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Genau diese perfekten Tage am Berg sind es, die mich immer wieder früh aufstehen und schwere Rucksäcke schleppen lassen. Dieser Sonnenaufgang am Gipfelgrat des Schalfkogel ist jede Schweißperle und jeden Atemzug wert.
Der Anstieg zum Schalfkogel hat sich markant verändert
Georg Gufler, seit gut zehn Jahren Wirt des Hochwildehauses, beschreibt am Abend zuvor mit klaren, kurzen Sätzen die Route durch die felsige Flanke hinauf zum Kleinleitenferner: "Immer auf der Rampe bleiben und diagonal ansteigen." Ein paar Steinmänner sollen uns in der Morgendämmerung den Weg weisen.
Aus seinen Worten hören wir auch ein wenig Wehmut über die immer weiter zurückgehenden Gletscher. Der Anstieg zum Schalfkogel hat sich markant verändert. Früher war es ein reiner Eisanstieg. Ohne jede Felsberührung konnte man vom mächtigen Gurgler Ferner auf den Kleinleitenferner und weiter hinauf zum Schalfkogeljoch steigen. Das war einmal.
Am nächsten Morgen ist es sternklar
"Aber das Wetter wird wenigstens passen", meint Georg, bevor er wieder zurück in die Küche geht. Wir bedanken uns für seinen Rat und gehen früh ins Bett. Tatsächlich ist es am nächsten Morgen sternklar. Georg ist extra aufgestanden, um uns ein ordentliches Frühstück zu machen: Brot, Butter, Marmelade, aber auch Käse und Schinken stehen für uns auf dem Tisch. Wenig später steigen wir im Licht der Stirnlampen die Moräne hinunter zum Gurgler Ferner. Beim Blick zum Himmel verdecken allerdings ein paar Wolken die Sterne. Kippt das Wetter schon wieder, oder ist es nur Nebel, der sich mit der Sonne wieder auflöst?
Scharfe Eiskristalle knirschen unter den Sohlen, als wir das Eis betreten. Die Nacht war frostig. Das heißt, auch der Schnee weiter oben wird uns tragen. Unproblematisch finden wir die Rampe hinauf zum Kleinleitenferner. Konzentriert folgen wir den Wegspuren im schwachen Lichtkegel der Stirnlampen. Immer wieder verlieren sie sich im Geröll. Nach einer steilen Schotterflanke erreichen wir das Eis.
Der Firn trägt, der Fels ist trocken und eisfrei
Der Gletscher verändert sich. Die Steigeisen und vor allem Seil und Gurt empfinden wir hier oben nicht nur als angenehm, sondern als absolut notwendig, denn Spalten gibt es genug. Nur wenig höher entdecken wir im Dämmerlicht tiefe, dunkle Löcher im Bereich der Aufstiegsspur.
Am Schalfkogeljoch weitet sich der Horizont: Hier öffnet sich der Blick nach Westen hinüber zur Hinteren Schwärze. Als schlanke, ebenmäßige Pyramide erhebt sie sich über dem weiten Schalfferner. Nach einem kurzen felsigen Steilaufschwung erreichen wir einen immer breiter werdenden, sanften Firnrücken. Im Südosten ragt die Hochwilde aus dem dünnen Wolkenschleier, der noch immer weite Teile des langen Gurgler Ferners verhüllt. Die Bedingungen könnten nicht besser sein: Der Firn trägt, der Fels ist trocken und eisfrei.
Plötzlich eine Dreierseilschaft - Wo kommt das Trio so schnell her?
Aber dann trauen wir unseren Augen kaum: Ein Stück oberhalb entdecken wir eine Dreierseilschaft am Gipfelgrat. Um diese Uhrzeit - um sechs Uhr morgens? Wo kommen die drei so schnell her? Erst als wir uns unter dem Gipfelkreuz die Hände reichen, werden die Fragen beantwortet: Christine, eine Mitarbeiterin des Hüttenteams, ist zusammen mit Mike und Paul, zwei Führern, direkt über den Ostrücken aufgestiegen. Voller Freude schwärmen wir von diesem Berg und dem guten Wetter. Solche Momente verbinden.
Zwei Stunden später sitzen wir wieder im Hochwildehaus und genießen Spiegelei mit Speck - als zweites Frühstück sozusagen nach einer großartigen Bergtour.
Text und Fotos: Bernd Ritschel
Info: Robert Demmel
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