- Anzeige -

- Anzeige -
www.alpin.de


- Anzeige -

Video der Woche
Video abspielen

- Anzeige -
Toolbar
Seite versenden Sitemap

CO2neutralwebsite
Tourenbuch

Klettertour: Antelao

18.05.2009 10:28:51
vorherige Seite 1 /2 nächste Seite
Daheim, im Bücherregal meines Vaters, steht ein altes Buch von Luis Trenker mit einem Bild des Antelao. Es zeigt den als "Dolomitenkönig" bezeichneten Berg, in Neuschnee gehüllt, über den herbstlichen Lärchenwäldern des Cadore. Es ist eines dieser Bilder, die einem bergbegeisterten Jungen nicht eher aus dem Kopf gehen, bis er oben war.
- Anzeige -

Das Rifigio San Marco, Ziel der ersten Etappe.
Die Autorenschaft greift zu pathetischen Worten, um den Normalweg über die Plattenfluchten der "Laste" zu beschreiben. Mit einer Neigung von etwa 35 Grad führen diese autobahnbreiten Felsbänder hinauf bis an den Gipfelaufbau. Auf den letzten Höhenmetern folgen dann einige leichte Kletterstellen im II. Schwierigkeitsgrad.

Obwohl der Antelao der zweithöchste Dolomitenberg ist, gehört er zu den seltener besuchten Gipfelzielen. Die Besteigung und Umrundung des Dolomitenkönigs ist eine schöne Sache für Bergsteiger, die gern ihre Erlebnisse auskosten. König Antelao, du bist ein würdiger Herrscher!

Bei der Anfahrt nach Cortina d'Ampezzo zeigt der Antelao sein charakteristisches Profil mit seiner kleinen "Krone" oben drauf. Wer den Weg zur San-Marco-Hütte hinauf im Frühsommer geht, kann unterwegs reiche Vorkommen des Frauenschuh in den Kiefernwäldern und Latschen finden, im Hochsommer erkennt nur noch der Kundige die Samenstände der prächtigen Orchidee.

Nachts geht ein gewaltiges Gewitter herunter, doch der Morgen ist blau und klar. Im Tal sammelt sich der nachts gefallene Niederschlag bereits in kleinen Wolkenfetzen, die zusehends in die Höhe wachsen, dennoch wollen wir den Gipfelsturm wagen.

Von der Forcella Piccola führt der Pfad über Wiesengelände und Schuttkare an eine abweisende Felsflanke heran, die auf schmalen Felsbändern und Schrofen erstaunlich einfach ersteigbar ist. Der Ausstieg der Barriere geleitet auf die ersten Platten, die dann rasch zum Beginn der "Laste" führen.

Mal an der linken, mal an der rechten Felskante führt der Anstieg über die Rampe hinauf in die dichter werdenden Wolken. Hinter der Biwakschachtel Piero Cosi folgen noch einmal gut hundert Höhenmeter hinauf auf das markante Gipfelköpfchen des Antelao.

Doch nun zeigt uns der König erst einmal die Zähne: Blankeis macht die Schlüsselstelle, einen drahtseilgesicherten Kamin, unpassierbar.

Nach kurzer Suche finden wir rechts einen äußerst exponierten kleinen Felsbalkon, der in die gähnenden Abgründe der Westflanke hinausragt und dann über Schrofengelände den Zugang zum Gipfelgrat ermöglicht.

Am Gipfel ist von der Aussicht bis an die Adria nichts zu sehen; der Blick verliert sich hinter dem Kopf des Tourenpartners im Nebel. Dessen Haare stehen zu Berge. Wir sitzen auf dem höchsten Punkt in einer Gewitterwolke.

Nichts wie runter, wieder über den luftigen Balkon, der abwärts noch etwas unangenehmer ist, und dann im Laufschritt die Laste hinunter, noch immer mit dem seltsamen Knistern in den Haaren. Drüben am Pelmo kracht es schon.

Blick auf Tofana di Roszes, Tofana di Mezzo und Tofana di Dentro.
Just an der Türschwelle der Galassi-Hütte zucken die Blitze um uns herum, und der Himmel öffnet seine Schleusen. Antelao, du grimmiger König, hast uns nochmal davonkommen lassen.

Am Morgen ist der Himmel wieder blau und friedlich, diesmal hält das Wetter den ganzen Tag. Über den Dolomiten-Höhenweg Nr. 5 führt die Etappe hinüber zum Rifugio Antelao oberhalb von Pieve di Cadore.

An den Resten des unteren Antelao-Gletschers vorbei schlängelt sich der Pfad zum Beginn des Klettersteigs, der über eine 150 Meter hohe Plattenflucht hinauf zur Forcella del Ghiacciaio führt.

Die Forcella ist ein eindrucksvoller Aussichtsplatz mit Blicken auf den nahen Antelao-Gipfel, hinüber zu den Tofanen, in die Wildnis der Marmarole und der südlichen Karnischen Alpen.
Auf der Scharte ändert sich das Landschaftsbild. Die grünen, waldreichen Täler des Cadore mit den Seen in der Tiefe, die Heimat des Tizian im Licht des Südens. Dahinter türmen sich die zackenreichen Bergkämme des Bosconero und der südlichen Karnischen Alpen auf.

Die Antelao-Hütte ist nah. Auf der Karte sieht die letzte Tourenetappe um den Antelao herum nach San Vito gar nicht so weit aus. Doch das stetige Auf und Ab über Pässe, durch tief eingeschnittene Kerbtäler, über dicht bewaldete Bergrücken und durch geröllreiche Bachläufe macht dieses Tagespensum zu einer langwierigen und sehr anstrengenden Sache.
Zur Bildergalerie Tourenbuch Antelao klicken Sie auf das Bild oder folgen Sie diesem Link.
Im letzten Anstieg zum Bosco Nuovo, am Westfuß des Antelao, hat eine große Mure den Weg weggerissen. Doch es hilft nichts: Wir müssen da durch. Nach der Querung der sandigen Steilhänge folgt noch ein Gleichgewichtstraining durch die Latschen, bevor wir wieder auf den Weg stoßen.

Der Kampf gegen die Legion borstiger Gummiarme hat uns die letzten Kräfte geraubt und so schwanken wir benommen hinab nach San Vito.

Text und Fotos: Marco Klüber

Aus ALPIN 01/09
Zur Einzelheftbestellung

Alle auf alpin.de veröffentlichten Tourenbücher finden Sie hier!

Die schönsten Wandertouren in den Dolomiten

Tourenname Schwierigkeit Beschreibung
Auf die Seiser Alm leicht Idyllische Wanderung über die größte Hochalm Europas...
Umrundung der Drei Zinnen leicht Sehr eindrucksvolle Wanderung zu den Kronjuwelen der Dolomiten...
Piz Boè mittel Ein eher ungewöhnlicher Anstieg zum Piz Boè beginnt am Sellajoch...
Rund um den Langkofel mittel Genussvolle und Kräfte schonende Rundtour...
Labyrinthweg - Karer See mittel Abenteuergeladene Tour durch ein einzigartiges Felslabyrinth...
Rund um den Plattkofel mittel Lange, aber prächtige Tour auf einem Panorama-Höhenweg...

Unsere gesammelten Touren finden Sie hier!
Fortsetzung (1 / 2)
Seite 2: Info: Antelao


- Anzeige -

18.05.2009 10:28:51
Sitemap Drucken Versenden


24.05.2012 11:28:26