Zusammen mit Thomas Senf und Dres Abegglen war der schweizer Extremalpinist im Norden Indiens erfolgreich: In der Kashmir-Region gelangen dem Trio neben einer neuen Route auf den Ostgipfel des Kishtwar Shivling (5895m) auch die Erstbesteigung zweier zuvor noch namenloser Gipfel.

Siegrist am Shiepra: Hier gelingt den Schweizern die Erstbesteigung des Berges | © visualimpact.ch I Thomas Senf

In Kashmir, einer für Bergsteiger noch weitgehend unbekannten Region gelingt uns am 01. Oktober 2014 eine neue Route am Kishtwar Shivling. Dieser markante Berg wurde erst einmal bestiegen, alle weiteren Versuche verliefen seither erfolglos.

Zusätzlich verbuchten wir in den Wochen zuvor zwei Erstbesteigungen: Anspruchsvolle Kletterei über ästhetische Linien führte uns drei auf die zwei Gipfel, die wir Shiepra und Kharagosa nannten. So muss es gewesen sein vor 150 Jahren, im goldenen Zeitalter des Alpinismus in den Alpen.

Man befindet sich in einer fantastischen Bergwelt, sieht einen besonders schönen Gipfel und fragt sich: «Ist dieser wohl schon bestiegen?» Dieses Gefühl, dann als Erster auf einem solchen Gipfel zu stehen, war für uns umwerfend. Die ursprüngliche Art des Bergsteigens, ein Erlebnis, das in seiner Intensität und Ursprünglichkeit an bekannteren Orten nicht mehr zu haben ist.

1983 gelang den Engländern Stephen Venables und Dick Renshaw die Erstbegehung des Kishtwar Shivling in sieben Tagen über die Nordwand. Später war die Region im indisch-pakistanischen Grenzgebiet wegen politischer Unruhen fast zwei Jahrzehnte gesperrt. Nach der Wiederöffnung fanden nur vereinzelt Ausländer den Weg ins Kashmir-Gebiet.

Am Kishtwar Shivling eröffneten Thomas, Dres und ich eine neue Route durch ein verstecktes Eis-Couloir auf den Ostgipfel. Der Ostpfeiler war mit Sicherheit schon zweimal versucht worden, bis anhin aber ohne Erfolg.

Unterwegs: Dres Abegglen am Kishtwar Shivling. | © visualimpact.ch I Thomas Senf

Vom Biwak in einem Schneesattel auf 5400 Metern, kletterten wir zehn steile Seillängen (bis zu 90°, WI5) durch das Couloir. Anschliessend gelangten wir durch anspruchsvolles kombiniertes Gelände bis unter die gigantische Gipfelwechte.

Mit viel Glück fanden wir drei ein Loch, konnten durch die Wechte kriechen und so den Ostgipfel erreichen. Das GPS zeigte 5895 Meter über Meer.

Für uns drei ist die Höhe nicht das entscheidende Merkmal. Wichtiger sind uns die Ästhetik eines Berges und eine interessante Linie. Was bleibt ist das Erlebnis, bisher unbekannte Berge zu entdecken und zu besteigen.

Überraschungen gehören zu einer Expedition in ein Gebiet, das abseits der bekannten Routen liegt. Ungenaue Höhenangaben, wenige Informationen und fehlendes Kartenmaterial waren nur ein Teil der Herausforderungen.

Text von Stephan Siegrist

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