Vor 30 Jahren wurde das Areal rund um den Geigelstein in den Chiemgauer Alpen als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Vorangegangen war eine lang andauernde Auseinandersetzung um den Bau einer Skischaukel. So gegensätzlich die Interessen der beteiligten Gruppen damals waren – heute sind die Gemeinden am Fuße des Geigelsteins ein Paradebeispiel dafür, wie Naturschutz, Tourismus und Landwirtschaft Hand in Hand gehen können.

Der Geigelstein.

Blick auf den Geigelstein.

| © Touristik-Information Schleching / Stefan Kattari

Der Blumenberg des Chiemgaus

Nicht umsonst ist der 1808 Meter hohe Geigelstein auch als "Blumenberg des Chiemgaus" bekannt: Hunderte Farn- und Blütenpflanzenarten sind dort zu finden – eine Artenvielfalt, die wenige andere Regionen zu bieten haben. 

Für die Bewahrung der Vielfalt wurde hart gekämpft. Schon 1962 schlug der DAV vor, zehn Regionen der Bayerischen Alpen, darunter das Geigelsteingebiet, unter Naturschutz zu stellen. 

1974 gründete sich dann die Bürgerinitiative "Rettet den Geigelstein", die sich engagiert gegen die Erschließung des Gipfels durch Bergbahnen und für den Schutz vieler bedrohter Tier- und Pflanzenarten aussprach. 

Auch mit der Unterstützung des Deutschen Alpenvereins konnte der Seilbahnbau verhindert werden. Eine Fläche von 3135 Hektar rund um den Geigelstein wurde am 1. Juni 1991 als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Seitdem hat der Schutz der Artenvielfalt einen besonders hohen Stellenwert in der Region. Die verschiedenen Lebensräume in den Bergwäldern, in den Felsbereichen und auf den Almwiesen sind Heimat vieler Wildtiere wie Murmeltiere, Gämsen, Raufußhühner und Lurche. Für den Schutz bedrohter Arten gelten im Naturschutzgebiet von Dezember bis Mai umfassende Betretungsverbote. 

Ausnahmen stellen die im Rahmen des DAV-Projekts "Skibergsteigen umweltfreundlich" ausgewiesenen Skirouten dar – dort können Skitouren- und Schneeschuhgeher:innen ihren Sport ausüben, ohne Wildtiere oder sensible Vegetation zu stören.

Nachhaltige Entwicklung in der Region rund um den Geigelstein

Die Gemeinden am Fuße des Geigelstein, Sachrang und Schleching, haben sich ebenfalls dem Schutz und der nachhaltigen Entwicklung ihrer Region verschrieben. Seit 2017 firmieren sie als "Bergsteigerdörfer" und sind damit Teil einer internationalen Alpenvereins-Initiative zur Förderung des sanften Tourismus. 

"Wir sind mehr als stolz darauf, was wir im Zusammenspiel zwischen Naturschutz und Almwirtschaft geschaffen haben und heute mit unseren Gästen teilen dürfen", erklären die Bürgermeister aus Sachrang und Schleching Simon Frank und Josef Loferer.

Alles Wissenwerte rund um die Bergsteigerdörfer haben wir in unserer großen Fotogalerie zusammengestellt:

Rund um das Jubiläum am Geigelstein

Auch DAV-Präsident Josef Klenner gratuliert zum 30-jährigen Jubiläum und würdigt die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte: "Das Naturschutzgebiet rund um den Geigelstein ist ein lohnendes Ziel für Bergbegeisterte, gleichzeitig aber auch Lebensraum für viele seltene und höchst sensible Alpenpflanzen und -tiere. Sachrang und Schleching zeigen, dass Tourismus und Naturschutz vereinbar sind – und dabei auch die traditionelle Almwirtschaft nicht auf der Strecke bleibt."

Im Jubiläumsjahr stehen viele Feierlichkeiten und Veranstaltungen auf dem Programm – sofern Corona es zulässt. Informationen dazu gibt es bei den Gemeinden Sachrang und Schleching.

Berg-Quiz für SchlaubBERGer

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