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Wolfgang Mayr (Staatlich geprüfter Berg- und Skiführer, stellv. Leiter der Jugendbildungsstätte des DAV, Co-Autor des Buchs "Berge voller Abenteuer", Vater zweier Töchter): Kinder verstellen sich eher weniger als Erwachsene. Am Gesichtsausdruck, an reduzierter Gestik, Blockaden, Weinen, Sich-an-Eltern-klammern,... erkennt man Angst. Erwachsene dagegen neigen zu Ausreden, zeigen Angst besonders in Beisein von anderen kaum, da sie nicht "Looser sein wollen. Deshalb gehen Erwachsene in Gruppen oft zu weit.
Wie reagiert man dann am besten?
Mayr: Wichtig ist, Ruhe auszustrahlen. Und das geht nur, wenn man selbst die Sache im Griff hat und souverän auftritt. Erklären Sie dem Kind, wie das alles funktioniert, aber bitte in der altersgerechten Sprache und an Beispielen. Körperliche Nähe ist in solchen Situationen immer vorteilhaft. Eine zweite erwachsene Person kann hilfreich sein, oft bewirkt hier eine halb außenstehende Person mehr als gestresste Eltern. Vermeiden Sie zu lange Seillängen, so dass Sie immer Kontakt zum Kind haben.
Wie lange darf man sagen "Jetzt reiß' dich mal zusammen!", und wann kehrt man um?
Mayr: Wenn es so weit kommt, ist die Situation eigentlich schon zu stark eskaliert. Solche Aussagen bewirken bestimmt nicht das, was Sie wollen. Klettern Sie nicht eine zu exponierte oder zu lange Tour, bei der der Stress erst aufkommt, also selbst gemacht ist. Umkehren geht natürlich auch, aber Sie wollen ja, dass ihr Kind wieder mal mitgeht. Ein erreichbar gestecktes Ziel gemeinsam dann wirklich zu erreichen motiviert mehr.
Experte Wolfgang Mayr.
Mayr: Ich glaube, dass viele Kinder alpine Routen mitklettern. Durch die guten Möglichkeiten, sich gefahrlos beim Klettern zu steigern, ist das Niveau die letzten Jahre deutlich gestiegen. Vergessen Sie aber nicht, dass kurze Sportkletterrouten von Kindern leichter "verdaut" werden als Mehrseillängenrouten, bei denen ja oft noch der Zustieg einige Kondition fordert. Seien Sie ehrlich: Will Ihr Kind wirklich von sich heraus die Route klettern oder wollen Sie, dass es das tut?
Sind Kinder mutiger, wenn mehr dabei sind? Also besser eine Dreierseilschaft mit zwei Erwachsenen?
Mayr: Eine Dreierseilschaft (mit einem zweiten Erwachsenen) hat mehrere Vorteile: Der erwachsene Nachsteiger kann die mobilen Sicherungsmittel entfernen, das Kind ist am Stand nicht alleine und muss nicht den schwereren Erwachsenen sichern.
Was gibt es beim Sichern zum Gewichtsunterschied Erwachsener und Kind zu sagen?
Mayr: Das ist wohl das größte Problem beim Sichern eines erwachsenen Vorsteigers. 20 Prozent Gewichtsunterschied geht gerade noch, aber wir befinden uns ja nicht im Klettergarten, wo vom Boden aus über Körper (bei meist großer Hakendichte) gesichert wird, sondern im Gebirge, bei meist deutlich längeren Abständen im gleichen Schwierigkeitsgrad. Das bedeutet: Der Vorsteiger darf nicht stürzen!! Halbautomaten sind keine Lösung, da je nach Fabrikat bei Felskontakt eine unerwünschte Deblockierung auftreten kann. Wer mit Kindern alpine Routen klettert, muss den Schwierigkeiten absolut gewachsen sein und sollte die Route kennen. Diese Route mit einem Kind zu klettern, ist sicherungs- und führungstechnisch anspruchsvoll, aber bei ausreichendem Knowhow möglich. So wie es im vorhergehenden Artikel beschrieben, ist die Tour eine respektable Leistung. Vergessen wir nicht, dass diese Route schon für einen Erwachsenen eine tolle, exponierte und spektakuläre Tour darstellt.
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