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Erste Recherchen sind vielversprechend. Man kann mit der Kabinenbahn auf den Säntis fahren. Man fährt aber nicht bis ganz auf den Gipfel, sondern man steigt vorher aus. Nein, wir wollen nicht rausspringen. An einer Stütze hält die Bahn, wenn man darum bittet. Wow, wie bei der alten Zugspitzbahn von Ehrwald.
Das hört sich doch gut an. Nach einer kernigen Abfahrt muss man dann einen langen Anstieg zum Rotsteinpass machen. Dort oben ist eine Hütte zum Einkehren. Ab hier kann man die Tour längen oder verkürzen, ganz wie man mag. Das klingt genau nach dem, was ich mir vorgestellt habe. Die Sache ist gebongt.
Von Schwägalp schweben wir mit Bahn bis zur Stütze 2, bei der wir aussteigen wollen. Dazu hält die Bahn an, eine Plattform klappt herunter. Mit uns steigt eine Familie aus. Ein kurzer Blick auf ihre Ausrüstung: Sie sind keine Tourengeher, sie haben Pistenbindungen auf den Ski. Sie werden wohl bis Wildhaus abfahren.
Wir werden also unseren Tourentag voraussichtlich allein verbringen. Draußen an der Stütze gibt es auch einen Rufknopf zur Bahn. Man kann hier auch zusteigen. Der Säntisgipfel sieht von hier richtig unnahbar aus. Mit Ski keine Chance da hinauf oder herunter zu kommen.
Wir lassen die Familie ziehen und bereiten in Ruhe unsere Abfahrt vor. Da es noch früh morgens ist, ist der Schnee hart, fast eisig. Aber die Sonne lugt schon um das Säntismassiv herum und erreicht die ersten Bereiche des Hangs, den wir abfahren wollen. Dort ist der Schnee gleich griffiger. Ein Traum. Es hat zwar nicht sehr viel Schnee, aber er reicht.
Der anschließende Aufstieg zum Rotsteinpass ist für Skitourengeher ideal. Man geht fast immer im Talgrund und nur ganz oben muss man je nach Bedingungen mal Hänge queren. Auf der Hütte herrscht noch Ruhe. Die Tagesgäste sind noch nicht da (außer uns) und die Hausgäste sind schon weg. Also legen wir eine Kaffeepause ein.
Vom Rotsteinpass fährt man zur Meglisalp ab. Von da hat man dann mehrere Möglichkeiten. Aber so weit sind wir noch nicht. Erstmal heißt es abfahren. Und die Abfahrt hat es in sich.
Wir starten auf der Schattenseite. Powder pur. Nicht verspurt. Wir fragen uns, warum hier noch niemand gefahren ist. Eine Antwort darauf finden wir nicht. Irgendwann bekommt der Powder aber einen Deckel.
Wir wechseln auf die Sonnenseite des Tals. Hier haben wir besten Firn. Wann hat man schon mal solche Bedingungen? Bald weitet sich das Tal und wir stehen oberhalb der Meglisalp. Leicht welliges Gelände leitet herab in den Alpboden, auf dem einige Häuser tief verschneit auf den Frühling warten. Jetzt ist hier alles geschlossen, im Sommer ist das ein Touristen- Magnet. Heidi-Idylle pur!
Für uns heißt es wieder auffellen. Wir haben uns entschlossen in Richtung Säntisgipfel zu gehen. Wer will, kann von der Meglisalp auch abkürzen und über die Saxer Lücke nach Sax fahren. Wir steigen ein bananenförmig gekrümmtes Tal (In den Chärren) in Richtung Säntisgipfel hoch.
Einige Skifahrer kommen uns entgegen. Aufsteigen tut hier niemand. Das wundert uns, weil der Aufstieg eigentlich perfekt ist. Und wem die 1000 Höhenmeter bis zum Säntisgipfel zu viel sind, der kann über die Wagenlücke abkürzen und muss dafür nur 500 Meter aufsteigen. Wir halten uns beide Optionen offen.
Als die Wagenlücke rechterhand von uns auftaucht, fühlen wir uns allerdings fit genug, um auch noch bis zum Gipfel zu gehen. Auch wenn sich die etwas steileren Schlusshänge dann - mit fast 2000 Höhenmetern in den Beinen - ganz schön ziehen.
Auf dem komplett verbauten Säntisgipfel essen wir den letzten Proviant aus unseren Rucksäcken und diskutieren. Denn auch vom Gipfel haben wir wieder mehrere Möglichkeiten. Entweder zurück wie wir gekommen sind und durch die erwähnte Wagenlücke.
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Oder aber über den Blauschnee den direkten, aber steileren Weg. Wir entscheiden uns für die steilere Version. Dazu geht man durch die Bahnstation und Tunnels, bis einen ein Ausgang aus dem künstlich geschaffenen Berglabyrinth wieder ausspuckt.
Ein paar Drahtseile erleichtern den Abstieg in die Einfahrt auf den Blauschnee. Die steile Rinne aus der Scharte weg ist vereist und sehr steil. Jetzt wissen wir, warum hier keine frischen Spuren runter führen. Was tun? Doch über die Wagenlücke?
Wir versuchen es mit der Hazardeur-Variante, halb springend und halb rutschend schießen wir die drei, vier Meter in der Rinne auf Blankeis runter. Unten fängt uns weicher Pulverschnee auf. Alles kein Problem.
Und das Risiko hat sich gelohnt. Denn trotz inzwischen fortgeschrittener Tageszeit liegt hier schattseitig noch Pulver. Über uns ragt der Sendemast des Säntis in die Nebelfetzen. Weiter unten lassen wir auch die letzte Einkehrmöglichkeit, die Untere Mesmer Alpe im wahrsten Sinne des Wortes links liegen und kurven bei mäßig gutem Knochenbrecherschnee vorsichtig die steile Rinne hinunter.
Die ist hier komplett ausgefahren, weil schon etwas weiter oben die Abfahrt aus der Wagenlücke mit unserer zusammen trifft.
Genau bis zum Ufer des Seealpsees können wir über die letzten Schneezungen mit den Ski rutschen. Ab da heißt es Ski tragen. Auch hier gäbe es wieder eine Einkehrmöglichkeit. Aber noch ist uns nicht danach und die Zeit drängt jetzt etwas. Wir müssen die Bahn von Wasserauen zurück nach Urnäsch bekommen.
Von da wollen wir mit dem Bus zurück nach Schwägalp. Mit dem perfekt organisierten Schweizer Nahverkehr kein Problem. Nach etwa 45 Minuten Skitragen setzen wir müde, aber sehr zufrieden unsere Rucksäcke am Bahngleis ab.
Jetzt endlich gönnen wir uns etwas Kühles zu trinken, denn bis die Bahn fährt, haben wir noch etwas Zeit - Zeit zum Schauen und Genießen.
Text: Olaf Perwitzschky
Fotos: Birigt Gelder
Aus ALPIN 12/08
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