Der bekannte Bergsteiger feiert am 17. September seinen 76. Geburtstag.

Bittet man im Jahr 2020 zehn Passanten in der Fußgängerzone einer beliebigen Stadt Deutschlands, Italiens, Österreichs oder der Schweiz, den Namen eines bekannten Bergsteigers zu nennen, wird dieser am häufigsten fallen: Reinhold Messner. Und das obwohl dessen große Bergsteigerzeit inzwischen schon Jahrzehnte zurückliegt.

Wird 76 Jahre alt: Reinhold Messner.

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Wodurch ist dies zu erklären?

Nun, zum einen sind die bergsteigerischen "Heldentaten" des Südtirolers von immerwährender Einzigartigkeit:

Zahlreiche Erstbehungen schwierigster Routen in den heimischen Alpen am Beginn seiner Karriere, erste Überschreitung eines Achttausenders (1970 am Nanga Parbat, Bruder Günther starb dabei), erste Besteigung des Mount Everest ohne Flaschensauerstoff (1978 mit Peter Habeler), erste Solobegehung eines Achttausenders (Nanga Parbat, August 1978), erste Solobegehung Mount Everest (ohne Flaschensauerstoff, 1980), erste Achttausender-Doppelüberschreitung (mit Hans Kammerlander an Gasherbrum I und II, 1984), schließlich als erster Mensch auf allen vierzehn Achttausendern der Erde (1986) - um nur einige der wichtigsten Stationen zu nennen.

Messner hat die Grenzen des Alpinismus verschoben. Aber dies alleine vermag seine nahezu ungebrochene Prominenz bis in die Gegenwart hinein nicht in vollem Umfang zu erklären.

Reinhold Messner hat es verstanden, sich und seine Erfolge in dutzenden Büchern, Vorträgen und Filmen einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren und sich auch durch viele TV-Auftritte von "Wetten dass ..." über "Verstehen Sie Spaß?" bis hin zu unzähigen Talkshows in den Köpfen der Menschen als DER Bergsteiger schlechthin festzusetzen. 

Zudem hat sich der Südtiroler Visionär auch nach seiner Bergsteigerkarriere immer wieder mit großem Erfolg Ziele und Unternehmungen gesucht, die ein großes Publikum in ihren Bann zogen.

Sei es als Weitwanderer in der Wildnis (Durchquerung der Antarktis, Grönlands und der Wüste Gobi), als Biobauer mit Selbstversorgerhöfen und eigener Yak-Zucht, als Kurzzeitpolitiker (ab 1999 saß er für die Grünen Südtirols für fünf Jahre im Europarlamament) oder als Gründer der Messner Mountain Museums Firmian, Juval, Dolomites, Ortles, Ripa und Corones: Reinhold Messners Aktivitäten scheinen ausnahmslos von Erfolg gekrönt, sie wurden und werden allzeit von den Medien ausführlich begleitet.

Wenn Franz Beckenbauer die Lichtgestalt des Fußballs ist, so ist Reinhold Messner die Lichtgestalt des Bergsteigens. Doch wie Kaiser Franz (spätestens durch dessen Rolle in der Affäre um die Vergabe der WM 2006) ist auch Reinhold Messner und sein Tun nicht frei von Kritik.

Die Art und Weise des Vorgehens bei der Durchsetzung seiner Ziele, die medienwirksame Darstellung seiner (bergsteigerischen) Aktivitäten und sein Hang, zu allem und jedem eine explizite Meinung zu haben und diese lautstark kund zu tun, brachten Reinhold Messner in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur Freu(n)de ein. Nicht wenige Kritiker hielten und halten ihm mangelnde Kritikfähigkeit, Rechthaberei und gar Narzissmus vor.

Umgekehrt lassen Weggefährten wie etwa Peter Habeler nichts auf ihren Freund Reinhold kommen, der seit Langem immer wieder betont, dass die Familie bei ihm inzwischen an erster Stelle stehe.

Das Museumsprojekt hat der Sohn einer kinderreichen Lehrerfamilie 2017 an seine heute 31-jährige Tochter Magdalena abgegeben. Neben Magdalena hat Messner zwei weitere Töchter (Layla *1981 und Anna Juditha *2001) sowie den 1990 geborenen Sohn Simon. 

Mit seinem Sohn widmet sich Reinhold Messner seit einigen Jahren dem Bergfilm und erntet als Regiesseur mit Streifen wie "Still Alive - Das Drama am Mount Kenya", "Ama Dablam - Drama am heiligen Berg" oder "Die Große Zinne - 150 Jahre Kletterkunst" großes Lob von Kritikern und Publikum. 

Trotz seiner 76 Jahre ist Messner noch längst nicht am Ende seiner Schaffenskraft angelangt. Wir sind gespannt, was Reinhold Messner als Nächstes einfällt. 

ALPIN gratuliert dem streitbaren Süditroler herzlich zum 76. Geburtstag und wünscht alles Gute für die Zukunft und vor allem weiterhin beste Gesundheit!

Text von Holger Rupprecht

2 Kommentare

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Rex Kramer

Irgendwie könnte man fast den Eindruck bekommen, der Mann hat jedes Jahr Geburtstag...

Bewunderer

Einst „Montifex Maximus“ getauft, ist er ein schöner, starker, stolzer Mann. Alles Gute zu Ihrem Ehrentag, Herr Messner, und auf hoffentlich noch viele Jahre! Ein Bewunderer