Die Kaltwasserkarspitze ist zwar "nur" der vierthöchste Gipfel im Karwendel, doch der will verdient sein. Das Gipfelbuch ist von 1982 und verzeichnet jede Saison nicht mehr als zwei bis drei Dutzend Einträge.

Wäre die Birkkarspitze (2749 m), der höchste Karwendel-Gipfel, eine Mitschülerin, dann wäre sie das pickelige und pummelige Mädchen, von dem man wunderbar abschreiben kann und das einen immer von seiner Milchschnitte abbeißen lässt: nett, aber nicht begehrenswert.

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Die Kaltwasserkarspitze (2733 m) dagegen wäre die arrogante Schönheit, die um ihren Marktwert weiß und dies die Jungs auch spüren lässt: unnahbar, manchmal ein bisschen zickig – und genau deshalb so unwiderstehlich.

Tourentipp Kaltwasserkarspitze
© Günter Kast

Die Kaltwasserkarspitze ist die östliche Nachbarin der Birkkarspitze. Doch während zweitere einen recht bequemen, drahtseilversicherten Normalweg bietet, ist die "Zicke" auf keinem Anstieg einfach zu erreichen. Auf allen Routen sind Passagen im II. Grad zu meistern, auch auf dem als Normalweg bezeichneten Zustieg über das Hinterautal.

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Wer hier startet, muss geduldig sein, bis er die wahre Karwendelkönigin aus der Nähe betrachten darf. Denn der Grat über den Großen Heißenkopf und die Sägezähne, den die oft liebevoll "Kawaka" genannte nach Süden entsendet, ist lang, mitunter brüchig und der Sonne ausgesetzt.

Einen besseren Blick auf die Gebirgsdiva hat man vom Kleinen Ahornboden aus, zu dem die fast senkrechte Nordwand abfällt. Dass Hermann von Barth bereits im August 1870 bei Sauwetter als Erster auf dem Gipfel der Kaltwasserkarspitze stand, zeigt einmal mehr, was für ein cooler Hund der Alleingänger und Karwendel-Erschließer war.

Tourentipp Kaltwasserkarspitze

Die Tour - Kaltwasserkarspitze, 2733 m

Schwierigkeit: Bergtour, schwer, II+

Tourentipp Kaltwasserkarspitze

Gipfelglück.

| © Günter Kast

Dauer: 10 – 12 Stunden

Höhenmeter: 2000 Hm (inkl. MTB)

Auf den vierthöchsten Gipfel im Karwendel führt kein wirklich leichter Normalweg. Der II. Grad muss in jedem Fall beherrscht werden, ein guter Orientierungssinn und Kondition für 2000 Höhenmeter sind notwendig.

Beste Zeit: Mitte Juli bis Ende September.

Talort: Scharnitz, 964 m.

Parkplatz: Parkplatz Karwendeltäler, 970 m.

Route: Mit dem Bike ins Hinterautal. Wo sich der Weg gabelt, die Bikes nach li. in die Büsche schieben. Dem Forstweg noch einige hundert Meter folgen, dann über das Bachbett und auf Steig ins Moserkar. Durch die Latschengasse auf den Kamm (2100 m). Über Wiesenhänge und Blockwerk zum Großen Heißenkopf (2437 m). Hier wird der Südgrat zur Kaltwasserkarspitze anspruchsvoller. Gehgelände und Passagen bis II wechseln sich ab.

Abstieg: Nach der ersten Kletterpassage am Grat westseitig in eine Rinne hinab und zu P. 2552 queren. Der Grat vom Gipfel ins Hochjöchl bietet noch einmal Abklettern bis II. Nach einem Schuttband geht es über Geröll und Gras nach Südwesten, bis Pfadspuren zum Adlerweg hinüberleiten.

ALPIN-Info: Die "Kawaka"

Einsame Bergfahrt im zentralen Teil des Karwendel mit Start im Hinterautal. Insgesamt sind gut 2000 Höhenmeter zu bewältigen. Als Tagestour mit Mountainbike zu empfehlen.

Tourentipp Kaltwasserkarspitze

Übersichtskarte Kaltwasserkarspitze

| © alpin.de

Info: Tourismusbüro Scharnitz, Innsbruckerstr. 282, A-6108 Scharnitz, Tel +43 508 8040, scharnitz.tirol.gv.at, alpenwelt-karwendel.de, karwendel.org

Anreise: Mit dem Auto via Garmisch-Partenkirchen oder über den Walchensee nach Scharnitz. Im Ort nach der Brücke der Beschilderung "Parkplatz Karwendeltäler" folgen, 6 Euro Gebühr pro Tag (mit 2 Euro Verzehrbon). Mit der Bahn von München via Garmisch-Partenkirchen nach Scharnitz.

Bergführer: Bernd Eberle, Tel. 0172 8393220, bergschule-alpenweltkarwendel.de

Literatur: Mark Zahel: Alpine Bergtouren Wetterstein und Karwendel: 50 anspruchsvolle Gipfelziele zwischen Zugspitze und Achensee, Bruckmann Verlag, 2014.

Karte: AV-Karte, 1: 25 000, Blatt 5/2, Karwendelgebirge – Mitte.

Ausrüstung: Normale Bergausrüstung und Helm (für den teilweise steinschlaggefährdeten Abstieg); evtl zusätzlich Seil, Gurt und Sicherungsmaterial.

Euch fehlt für diese Tour noch eine gute Berghose? Dann schaut Euch diese Modelle mal an.

Text von Günter Kast

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