Vor 20 Jahren verloren acht Menschen am höchsten Berg der Erde ihr Leben.

In der Nacht vom 10. Mai 1996 brechen mehrere Expeditionsteams kurz nach Mitternacht zum Gipfel des Mount Everest auf. Unter ihnen ist auch der Journalist Jon Krakauer. Er hat den Auftrag, eine Reportage für das US-Magazin "Outside" zu erstellen. Die Ereignisse der nächsten Stunden bieten schließlich Stoff für ein ganzes Buch. Am Ende des Tages werden acht Bergsteiger ihr Leben verloren haben. "Into thin air" (dt. "In eisige Höhen") erscheint 1997 und wird zum internationalen Beststeller.

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Gruppenfoto des Adventure Consultants Team vor der Tragödie 1996: Nicht zurück kehrten Doug Hansen (links unten), Andy Harris (Mitte unten), Rob Hall (dritter von rechts unten and Yasuko Namba (rechts unten)

Gründe für das Unglück gibt es mehrere. Die wichtigsten sind die Unerfahrenheit vieler Gipfelaspiranten, nicht eingehaltene Umkehrzeitpunkte und ein unvorhergesehener Wetterumschwung.

Am stärksten betroffen ist die Expedition des neuseeländischen Unternehmens "Adventure Consultants". Der Bergführer und erfolgreiche Höhenbergsteiger Rob Hall (Neuseeland) und sein Kollege Andrew Harris (Neuseeland) kommen ebenso ums Leben wie deren Kunden Doug Hansen (USA) und Yasuko Namba (JPN). Daneben bleiben der Bergführer Scott Fischer (USA, "Mountain Madness"-Expedition) und die Inder Tsewang Smanla, Dorje Morup und Tswewang Paljpor, allesamt Mitglieder einer Expedition des indo-tibetischen Grenzschutzes, für immer am Berg.

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Nach Krakauer schreibt auch der "Mountain Madness"-Bergführer Anatoli Boukreev ein Buch, weil er sich von der Darstellung Krakauers diskreditiert sieht. Krakauer hatte den Vorwurf erhoben, Boukreev, der ohne künstlichen Sauerstoff aufgestiegen war, sei zu schnell abgestiegen und habe seine Kunden im Stich gelassen. Dagegen wehrte sich der Russe in dem Buch "Der Gipfel". Boukreev kam am 25. Dezember 1997 an der Südwand der Annapurna durch ein Lawinenunglück ums Leben.

Neben Krakauers Buch prägt vor allem das 2015 in die Kinos gekommene Epos "Everest" des isländischen Regisseurs Baltasar Kormákur die öffentliche Wahrnehmung der Geschehnisse um den 10. Mai 1996. Der Film wurde international zu einem Kassenschlager.

Neben der unglaublich anmutenden Rettung von "Adventure Consultants"-Kunde Beck Weathers, den man bewusstlos und vermeintlich tot zurückgelasen hatte und der aus eigener Kraft ins Hochlager gestolpert kam, berührte das weltweite Publikum vor allem der minutiös wiedergegebene Todeskampf von Rob Hall.

Der Bergführer hatte die Nacht vom 10. auf den 11. Mai in 8.700 Metern Höhe überlebt, war jedoch zu einem eigenständigen Abstieg nicht mehr in der Lage. Alle Versuche, zu ihm vorzudringen und ihn zu retten, scheiterten.

Bis zuletzt stand der 35-Jährige immer wieder per Satellitentelefon mit dem Team im Basislager aber auch mit seiner Frau im heimischen Neuseeland in Verbindung. Am 11. Mai um 18:20 Uhr sprach Hall ein letztes Mal mit seiner Frau: "Ich liebe dich. Schlaf gut, mein Schatz. Mach Dir bitte nicht zu viele Sorgen."

Danach war Stille.

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8 Kommentare

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Anonymus

Und wenn dann alle Namen abgehakt sind und Ihr Antworten auf die oben gestellten Fragen haben wollt, auf YouTube Interviews von David Breshears und Ed Visturs anschauen. Auch Reinhold Messner hat paar Worte darüber verloren, man darf das ganze aber nicht unter dem Punkt "gutes Englisch" sehen sondern sollte es wortwörtlich und im Kontext genießen/verstehen. Seine Ansicht wirkt sonst viel zu extrem und respektlos gegenüber Anatoly Bukreev, so hatte er das große ganze aber nie gesehen gehabt, kam nur falsch rüber in der damaligen "Fragerunde"

German-Violation

Wer den Menschen der betroffenen Teams näherkommen möchte, dem empfehle ich diese TV-Reportage von ABC von 1997 mit vielen Originalaufnahmen von 1996. Da ich hier nicht verlinken kann, einfach folgende Suchbegriffe bei YouTube eingeben; "Turning Point Mountain Without Mercy"

German-Violation

Dass Höhenbergsteigen reiner Egoismus ist, hat doch niemand bestritten. Ist auch das gute Recht jedes Bergsteigers, egoistisch zu sein. Wer schon einmal extreme Situationen überstanden hat (8.000er-Besteigung, Einzelkämpferausbildung etc.) wird mit einigem Abstand feststellen, dass es im Wesentlichen ein Akt der Selbsterfahrung war - ohne jede Esoterik, sondern einzig und allein die Konfrontation mit seinem eigenen Grenzen, die man im Alltag nicht einmal annähernd erreicht.

Zu 1996: Ich habe alles dazu gelesen und recherchiert (Krakauer, Boukreev, Dickinson, Gammelgaard, Werthers, Kasischke und Kropp). Erst am 27. Februar 2019 hat das Mens Journal (mal wieder) über das Drama und Weathers berichtet. Außer Krakauer stellt keiner die Frage, welche Verantwortung die Expeditionsleiter Hall und Fischer hatten. Und selbst Krakauer formuliert dies - angesichts der Tatsache, dass beide zu den Todesopfern gehörten - sehr zurückhaltend, geradezu pietätvoll... Aber genau die beiden hatten die Verantwortung für die (teilweise hilflosen) Kunden auf dem Berg, der sie nicht gerecht geworden sind.

Frage 1: Groom und Beidleman berichten unisono, dass Hall und Fischer 14 Uhr als Rückkehrzeit festgelegt hatten. Warum war eine SO WICHTIGE INFORMATION vielen Kunden nicht eindeutig bekannt? Manche geben an 14 Uhr, mache 15 Uhr und manche, dass diese Zeit gar nicht vorgegeben wurde… Das zeigt das Ausmaß des Versagens von Fischer und Hall.

Frage 2: Warum war Hall noch um 17 Uhr (3 Stunden nach der Rückkehrzeit!!!!!) bei Einbruch der Dämmerung mit Doug Hensen auf dem Weg ZUM Gipfel? Einem Doug Hensen, der für mehrere Teilnehmer bereits im Camp 4 den Anschein erweckte, dass er körperlich so geschwächt war, dass er eigentlich ins Basislager hätte absteigen und den Gipfelversuch abbrechen müssen? Es war eine katastrophale Fehlentscheidung Halls, die letztlich beiden (und vermutlich auch den zur Rettung der beiden mit vollen Sauerstoffflaschen wieder aufgestiegenen Bergführer Andy Harris) das Leben kostete. Als der Sturm losbrach, mussten Groom und Beidleman allein die Kunden retten, weil Fischer und Hall bereits die Kontrolle verloren hatten und Bukreev seine komplette Gruppe im Stich gelassen hatte und in Camp 4 im Zelt lag.

Rob Hall war wohl ein herzensguter, verantwortungsvoller Mensch und sicherlich 1996 der beste Expeditionsleiter. Hier ist ihm seine Empathie für Hensen zum Verhängnis geworden. Man nennt das „Hyper-Empathie-Syndrom“, das einen Risiken falsch einschätzen lässt. Hall hatte im Laufe der Expedition mehrfach behauptet, er könne jeden halbwegs gesunden Menschen auf den Everest bringen. Und genau darüber sollte Krakauer den Lesern von „Outdoor“ berichten – der wichtigsten Zielgruppe für Hall. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass Fischer an diesem Tag deutlich mehr Kunden auf den Gipfel gebracht hatte. Fischer, der von Seattle aus mit seinem Unternehmen „Mountain Madness“ operierte, würde in der neuen Saison auf einen Schlag die Marktführerschaft von Hall übernehmen. Darüber würde – so Fischers Kalkül – Sandy Pittman-Hill der nordamerikanischen High-Society berichten.

Auch unternehmerische Interessen haben dieses Unglück begünstigt. Es war ein ganz stiller Wettkampf, den sich Fischer und Hall geleistet haben. Der Einsatz: Menschenleben

Frage 3: Warum brachte ein sichtlich erschöpfter Scott Fischer noch einen Tag vor dem Gipfelaufstieg einen kranken Kunden ins Basislager, obwohl das auch ein Bergführer oder ein Sherpa hätte tun können? Fischer war vorher schon angeschlagen, weil es ihm an Leitungserfahrung mangelte und er ständig Bukreevs Unzulänglichkeiten persönlich ausgleichen musste. Nach dem anstrengenden Aufstieg vom Basislager war er – wie wir jetzt wissen – nicht mehr in der Lage, selbst den Gipfel zu erreichen und wieder sicher abzusteigen. Dass er es doch tat und auch noch die Verantwortung für seine Kunden trug, ist eine wichtige Ursache für diese Tragödie. Es war wohl existentieller Druck. Hätte er den Aufstieg abgesagt, hätte es „Mountain Madness“ wohl nicht mehr gegeben. Fischer war als leichtsinnig bekannt. Das hat er als Expeditionsleiter leider nicht abgelegt.

Zum Kinofilm: Netter Blockbuster mit oberflächlicher Betrachtung der Vorfälle. Eine hochwertige Netflix-Serie, die auch die Hintergründe beleuchtet, hätte ich bevorzugt. Aber als Kinofilm sehr gut gemacht. Der Zuschauer wird nicht großartig mit der Problematik des Höhenbergsteigens "belästigt".

moni

es gibt viel bessere Filme, ich war enttäuscht, hochgelobt wohl wegen internat. Besetzung. Es geht doch nur ums Ego und hat mit Sport und Natur nichts zu tun Die Dänin.Lene Gammelgaard verdient noch nach 22 Jahren mit Vorträgen für Manager usw. über "das Berg"
Man sollte sich den Film der Schweizer über die Sherpas ansehen, der ist sehr gut. Scott liegt heute noch am Berg, weil die Fam. das Herunterholen nicht wollte.
Es geht nur um Egoismus. Wer die Bergsteigerei ernstlich verfolgt, wird feststellen, dass die meisten dieser Egoisten ihr Leben lassen mussten. Frau und Kinder waren ihnen egal, es zählte nur ihr eigenes Ego.
Mich interessiert das Thema sehr, die wunderbaren Berge. Sie sind aber nicht für die Besteigungen mit Seilen und Leitern gedacht und die Natur schlägt immer wieder zurück. Auch Steck hat sein Leben lassen müssen. Und keinesfalls sollte die Gefährlichkeit der Berge verharmlost werden.

anke

sehr guter film

Christoph Scholz auf Facebook

Ohne anatoli boukreev währen es mehr tote gewesen

Niki Fellinger auf Facebook

?? ...der film war extrem bewegend und hat bei mir noch lange nachgewirkt...

Agnieszka Januszkiewicz- Zimak auf Facebook

Das Buch "der Gipfel" von Anatolij Bukrejew lesen und dann Krakauers Buch. In der Reihenfolge lesen. Unbedingt.