Ein Urlaub mit Kindern muss nicht in einem all-inclusiv-Club-Hotel enden. Mit etwas Mut und Improvisation kann aus einem Urlaub jenseits des Polarkreises ein unvergesslicher Familientrip werden.

Die Lofoten? Klar kenn ich die! Obwohl: kenn ich die? Wo genau liegen die nochmal? Also doch den Rechner an und auf der digitalen Karte nachsehen. Soweit im Norden hätte ich sie nicht vermutet. Aber umso besser. Die Pfingstferien liegen im Juni und da sind die Tage am Polarkreis bekanntlich besonders lang. Und wir wollen dorthin, für unseren Familienurlaub mit zwei Kindern.

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Die weitere Recherche ergibt: Zwei Wochen sind eigentlich viel zu kurz. Die Möglichkeiten dort oben in Nord-Norwegen sind fast grenzenlos. Und wie ein Blick auf das Klima im Juni zeigt: Es ist wärmer dort man es erwarten würde. Die Inselkette, die sich weitin den Nordatlantik reckt, ist klimatisch maßgeblich vom Golfstrom beeinflußt.

Magische Momente
Naturliebhaber kommen auf der Inselgruppe voll auf ihre Kosten. | © Birgit Gelder

Davon merke ich bei der Landung in Narvik nichts. Es ist Mitternacht, der Regenpeitscht waagerecht über die Landschaft. Eigentlich wollten wir ja zelten, aber bei dem Wetter haben wir dann doch eine Jugendherberge vorgezogen. Nach einer geruhsamen Nacht (ruhig ist es auf den Lofoten wahrscheinlich überall) erkunden wir bei Sturm und Regen unsere nähere Umgebung. Wir wissen jetzt zumindest,warum Norwegische Firmen gute Regebekleidung herstellen.

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Unsere Laune bessert sich schnell, als wir mit Shrimps und Majo in der Jugendherberge sitzen. So schlecht ist das Leben nicht. Dafür hätten wir zu Hause ein halbes Vermögen bezahlt. Hier sind die Shrimps nicht viel teurerer als Nudeln.

Das Wetter soll auch schon morgen besser werden und so planen wir in die Region von Svolvaer zufahren. Dort ist das touristische Zentrum der Lofoten. Man kann dort (wie eigentlich überall auf den Lofoten) geniale Wanderungen machen. Die Berge sindca. 700 Meter hoch, das bringt mit sich, dass man keine zu lange Anstiege hat. Von oben breitet sich die Wasser- Fjord- und Inselwelt der Lofoten vor einem aus. Einewahrhaft atemberaubende Landschaft. Da haben sogar die Kinder Spaß am Wandern.

Mit dem Zelt am Strand

Bei unserer Urlaubsplanung haben wir einen Strand entdeckt, zu dem wir auf jeden Fall hin wollen: Kvalvika heißt er und ist angeblich in ca. zwei Stunden zu Fuß zu erreichen. Die Bilder im Führer erinnern eher an die Karibik als an Norwegen. Unser Plan ist es, das Zelt mitzunehmen und dort zu schlafen. Um Mitternacht wollen wir uns die Mitsommer-Sonne ansehen. Mal sehen, wie die Kinder mitspeilen.

Aber die Aussicht auf einen tollen Strand läßt sie voll motiviert losziehen. Nacheinem kleinen Maleur: Eva hat sich die Hand in der Autotüre eingequetscht. Nachzehn Minuten im kalten Wasser geht es wieder. Ihren Rucksack nimmt vorerst abermal ein anderer.

Am Strand
Auch den Kindern scheinen die Lofoten zu gefallen! | © Birgit Gelder

Der Weg führt über Bretterstege vorbei an einem See. Wir wundern uns ein wenig, warum hier niemand unterwegs ist. Sind wir auf dem richtigen Weg? Aber Juni ist auf den Lofoten noch nicht die Hauptsaison. Die Beginnt erst Ende Juni daher haben wir die gesamte Tourfür uns alleine.

Ein sanfter Sattel zeigt sich vor uns und als wir den erreichen, bleiben uns die Münder offen stehen. Vor uns breitet sich eine Bucht aus, die wie aus dem Bilderbuchist. Sandstrand, sanft auslaufende Wellen, türkiesfarbenes Wasser und etwas weiter hinten grüne Wiesen. Dazwischen ein paar Felsen. Die Kinder rennen losund toben durch den Sand. Wir setzen uns erst einmal hin und schauen....

Ich bin mir sicher: Es gibt keinen Menschen auf dieser Welt, der von dem Anblick nicht begeistert ist. Und das alleine für uns und nicht überlaufen wie in Mitteleuropa und nach nur zwei Stunden Wanderung. Wir bummeln durch den Sand und teilweise über Felsen zum anderen Ende des Strandes. An einer Stelle findet man Fixseile um von den Felsen wieder an den Strand zu gelangen. Die Kinder haben eine andere Lösung. Sie rutschen in einer natürlichen Rutsche hinunter.

Am Ende des Strandes bieten sich perfekte Zeltplätze. Ebene, Wiesen mit weichem Gras, das Rauschen der Brandung im Ohr. Unmengen Schwemmholz liegen herum aus dem Vorgänger einen kleinen Kinderspielplatz gebaut haben. Viel faszinierender sind aber die zwei Walwirbel, die halb im Sand stecken. Die haben etwa 1,5 Meter Durchmesser, gigantisch.

Am Ryten
Erst der Anstieg, dann der Ausblick | © Birgit Gelder

Für unsere Tour um Mitternacht haben wir uns den markanten Felsklopf oberhalb des Strandes ausgesucht, den Ryten. Ein schwach ausgetretener Pfad leitet die 550Höhenmeter auf den Gipfel. Unsere Zelte werden während des Aufstieges immer kleiner, der Blick auf den Traumstrand immer besser.

Irgendwann aber sinkt die Motivation der Kinder und die Müdigkeit steigt. Meine Frau erzählt fast den ganzen Aufstieg lang ein improvisiertes Märchen über Trolle. Die Kinder sind so gefesselt, dass sie ganz vergessen, dass sie ja bergauf gehen.

Der Wind oben ist frisch, wir haben uns warme Sachen mitgenommen und beobachten die fahle Sonne. Etwa eine handbreit über dem Horizont ist Schluss. Dann geht es wieder aufwärts. Erst merkt man es kaum, aber dann wird es doch deutlich. Für uns ein eindrucksvolles Erlebnis aber auch das Zeichen, uns jetzt schnell in die warmen Schlafsäck zu kuscheln.

Am nächsten Morgen schlafen wirlange. An die permanente Helligkeit haben wir uns schon etwas gewöhnt. Die „Zelttüre“ steht offen und wir schauen auf den Strand. Hier könnte ich auch den Rest des Urlaubs verbringen.

Angeln, klettern, schwimmen

Kletternvergnügen
Olaf am "Standplatz" | © Birgit Gelder

Wir aber packen irgendwann zusammen und gehen auf einem anderen Weg zurück zum Auto. Es gibt noch so viel zu sehen auf den Lofoten und klettern wollen wir ja auch noch etwas. Und die Kinder wollen angeln. Also setzten sie sich in A (das Ortsschild ist festgeschweißt, weil es schon so oft gestohlen wurde) auf den Fischerstegund halte einen Angelhaken ins Wasser. Wir räumen derweil unsere Fischerhüttchen ein, in dem wir die nächsten zwei Tage verbringen wollen.

Als die Kinder nach wenigen Minuten mit zwei dicken Fischen anmarschiert kommen, sind wir doch einigermaßen erstaunt. Als wir dann aber sehen, dass die Fische schon ausgenommen sind, wissen wir, dass das nicht mit rechten Dingen zugehen kann.Sie haben die Fische von „echten“ Fischern geschenkt bekommen. Das machen wir ab jetzt immer so.

Das Wetter wird von Tag zu Tag stabiler und auch wärmer wird es. Grund genug für uns, das Kletterhighlight des Urlaubs anzugehen, die Route Westerpillaren am Presten. Die Tour ist 13 Seillängen lang und muss größtenteils selberabgesichert werden, inklusive der Standplätze. Für den plaisirverwöhnten Alpenkletterer ungewöhnlich. Hier aber schon mal insofern kein Thema, als dasman alle Zeit der Welt hat – dunkel wird es nicht.

Wieder am Zeltplatz kommen dann die Kinder sogar noch zu ihrem ersehnten Bad im Meer. Dazu muss man aber einigermaßen hart gesotten sein bei 12 Grad Wassertemperatur.

Mehr Informationen für Ihre Reiseplanung finden Sie unter www.visitnorway.com/aufgeweckt

Text von Olaf Perwitzschky

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