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Großartiger Blick auf Schwedens höchsten Berg.
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In Stockholm haben wir etwas mehr als die Hälfte geschafft, danach durchmessen wir die Weiten Schwedens. Anfangs passieren wir noch Wiesen, Seen und Kirchdörfer, doch dann folgt die Fahrt durch die schier endlosen, einsamen Fichtenwälder Norrlands. Am Polarkreis ändert sich die Landschaft. Flüsse durchziehen das Land, gewaltige Ströme, die manchmal so breit sind wie Seen. Und dann - endlich! - tauchen am Horizont in atemberaubender Klarheit die eisigen Gipfel von Sarek und Kebnekaise auf.
Schon kurz hinter der Bergwerksstadt Kiruna können wir die Bergsilhouetten des Kebnekaise-Gebirges identifizieren: der markante Zapfen des Tuolpagorni und der hohe, flache Rücken des Kebnekaise. Von Kiruna führt die Straße noch etwa 100 Kilometer ins kleine Samendorf Nikkaluokta, noch immer 20 Kilometer vom Fuß des Berges entfernt.
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Hier schultern wir die Rucksäcke und machen uns auf die Wegstrecke durch das Tal Laddjuvaggi hin zur Fjällstation am Kebnekaise-Südostfuß. Auf der Wanderung durch schüttere Birkenwälder, Moore und über Geröllfelder ändert sich die Landschaft langsam, aber grundlegend. Auch das gehört zum Maß der Dinge hier oben im Norden: Man muss sich erstmal annähern. Die Berge wirken mit dem Näherkommen immer schroffer und unnahbarer; die markante Firnpyramide auf dem Südgipfel des Kebnekaise entzieht sich bald den Blicken, stattdessen stellt sich der Tuolpagorni herausfordernd in den Weg.
Der Talkessel von Tarfala.
Hier sind wir allein. Nur die Möwen patroullieren über den See, und eine Herde Rentiere zieht vorüber. Gegenüber kalbt der Kebnepakteglaciär in den See, und vom Gletscher weht ein eisiger Wind herüber. In den Abendstunden fällt Schnee. Dabei ist es doch Mitte August und wir befinden uns auf gerade einmal 1100 Meter Seehöhe! Am nächsten Tag wandern wir am Seeufer entlang und nähern uns der bedrohlichen Kaskasapakte-Südwand.
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Unter allen schwedischen Zweitausendern ist er der schwierigste, nur auf Kletterrouten erreichbar. Gleich neben dem Gletscher führt eine grobblockige Moräne aufwärts, und weiter oben in den Felsplatten ist etwas Kletterei erforderlich, um den Passübergang zum Tal Guobirvagge zu erreichen. Jenseits des Passes steht der Drakryggen, auch er lockt mit seiner feinen, formvollendeten Gestalt, doch wir müssen zurück zu unserer Gruppe und steigen hinab bis zur Kebnekaise- Fjällstation.
Auf der langen Reise nach Norden ist das Leben als Selbstversorger in der Freiheit der Natur ein umfassendes Abenteuer.
Übrigens ist der höchste Berg Schwedens auch im Winter ein beliebtes Ziel für Skitourengeher. Da wir ohne Gletscherausrüstung unterwegs sind (unser Selbstversorger-Rucksack ist auch so schon schwer genug), bleibt uns nur der Westweg - aber der bietet die Möglichkeit, auch den Tuolpagorni gleich "mitzunehmen".
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Früh morgens brechen wir auf, denn ein langer Tourentag steht bevor. Durch das Tal des Kittelbäcken gelangen wir teils auf Pfaden, teils auf großen Felsblöcken in den Sattel zwischen Tuolpagorni und Vierranvarri. Wir entscheiden uns, gleich die Extratour hinauf zum Tuolpagorni zu steigen, denn abends würden wir bestimmt keine Lust mehr für diesen Abstecherhaben. Vom Gipfel blicken wir die jähe Südostwand hinab ins Tal, wo 1000 Meter tiefer Wanderer auf der dünnen Linie des Kungsleden zu erkennen sind.
Gipfelrast am höchsten Punkt Schwedens mit grandiosem Weitblick über die Welt der Seen und Birkenwälder.
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Der Abstieg kostet fast genauso viel Kraft wie der Aufstieg, denn nur selten hat man so etwas wie einen Pfad unter den Füßen. Stattdessen immer wieder die runden, wackligen Blöcke dieses uralten kambrischen Hochgebirges, das in vielfältigen Hebungs- und Erosionsprozessen geformt und wieder eingerumpft wurde.
Erst spät abends sind wir wieder am Zelt, doch die Sonne steht noch am Himmel. Wer weiß, vielleicht haben wir den schönsten Tag des ganzen Jahres erwischt, um unseren Traum einer Gipfelbesteigung nördlich des Polarkreises zu verwirklichen.
Text und Fotos: Marco Klüber
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