Wer sich schon immer mal den Zugspitz-Gipfel verdienen wollte, hat die Wahl zwischen mehreren Anstiegen. Der kürzeste und steilste zieht von Ehrwald hinauf über den Stopselzieher-Klettersteig – die stillere Alternative zur Höllentalklamm.

Wenn der Sommer so richtig brennt, erfüllen sich Konditionsstarke ihren Traum und brechen früh morgens zum Zugspitzgipfel auf – als Tagestour im Schatten der Westflanke. Wer es lieber gemütlicher möchte, steigt entspannt am Nachmittag auf und übernachtet einmal auf der Wiener Neustädter Hütte. Das empfiehlt sich aber sowieso, denn die Aussicht vom „Picknickplatzerl“ ist spektakulär und der Sonnenuntergang ist fantastisch. 

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"Männleinlaufen" auf Deutschlands höchstem Berg.

| © Andreas Erkens

Wobei entspannt nicht gerade das richtige Wort ist für die Tour mit gut 1700 Höhenmetern (1000 Hm bis zur Hütte) auf gerade mal fünf Kilometern Distanz! Dafür ist die Strecke mit ihren kleinen unschwierigen Kraxeleinlagen am Stahlseil toll, die Hütte urig, das Ziel prominent. Und der Schrecken ob der Menschenmassen kommt – abgesehen von der stets fast unbemerkt über einem schwebenden Seilbahn – meist erst zum Schluss. Am Grat zum Münchner Haus. Garantiert aber spätestens am überfüllten Gipfel.

Den kann man sich getrost schenken, es sei denn, man möchte für das Selfie mit all den Turnschuh-Touristen anstehen. Lieber nicht? Schöne Bergmomente hatten alle Zugspitz-Besteiger bis dahin eh genug – also doch lieber schnell in die Bahn steigen und bequem zurück ins Tal gondeln – diesen Vorteil der Seilbahn lassen sich schließlich auch die Bergsteiger nicht entgehen!

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ALPIN Info & Touren

Traumtouren im Wetterstein

Die Zugspitze muss man als Berg sicher nicht rühmen, die Südliche Riffelspitze hingegen vielleicht schon. So oder so, beide hier vorgestellten Wege sind herrliche Alternativen zu den oft überlaufenen Modetouren an der Zugspitze!

Zugspitze, 2962 m, über Stopselzieher

Der Anstieg über die Wiener Neustädter Hütte und den Stopselzieher ist abwechslungs- und aussichtsreich, jedoch steil und anstrengend. Der Klettersteig selbst (A/B) ist unschwierig aber optisch besonders spektakulär!

  • Beste Zeit: Juli bis Mitte Oktober

  • Ausgangspunkt: Talstation Tiroler Zugspitzbahn, 1228 m

  • Bergbahn: Tiroler Zugspitzbahn, Tel. +43 5673 23090, zugspitze.at

  • Talort: Ehrwald, 994 m.

  • Gehzeit: Tiroler Zugspitzbahn – Wiener Neustädter Hütte 2 – 3 Std., Wiener Neustädter Hütte –  Zugspitzgipfel 2 – 3 Std.

  • Info: Tiroler Zugspitz Arena, A–6632 Ehrwald, Tel. +43 5673 20000, zugspitzarena.com

  • Anreise: München – Eschenlohe – Oberau – Garmisch-Partenkirchen – Ehrwald

  • Hütten: Wiener Neustädter Hütte, 2209 m, ÖTK, bewirtschaftet 23. Juni bis Mitte Oktober, Tel. +43 676 7304405, wiener-neustaedter.com; Münchner Haus, 2962 m, DAV München, bewirtschaftet Mitte Mai bis Mitte September, Tel. 08821 2901, muenchner-haus.de

  • Literatur: Franziska Baumann, Dieter Seibert: Rother Wanderführer Zuspitze, Bergverlag Rother, 2017

  • Karte: AV-Karte, 1:25.000, Blatt BY8, Wettersteingebirge – Zugspitze

  • Ausrüstung: Klettersteigausrüstung, Helm, feste Bergschuhe

Route: Von der Talstation der Skigasse bis zum Beginn der Schotterreise folgen. Das Schotterfeld queren und über Steig hinauf zum Wiesengrat. Vorbei an Stütze 2 der Tiroler Zugspitzbahn und auf gesichertem Steig zum österreichischen Schneekar. Dort liegt rechts die Wiener Neustädter Hütte. Nun markiert meist in Sichtweite der Bahn zuerst durch Geröll leicht ansteigend bis zum linken oberen Ende des Schneekars. 

Dort Einstieg in den Klettersteig mit Klammern und Stahlseilen und weiter empor zu der schrägen, kaminartigen Rinne, dem Stopselzieher. Vom Ende der anschließenden Rinne noch ein Stück gerade hinauf, bis die Sicherungen nach rechts über eine weitere Rinne in die weniger geneigte Wand leiten. Diese ansteigend queren, bis die Steigspuren hinter einer flachen Rippe wieder gerade aufwärts führen.

Den Markierungen zur Kammstation und dem dort beginnenden Grat bis zur Gipfelterrasse des Münchner Hauses folgen. Dort hinüber und über kurzen Steig hinauf zum goldfarbenen Gipfelkreuz. Bergab am besten bequem mit der Tiroler Zugspitzbahn.

Hüttencheck

© ÖTK

Wiener Neustädter Hütte, 2209 m, Österreichischer Touristenklub (ÖTK) Zentrale

  • Kontakt: Guido Schweigl, Tel. +43 676 7304405, wiener-neustaedter.com

  • Geöffnet: Ende Juni bis Anfang Oktober

  • Zustieg: Von Ehrwald über den Georg-Jäger-Steig (4 Std.) oder von der Talstation der Tiroler Zugspitzbahn in 2 – 3 Std. Alternativ vom Eibsee (4 Std.) oder vom Bahnhof Riffelriss in 2 Std.

  • Schlafen: 25 Betten (2-Bett-, 3-Bett- und 4-Bett-Zimmer), 10 Lager.

  • Essen: Was der Hüttenwirt kocht: von Geschnetzeltem bis Knödel – gute Tiroler Hausmannskost.

  • Komfort: Eine gemütliche und gut gepflegteBergsteigerunterkunft mit Trockentoilette, Bio-Kläranlage, Solarstrom und Waschraum. Legendär sind die Gitarren-Abende und die Hütten-Versorgung aus der Luft per Gondel!

  • ALPIN-Fazit: Ursprüngliche und liebevoll geführte Hütte mit Platz für Bergsteiger-Romantik dank bester Lage im Österreichischen Schneekar mit Traumblick auf Eibsee und die Stopselzieher-Tour.

Text von Andreas Erkens

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