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Deutschlands Südlichster: Der Biberkopf.
Für Gipfelsammler: Der Biberkopf ist der südlichste Gipfel Deutschlands - sein Gipfelkreuz ist sozusagen das Kreuz des Südens. Der Uwe, mein Kletterpartner, hat Schweiß auf der Stirn. Ihm ist schnell zu warm und schwitzen kühlt bekanntlich. Es sollte unsere letzte Klettertour werden, eine nach seinem Geschmack. Er ist ein Freund von ganz langen Anstiegen, oben gekrönt von luftiger Kletterei. Und dann noch ein ganz langer Abstieg, der das Abenteuer für ihn abrundet. Ich bin für die umgedrehte Variante, mit viel Kletterei und wenig Zustieg. Uwe hat für seinen Begehungsstil genug zu essen und zu trinken dabei. Bei meiner Taktik muss ein Liter Wasser reichen, da ich seit Kindesbeinen eine natürliche Scheu vor schweren Rucksäcken habe.
Was mühen sich die Menschen nur so ab...?
Links zweigt der Normalweg ab und der rechte Steig führt unter der Gipfelpyramide entlang. Ein erfrischendes Lüftlein bringt Kühlung und die blühenden Almwiesen erfreuen das Gemüt. Der Geist wird wieder weit und offen für die Schönheit der Natur, diese blumenreiche Umgebung. Wir verlassen nun den Wanderweg und steigen weglos der Gipfelpyramide zu. Eine öde Schuttrinne führt zum Einstieg der Route "Panoramix", den wir bei einem Felspfeiler vermuten. Langsam verändert sich die Vegetation, wird karger, vereinzelte Blümchen zwischen dem Schotter und am Wandfuß nur noch Geröll. Darüber die herrlichen Platten bis zum Gipfel.
Biberkopf: Wer auf dem südlichsten Gipfel Deutschlands stehen will, muss hier hinauf.
Endlich kommt Uwes große Stunde. Er präsentiert die reiche Speisekammer, die in seinem Rucksack verborgen ist. Sie birgt mehr Köstlichkeiten, als ein Mensch an einem Tag verbrennen kann. Ich trinke einen Schluck und lehne dankend ab, als Uwe mir etwas von seinen Schätzen anbietet. Ein Gefühl von Klettervorfreude, gepaart mit leichter Ungeduld kommt auf und ich möchte hinauf in die Felsen.
"Panoramix" verspricht Kletterei im IV. und V. Schwierigkeitsgrad, feste Platten, die sich oben aufsteilen. Die Schlüsselstelle im VI. Grad lässt sich auch mit Hakenhilfe (A0) überwinden. Ich steige die erste Seillänge vor, weil ich meinen Helm vergessen habe, im Gegensatz zu Uwe.
Das Sahnestück der Tour: der steile Gipfelaufbau
Endlich haben wir Fels unter den Kletterschuhen, eine fantastische Reibung, gebohrte Haken, einfach ein Genuss. Wir kommen rasch höher und die kurze steile Schlüsselstelle ist eine willkommene Abwechslung. Nach einigen Seillängen erreicht Uwe ein Band, das die Wand bis zum Westgrat durchzieht. Wir bleiben eine Weile, blicken hinüber ins Lechquellengbirge, zum Säntis, ins obere Lechtal. Unsere Kanzel ist der schönste Platz der Welt, welch ein Panorama ringsum! Dazu diese Ruhe, man könnte stundenlang sitzen bleiben und schauen …Es folgt das Sahnestück der Tour, der steile Gipfelaufbau. Risse im festen Gestein, das mich an Klettereien im Süntel bei Hannover erinnert. Eine weit hergeholte Analogie hier am südlichsten Punkt Deutschlands, gepaart mit der Freude früher Kletterabenteuer.
Die letzten Meter führen über den Grat zum Gipfel. Uwe trägt uns ins Gipfelbuch ein, gewissenhaft wie er ist. Später Nachmittag, allein zu zweit ganz oben. Ich liebe dieses späte Licht im Gebirge, sanft und warm. Dohlen teilen mit Uwe sein letztes Essen.
Beim Abstieg über den Westgrat hat Uwe die Idee, im rechten Wandteil noch zwei kleinere Routen zu probieren. Aber ich bin satt für heute und wir erreichen bald die saftigen Bergwiesen. Schweigend wandern wir zurück. Unsere letzte gemeinsame Bergtour geht damit zu Ende. Denn Uwe wird seine Zelte im Allgäu abbrechen und nach Frankreich in ein buddhistisches Zentrum ziehen. Er gibt seinem Leben eine spirituelle Richtung auf der Suche nach der Wahrheit. Meditieren statt klettern und dem Weg des Buddha folgen. Für mich ist die Zeit dafür noch nicht gekommen und ich bleibe zurück.
Text: Gerd Heidorn
Aus ALPIN 7/2005
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