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Am Gipfel wartet die große Schau: von links Nadelhorn, Dom, Täschhorn und Alphubel.
Unser Ziel: das Bishorn, und zwar ohne jede Hilfe. Auf dem Weg nach oben kommen uns immer wieder Bergsteiger entgegen. So hatten wir uns das Attribut im Führer - "weniger besucht" - nicht vorgestellt. Hundert Leute sollen von Samstag auf Sonntag in der Hütte übernachtet haben. Kaum vorstellbar, wenn man nach 1600 Metern Aufstieg endlich die kleine Hütte am Rand des Gletschers sieht.
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Der wortkarge Wirt spricht leider nur französisch, als zuverlässige Informationsquelle für das Wetter scheidet er also aus. Zudem sei das Internet kaputt. Der Wettermann in Innsbruck wollte sich tags zuvor nicht festlegen: an sich recht stabil, allerdings ist mit einem kurzen Schlechtwettereinbruch zu rechnen. Entweder in der kommenden Nacht oder der danach. Irgendwie sieht das schlecht aus für unseren Plan.
Nach der Höhe suchen wir Berge normalerweise nicht aus. Diesmal ist das anders. Jemand kam auf die Idee, man könne ja mal einen 4000er machen. Und das, obwohl nur zwei von uns ein wenig Hochtouren-Erfahrung hatten. Die gänzlich Unerfahrenen mussten zur Vorbereitung auf den Schneeferner an der Zugspitze.
Hatten zu üben, wie man sich auf einem Gletscher anseilt und wie man einen Bergsteiger aus einer Gletscherspalte rettet. Erst dann konnte es losgehen. Unser Ziel: das 4153 Meter hohe Bishorn in den Walliser Alpen.
Ein verhältnismäßig leichter Berg, angeblich ruhiger als die klassischen Anfängerberge. Seilbahnen Fehlanzeige - das ist uns wichtig, wir wollen uns den ersten 4000er selbst erarbeiten.
Spartanisch und französisch: Die Cabane de Tracuit ist eine einfache, aber gemütliche Hütte.
Die Hütte liegt auf 3256 Metern, da spürt man die Höhe. Kopfschmerzen hat zum Glück keiner. Die Nacht beginnt früh und wird stürmisch. Trotzdem schlafen alle gut. Bis um vier, dann heißt es aufstehen. Lage beurteilen.
Der Wind ist verstummt, es hat geschneit.
Der Gletscher, der gestern noch aper und verdreckt aussah, ist in Weiß getaucht. Nach dem Frühstück sieht es dann richtig schlecht aus: Die Toiletten, die von der Hütte aus über dem Abhang zu sehen waren - sie sind weg.
Andere Bergsteiger kriechen aus den Lagern. Sie gehen mit Bergführern, die wenig auskunftsfreudig sind: "Geht ihr heute los?", fragen wir. "Jetzt frühstücken wir", kommt die Antwort. Als es um sechs Uhr noch nebliger ist, kriechen einige von uns zurück ins Bett.
Die geführten Gruppen brechen auf, sie finden den Weg auch im Nebel. Einfach folgen wollen wir nicht, wir wollen unseren ersten 4000er selbst meistern. Wir bleiben.
Um sieben Uhr leuchten die Gipfel plötzlich rot durchs Fenster. Noch immer liegt leichter Nebel über dem Gletscher und wir einigen uns darauf, zumindest ein wenig auf dem Gletscher das Gehen in der Seilschaft zu üben. Wir stapfen über Geröll, dann seilen wir uns an. Als wir den Gletscher betreten, verschwinden mit einem Mal alle Bedenken über unsichere Verhältnisse.
Wer nicht aufpasst, fällt: unterwegs im Spalten-Labyrinth des Turtmanngletschers.
Nach und nach reißt die Wolkendecke zunehmend auf. Das Gehen in der Seilschaft klappt gut.
Als der letzte Wolkenfetzen verschwunden ist, liegt das Plateau des Turtmanngletschers bereits hinter uns und wir sind mitten im Anstieg zum ersten Schneesattel. Es ist zehn Uhr. Die Gruppen vor uns sind auch noch im Anstieg. Einstimmig beschließen wir, noch eine Stunde weiter zu gehen.
Das Wetter ist stabil, der Gletscher wie erwartet in den letzten August-Wochen gut ausgeapert, zudem hat ihn der Morgennebel vor einer zu intensiven Sonneneinstrahlung geschützt. Jetzt wollen wir es wagen. Wollen versuchen, auf den Gipfel des Bishorns zu gehen.
Die letzten Meter sind zäh: Die Lungen bekommen nur wenig Sauerstoff, die müden Muskeln mühen sich im Kampf gegen die Schwerkraft, der Magen rebelliert.
Noch kurz durch das überwechtete Steilstück wuchten, dann haben wir es geschafft. Es ist zwölf Uhr, wir stehen bei fantastischer Fernsicht auf 4153 Metern Höhe. Unser erster 4000er auf eigene Faust - wir haben es geschafft.
Vom Traumberg zum Endgegner:
Wer’s auf den Bishorn-Gipfel
(4153 m) schafft, hat den wohl
schönsten Blick auf den
schwierigen Weisshorn-Nordgrat.
Text: Heidi Schmidt Fotos: Christoph Michel







