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ALPIN Tourenbuch

Skitour: Rigidalstock

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Der Rigidalstock über dem Tal von Engelberg bietet guten Skifahrern und Bergsteigern eine reizvolle Tour mit allem, was ihr Herz begehrt: wilder Aufstieg, steile, enge Abfahrten, Pulverschnee und traumhafte Tiefblicke. Manchmal mit Beistand von oben.
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Wie die Wühlmäuse und nicht ungefährlich: Am Klettersteig mussten wir stark durchfeuchtete Schneefelder queren - leider ohne Harschdeckel!
Mit Engeln ist das so eine Sache. Anno 1120 erschien ein himmlischer Chor auf dem Schweizer Berg Hahnen. Und infolgedessen gründete laut Legende Konrad von Sellenbüren das Kloster Engelberg.

Wir hatten zwar keine Erscheinung am Berg, dennoch dürften uns einige Himmelshelfer begleitet haben. Allerdings eher Schutzengel, denn singende Gottesboten.

Gut so, denn bei unserer Tour hätte an diesem Tag einiges schiefgehen können – doch der Reihe nach.

Dass man in Engelberg gut Freeriden kann, hat sich längst in der ganzen Welt herumgesprochen. Horden von Skifahrern fallen dort über jeden Fleck unberührten Tiefschnees her wie Heuschrecken über den letzten Grashalm. Allerdings beschränken sie sich fast nur auf die Varianten-Abfahrten am Titlis.

An der gegenüberliegenden Brunnibahn sind lange Warteschlangen und Menschenmassen selten. Deshalb wollten Baschi Bender, Knut Pohl und ich schon lange über den Klettersteig auf den Rigidalstock steigen. Und als die Wettervorhersage endlich stimmte, ging es los.

Alles schien nach Plan zu laufen, bis mein Auto auf dem Hinweg schlapp machte. Schnell mussten wir für den folgenden Tag planen, denn danach sollte das Wetter umschlagen.

Normalerweise fährt man nachmittags mit Seilbahn und Sessellift zur Hütte, übernachtet dort und bringt so am nächsten Morgen den südseitigen Aufstieg schnell und sicher hinter sich. Nicht aber wir …

Denn dank Auto-Panne verloren wir den Anreisetag, und bis Knut am Morgen aus Zürich angereist, ein Auto am Endpunkt geparkt und am Parkplatz unsere Ausrüstung gecheckt war, hatten wir drei Gondeln verpasst; eine Stunde war vergangen.

Auch im Winter machbar: der Klettersteig auf den Rigidalstock - (hoch)alpine Erfahrung vorausgesetzt!
So beschlich uns schon früh das latent ungute Gefühl, verdammt spät dran zu sein. Voller Tatendrang wurden wir wieder und wieder ausgebremst: Erst wollten die Felle nicht auf der noch gefrorenen Piste haften, dann die geklebte Seite nicht mehr am Ski. Und unterhalb Schonegg mussten wir feststellen, dass die Südhänge schon lang keinen Harschdeckel mehr hatten.

Also kletterten wir über ein kleines Felsband, um den weiteren Routenverlauf einzusehen. Glück gehabt: Die folgenden Hänge waren alle noch gefroren.

Dann das nächste Missgeschick: Wo war Knut? Erst nach einer Weile stieß er zu uns – bleich und völlig außer Atem. Beim Klettern war er plötzlich in ein Loch zwischen Schneedecke und Felsen gerutscht und hatte sich nur mit Müh und Not wieder befreien können. Der Schreck stand ihm noch ins Gesicht geschrieben, als wir darüber diskutierten, ob das nicht schon Zeichen genug zum Umkehren waren.






Klicken Sie sich durch die Slideshow der Tour auf den Rigidalstock.


Doch bisher hatten uns unsere Schutzengel nicht im Stich gelassen. Und so entschieden wir, zunächst bis zum Beginn des Klettersteigs aufzusteigen und eventuell die Abfahrtsvariante durch Ober Stoffelberg zu nehmen.

Es schien uns, als wollte uns jemand daran hindern, auf diesen Berg zu steigen. Da ich dummerweise meine Harscheisen vergessen hatte, verzweifelte ich schier an den immer steiler werdenden Hängen unterhalb des Einstiegs.

Kurzerhand schnürte ich die Ski schon früher an den Rucksack, um das letzte Stück mit Steigeisen zu bewältigen. Als Strafe für meine Vergesslichkeit brach ich bei jedem dritten Schritt bis zum Knie in den Schnee ein.

Knut erging es nicht besser: Eines seiner Harscheisen folgte leise klimpernd der Schwerkraft und machte sich gen Tal davon. Währenddessen fotografierte Baschi uns vom Einstieg und beobachtete die Szene mit zunehmender Nervosität. Bei ihm angekommen, berieten wir uns: Die Abfahrt machte uns kaum Sorgen, aber die beiden Schneefelder, die im Aufstieg noch zu queren waren.

Wir hofften auf unsere Erfahrung und Schutzengel und stiegen weiter auf …

Hinauf auf den harschigen Grat.
Nach der schwersten Kletterstelle beobachtete uns just am ersten Schneefeld ein Steinbock – welch majestätischer Anblick!
Kurz wähnten wir uns zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Doch Knuts Steigeisen wollte partout nicht am Skischuh halten und holte uns schnell zurück in die Realität. Obendrein mussten wir uns regelrecht durch besagtes Schneefeld wühlen, weil es schon extrem durchfeuchtet war.

Wenigstens am Stahl des Klettersteigs kamen wir gut voran. Doch auch hier passierte uns ein Malheur: Hinter mir hörte ich nur ein unheilvolles Quietschen. Und als ich mich umsah, hielt Knut mir seinen blutüberströmten Finger entgegen. Er hatte zugegriffen, wo ich mit meinem Steigeisen hingetreten war. Zu dumm. Zwar war es nur eine oberflächliche Verletzung, doch hatten wir mit ihrer Behandlung erneut Zeit verloren.

So durften wir uns auch im zweiten Schneefeld wieder durch hüfthohen Nassschnee wühlen – notdürftig gesichert und einzeln.

Ohne Missgeschick und Unglück. Die anschließende, senkrechte Ausstiegswand kletterten wir daher gut gelaunt hinauf und bewältigten die letzten Meter zum Gipfel, dessen Ausblick uns für alle Strapazen entlohnte. Dennoch gönnten wir uns keine lange Rast. Denn der angekündigte Wetterumschwung schien eher einzutreten.

Wir änderten unseren Plan, zum Gross Walenstock zu klettern, wohlwissend, dass eine Lawine im nun zu querenden Vogelsmatt-Hang vor zwei Wochen Skitourengeher verschüttet hatte. Und als wir nach kurzer Abfahrt deren hohe Anrisskante sahen, wurden unsere Knie weich. Klar, jetzt wollte keiner mehr als Erster den Hang queren.

Verdiente Pause: Totti, Knut und Baschi (v. l. n. r.) am Gipfel des Rigidalstocks.
Wir strapazierten unsere Schutzengel nicht weiter und stiegen über ein Felsband zum Grat hinauf. So gelangten wir zwar kraftraubend, dafür aber recht weit oben in die Walenchälen. Und schon die ersten Schwünge im Hang bewiesen, dass sie den Kraftakt wert gewesen waren: feinster Pulverschnee und keine andere Spur weit und breit – trotz Tagen ohne Schneefall. Breit grinsend fuhren wir die flachen Hänge der Walenchälen ab, bis sich durch einen Rechtsknick die Sicht zum Tal der Engelberger Aa und dem Vierwaldstättersee öffnet – traumhaft!

Links die hohe Wand des Vorder Walenstocks, vor uns die sich verengende Rinne in bester Dolomiten-Manier und dazu diese Aussicht! Wie nah Glück und Unglück doch manchmal beisammen liegen …

Prompt war letzteres wieder da. Nach der Rinne kurz unkonzentriert, warf mich ein Eisklumpen aus dem Gleichgewicht. Mit blutiger Nase und einer kaputten Tourenbindung hatte ich endlich verstanden: Konzentration bis zum Schluss und keine Sperenzchen! Schließlich hatten wir unsere Schutzengel heute schon genug gefordert.
Hinab über bis zu 45 Grad steiles Gelände.
Fortsetzung (1 / 2)
Seite 2: Info: Rigidalstock


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Mit genauer Beschreibung, Karten, Fotogalerie und Links zu den Infostellen vor Ort.
15.09.2014 11:24:48