Der Südtiroler erregt Aufsehen mit zugespitzter Kritik.

Reinhold Messner ist immer für einen Aufreger gut. Der Südtiroler Grenzgänger hat mit seinen - oftmals extremen - Standpunkten in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur so manchen "Bergfreund" gegen sich aufgebracht. Denn es findet sich kaum ein Thema, zu dem der 76-Jährige noch nicht wortgewaltig Stellung bezogen hätte, Corona inklusive.

In einem Interview mit dem "Playboy" teilte Messner, der von der Frankfurter Allgemeinen einmal als "Einmannsekte" bezeichnet wurde, nun gegen die Generation-Instagram aus. Zwar seien die jungen Sportkletterer und Bergsteiger "so fit und so austrainiert" wie keine Generation vor ihnen, aber:

"Das, was die Mädels und Jungs in den Kletterhallen vergessen, ist, dass ihre Kletterei nichts mit traditionellem Alpinismus zu tun hat - nichts. Sie klettern im klimatisierten Raum – großartig wie Äffchen – 15 Meter hoch", so der ehemalige Extrembergsteiger. 

Ähnliches könne man, so Messner, an den höchsten Bergen der Welt beobachten. Hier seien "unterm Strich [...] eine Heerschar von Trägern, Führern, Ärzten, Köchen und weiß Gott noch wer damit beschäftigt, den Berg-Yuppies jeden Morgen in die Schuhe und Steigeisen zu helfen."

Es stehe zwar niemandem zu, richtiges Bergsteigen zu definieren, "aber ich mache es trotzdem." Alpinismus sei das Erklettern einer 4500 Meter steilen Wand "aus Eis und Fels" bei Temperaturen von minus 30 Grad Celsius bei einem Drittel des hiesigen Sauerstoffdrucks.

Auch mit den "Ankündigungs-Alpinisten" geht Messner hart ins Gericht. "Sie kündigen dieses und jenes vollmundig über die sozialen Medien an – haben aber gar nicht vor, ihre Expedition zu Ende zu bringen. Noch schlimmer: Sie wissen, dass sie gar keine Chance haben, so eine Mammutaufgabe zu bewältigen. Das wissen allerdings 99,9 Prozent ihrer Instagram- und Facebook-Follower nicht."

Über den groß angekündigten Versuch eines Jost Kobusch, den Everest alleine im Winter besteigen zu wollen, habe er deshalb nur schmunzeln können.

Seine Kritik am Sportklettern als olympische Disziplin erneuerte Messner ebenfalls: "Dieses Rumgehüpfe an der Wand, das sind doch affenartige Verhaltensmuster. Da gibt es bestimmt Zuschauer, die sagen: 'Ah, jetzt verstehe ich, was Messner früher so gemacht hat.' Wenn das der Fall ist, ist der Alpinismus tot."


 

42 Kommentare

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Christian Thore Schickerson auf unserer Facebook-Seite

Endlich hat mal einer die Eier in der Hose ,dass so zu sagen...Das ganze Show Bergsteigen und die Infuenzer am Berg gehn mir so auf den Zeiger

Matthias Franz Mark auf unserer Facebook-Seite

Messner ist ein Mensch, der nicht zu vergleichen ist mit den heutigen Influencer - Bergsteigern! Messner betrieb das Bergsteigen religiös, philosophisch, tief - Lebensfragend! Das was wir Heute haben ist ein reiner Event - Konsum - Alpinismus und auch Absicherungs - Alpinismus! Zurecht kritisiert er ja auch den Alpenverein der nur noch wie eine Sicherheits - Partei fungiert und die Berge etwas zu versichert! Ihm ging es um das absolut Existenzielle was einem Menschen Sinn und Tiefe gibt - und das war und ist immer mit Gefahr und Grenzen verbunden! Instagram ist PoXXX! Narzissmus! Das ist Photoshop! Das ist Style! Geht es um Kohle! Klar, diesen Mut zu haben und den Willen den Gefahren so zu begegnen, ich denke, das ist nicht Jedem möglich - auch weil es kostspielig ist! Er wuchs in idealen Verhältnissen dazu auf! Eigentlich ist der Mensch erst frei wenn er ohne die Regeln der Gesellschaft sich in die Natur begibt! Ohne gerettet zu werden, ohne die Beschränkungen eines bürgerlichen Systems! So war auch Jesus, ein Bruno Giordano, oder ein Bergsteiger wie Messner! Es zu wagen zu leben im Angesicht des Todes, in Begleitung des Todes ist wirklich - richtiges Leben! Ja und das wussten auch die alten Griechen! Heute geht es nur noch um Marketing, um die ganzen Marken.... Wo ist da noch die tiefe Sinnfrage des Menschen in der Natur? Genau: NIRGENDS!!!

Adi Hageneder auf unserer Facebook-Seite

Neid steht auch Herrn Messner nicht gut, und außerdem vergleicht er wieder einmal Äpfel mit Birnen! Er hat sich sehr gut verkauft, und tut sich schwer die Leistung anderer anzuerkennen! Unzählige Frauen und Männer haben gleiches geleistet, und waren dabei noch sauberer und schneller unterwegs! Herr Messner sie waren gut, aber lassen sie es andere auch sein!

Roland von Falkenhain auf unserer Facebook-Seite

Als ich 'Ankündigungsalpinismus las, da wusste ich, was kommt. Hatte diese lächerliche Aktion letzten Winter im Fokus ...Aber auch ein Messner kat keinen Gipfel ohne fremde Hilfe gemacht, das vergisst er gern.

Robert Riesinger auf unserer Facebook-Seite

Der wunde Punkt der Aussagen dieses großartigen Meisters ist, dass er unnötigerweise zwei völlig verschiedene Modi des Bergsports im weitesten Sinne vergleicht.

Matthias Kilian Jacobsohn auf unserer Facebook-Seite

Wenn ich in einer Halle, einem Klettergarten oder einer gut eingebohrten MSL zugange bin würde ich niemals denken, ich wäre alpinistisch unterwegs. Das was ich und viele andere tun ist Sportklettern, das was Messmer machte, Extrembergsteigen. Zwei vollkommen verschiedene Dinge, die halt beide zufällig vertikal ablaufen. Ich kann verstehen, daß Messmer sich aufregt, wenn unsereins sich anmasst, in seine Liga zu gehören, nicht verstehen kann ich aber warum ich am Feierabend oder am Wochenende, nach dem Absolvieren eines Vollzeitberufs nicht ein bisschen Äffchen spielen soll.

Christian de Haan auf unserer Facebook-Seite

Ob er recht hat oder nicht... Er hat wenigstens die Eier zu sagen was er denkt und lügt nicht wie andere.

Xanda Lo auf unserer Facebook-Seite

Wer wird wohl seine Nachfolge antreten, bzw. das romantisch-, leistungs- und abenteuerorientierte Bergsteigen hochhalten? Momentan sehe ich da wenig kritische Geister im Aufbau. Alpine Profis achten mehr darauf ihre Klicks im Social Media zu erhöhen und ja keine wunden Punkte zu benennen. Kritischen Diskurs und Möglichkeiten des Querdenkens über die vielen neuen Normalitäten am Berg gäbe es genug... Schade.

David Sadowski auf unserer Facebook-Seite

Im Alpinen Stil die 8.000er abgeritten, macht heut kein Insta Flipper so schnell nach. Oft hat er die Wortwahl ohne Filter, aber er kann und darf es sich erlauben.

Harald Lord Funk auf unserer Facebook-Seite

Er ist und bleibt der Größte! Schade dass David Lama so früh gerufen wurde, er hätte das Potenzial gehabt ihm das Wasser reichen zu können.

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