Beim Abstieg vom Nilgiri South (6839m), einem Nachbargipfel der Annapurna, dessen Südwand Hansjörg Auer, Gerhard "Gerry" Fiegl und Alexander Blümel erstmals durchsteigen konnten, stürzte Gerhard Fiegl über 800 Meter in die Tiefe. Hansjörg Auer äußerte sich in mehreren Interviews zu dem schrecklichen Unfall.

"Wenn ein langjähriger Freund vor deinen Augen in den Tod stürzt, verliert in diesem Moment alles andere an Bedeutung. Unsere gemeinsame Expedition hätte kein schlimmeres Ende nehmen können. Wir sind alle sehr traurig", so Auer in der Online-Ausgabe des Kuriers.

Dabei hatte in den Tagen vor dem 26. Oktober noch alles gut ausgesehen. Die Dreierseilschaft unter Führung von Auer hatte nach eigenen Angaben das geschafft, was vor ihnen bereits mehrere internationale Expeditionen vergeblich versucht hatten: die Durchsteigung der Südwand des Annapurna-Trabanten. 

"Am Gipfel lagen wir uns noch in den Armen und freuten uns gemeinsam über die erfolgreiche Besteigung der Südwand."

Das Leuchten in Fiegls Augen werde er nicht vergessen, so der Profialpinist in einem Interview mit dem Standard. "Er war am höchsten Punkt seiner wohl schwierigsten und abenteuerlichsten Route, eine ganz große Erstbegehung im Himalaya."

Auf einer Höhe von rund 6200 Metern in der Südwand des Nilgiri South.

| © Hansjörg Auer

Doch der Erfolg war für Gerhard Fiegl offenbar teuer erkauft. Der Jugendfreund von Hansjörg Auer zeigte Anzeichen schwerster Erschöpfung, zum kompletten Abstieg fehlte ihm die Kraft.

So mussten die drei Tiroler nur wenige hundert Meter unterhalb des Gipfels biwakieren. Am 26. Oktober, drei Tage nach Gerhard Fiegls 27. Geburtstag, konnten sie ihren Abstieg am Südwestgrat - trotz großer Kälte und starkem Wind - weiter fortsetzen.

"Bereits bevor wir in die Südwand eingestiegen sind, war klar, dass wir über die Aufstiegsroute nicht mehr zurückkönnen. Zu kompliziert, zu aufwendig, zu schwierig. Wir mussten den Berg überschreiten und über den etwas leichteren Südwestgrat abklettern", erinnert sich Auer im Standard.

Auf einer Höhe von rund 6050 Metern passierte dann das Unglück. Der immer noch stark geschwächte Fiegl verlor laut Auer in einer "vermeintlich leichteren Stelle" das Gleichgewicht und stürzte rund 800 Meter in die Tiefe.

Geschafft: Gerhard Fiegl, Alexander Blümel und Hansjörg Auer (v.li.) auf dem Gipfel des Nilgiri South.

| © Hansjörg Auer

Die Profi-Alpinisten kletterten zu diesem Zeitpunkt seilfrei, da "ständiges Klettern am Seil im Alpinstil nicht möglich und nicht üblich" sei, betont der Extremkletterer. Geschockt von dem tragischen Ereignis "und schwer gezeichnet von dem Unglück und den Strapazen des schwierigen Abstiegs erreichten Hansjörg Auer und Alexander Blümel gegen 18 Uhr völlig erschöpft den Wandfuß", wie es in der offiziellen Pressemitteilung der Expedition heißt.

Tagelang hofften Angehörige und Freunde auf ein Wunder. Doch die Suche nach dem Vermissten gestaltete sich wegen des schlechten Wetters und starker Neuschneefälle überaus schwierig. Wenige Tage später wurden die Suchaktionen dann offiziell beendet.

Am 01. November kehrten Blümel und Auer nach Österreich zurück.

Am Nilgiri South verunglückt: Gerhard Fiegl.

| © http://www.gerhardfiegl.com/

Gerhard Fiegl war einer der besten Alpinisten Österreichs und machte immer wieder mit schwierigen und schwierigsten Besteigungen und (Eis-)Klettertouren beispielsweise mit Simon Gietl in Patagonien, Alex Blümel in Alaska oder Albert Leichtfried im heimischen Ötztal von sich Reden.

Auf seiner Webseite schrieb Gerry: "Es mag abgedroschen klingen, aber das Wichtigste im Leben sind nicht Berge, Klettertouren und Schwierigkeitsgrade, sondern Gesundheit und Zufriedenheit. Jeder von uns weiß, dass es nicht selbstverständlich ist, gesund und fit zu sein, sondern dass sich diese Situation von einer Sekunde auf die nächste ändern kann. Wenn wir also manchmal irgendwo unter einem Felsblock oder einer Wand sitzen und uns über den missglückten Durchstieg einer Route ärgern - ein Gefühl das nahezu jeder Kletterer kennt - sollten wir uns vielleicht vor Augen führen über welche Kleinigkeit wir uns letztendlich eigentlich aufregen."

Ruhe in Frieden Gerry.

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