Martin Hafenmair ist langjähriger Streckenchef des Transalpine Run. Der Bergführer und erfahrene Trailrunner spricht über Emotionen, Herausforderungen und seine persönlichen Highlights der Strecke.

Zu Fuß über die Alpen – für viele Läufer ist der TAR ein einmaliger Traum. Du bist als Streckenchef seit fünf Jahren live dabei. Welches Erlebnis führt deine Liste an?

Das ist einfach zu beantworten. Ich stehe jeden Tag auf dem höchsten Punkt der Etappe – das ist ein Highlight für mich, jeden Läufer dort – in diesem oft emotionalen Moment – persönlich zu begrüßen.

Streckenchef Martin Hafenmair

Soll "einzigartig und sexy" werden: der Dynafit Transalpine Run 2021.

| © Klaus Fengler

Bis zum 20-jährigen Bestehen ist geplant, jedes Jahr eine neue Route zu laufen. Das stellt vor allem dich als Streckenchef vor eine Herausforderung. Bist du nervös oder ist das Routine nach fünf Jahren und vier Editionen?

Routine wird es nie, das macht den Transalpine Run zu einer Besonderheit – es ist und bleibt jedes Jahr spannend aufgrund seiner Länge und des abwechslungsreichen Geländes. Nervös bin ich auch nicht, aber maximal gefordert. Wir haben einen hohen Anspruch an die Strecke. 

Nichts soll doppelt gelaufen werden oder sich Wege kreuzen. Es gibt viele schöne Strecken über die Alpen. Unsere Herausforderung ist, dass sie für jeden Läufer funktionieren muss – vom Top-Läufer bis zum gemütlichen Läufer. Landschaftlich und von der Sicherheit her. Wenn die Strecke steht, brauchen wir noch die Unterstützung der Etappenorte.

Welche Bedeutung hat der TAR für dich?

Wir sind ein nahbarer Wettbewerb, ich kenne fast jeden einzelnen Starter. Der Lauf in seiner Länge und die gemeinsamen acht Tage machen diese Alpenüberquerung einzigartig und absolut sexy. Das Umfeld und Drumherum machen das Rennen aus – davon lebt der TAR. 

Für mich als Streckenchef bedeutet das auch maximalen Stress während des Rennens, aber das letzte Jahr, als der TAR ausfallen musste, hat gezeigt, dass etwas gefehlt hat.

Spontan – deine Lieblingsetappe in fünf Jahren TAR?

Das sind tatsächlich zwei Etappen des kommenden Laufs – die Etappen drei und vier, von St. Anton am Arlberg nach Galtür und weiter nach Klosters. 

Wir laufen durch sehr alpines Gelände, aber machbar für jeden Läufer. Die Leute werden gefordert sein. Der Aufwand für uns zur Absicherung wird groß sein, vor allem bei der aktuellen Schneelage, aber die Strecke ist wirklich unglaublich schön.

Einen Artikel mit unserem ALPIN-Test Trailrunningschuhe 2021 findet ihr hier. Die getesteten Schuhe könnt ihr auch direkt hier durchklicken.

Abgesehen von Alternativstrecken und Planänderungen. Was tut ihr, um die Sicherheit der Teilnehmer auf der normalen Strecke zu garantieren?

Speziell Streckenabschnitte in hoher Höhe beobachten wir genau. Wenn wir mit schlechter Sicht rechnen, markieren wir die Strecke noch intensiver und können zusätzlich, je nach Situation und Streckenlänge, Streckenposten hochbringen. 

Bei diesem Etappenlauf unterstützen uns Vorläufer, Zwischenläufer und Schlussläufer, um das Teilnehmerfeld möglichst lückenlos begleiten zu können. Zudem verteilt sich unser Medical Team mit drei bis vier Mannschaften über die Strecke und steht an neuralgischen Punkten.

Was sollten die Läufer aus deiner Sicht an Equipment unbedingt dabeihaben – hast du einen Tipp, der nicht auf eurer Liste steht?

Was in diesem Jahr neu ist, sind Grödel bzw. Steigeisen für die Laufschuhe. Das heißt nicht, dass sie jeden Tag im Rucksack sein müssen, aber wenn wir das am Abend ansagen, müssen die Läufer diese dabeihaben. Je nach Bedingungen werden wir die Läufer sogar so weit unterstützen und absichern, dass wir jemanden oben haben, der die Ansage macht, "Jetzt anziehen".

Der höchste Punkt wird am siebten Tag auf dem Weg nach Prad erreicht. Die Fuorcia da Rims führt den Tross der Läufer:innen bis auf 2.975 m hinauf. Hört sich nach einer rechten Plagerei kurz vor Schluss an – warum das?

Es ist der schönste Streckenverlauf. Ich wollte diese Etappe schon lange ändern und einmal nicht durch die Uina Schlucht laufen. So habe ich heuer mit dieser Lösung mein Vorhaben umgesetzt. Die Läufer arbeiten sich von Scoul im Unterengadin aus stetig und langsam, aber direkt nach oben und das ist letztlich perfekt für sie.

Welche Fertigkeiten sind – speziell mit Blick auf die diesjährige Strecke – besonders gefragt?

Trittsicherheit. Die diesjährige Strecke ist sehr trail-lastig.

Mal unabhängig von der Qualifikation – hast du einen Tipp, wie man die acht Tage gut rumbringt?

Mit einem zuverlässigen und vertrauenswürden Partner. Der Partner ist wirklich ausschlaggebend, denn im Team schafft man Tiefpunkte einfach besser. Wenn der Partner leicht genervt vor einem rumtänzelt, nimmt einem das den Rest an Motivation. 

Nicht jedes Team was da läuft ist ein Team. Das merkt man aber oft auch erst unter dem Laufen. Genauso wichtig: Mit viel Humor und zwingend jeden Abend einer Halben Bier.

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