicht, aber der Bruno hat mich immer unterstützt und ich war auch sein Wunschnachfolger. Bis zu seinemTod war ich mit ihm in Verbindung. Und er hat Feedback gegeben. Eine Riesenaufgabe war es, ein neues Team zu bilden. Das Radio war im Umbruch: O-Töne lösten die geschriebenen Manuskripte ab, die von erfahrenen Sprechern vorgelesen wurden. Ich musste Kolleginnen und Kollegen finden, die Lust hatten, ins Gebirgezu gehen und Beiträge mit O-Tönen mitzubringen, was ja auch Aufwand ist. Das hat uns verbunden und zusammengehalten über all die Jahrzehnte."

Und heute?

"Wir sind vorne dran bei der digitalen Entwicklung, etwa mit unserem Podcast 'Bergfreundinnen'. Wir hoffen, dass nochmehr junges Publikum zum Rucksackradio kommt, das eh schon jünger ist als das anderer Sendungen."

Im großen ALPIN-Interview verrät Ernst Vogt sein schönstes Bergerlebnis sowie seine fünf Lieblingstouren und erklärt, welchen Stellenwert für ihn Reinhold Messner hat.

Auch "Bergauf-Bergab", das "Magazin für Bergsteiger" würdigt Ernst Vogt mit einem speziellen Feature: Moderator Michi Düchs fährt mit Ernst Vogt in die Ammergauer Alpen. Im Münchner Bergbus erzählt der Hörfunk-Journalist von seinen Anfängen beim "Rucksackradio" und von seiner Sicht auf aktuelle Entwicklungen in Sachen Bergsteigerei und Alpinismus.

Die Sendung vom 29. August könnt ihr hier direkt ansehen:

Text von Bene Benedikt

0 Kommentare

Kommentar schreiben