Der Untersberg in Berchtesgaden ist nicht nur sagenumwoben, er hat seit ein paar Jahren auch einen sagenhaft schönen Klettersteig: Durch die Ostwand führt eine homogen schwierige und aussichtsreiche Ferrata.

Der Untersberg ist einer von neun Gebirgsstöcken in den Berchtesgadener Alpen und ragt am weitesten nach Nordosten ins Vorland hinaus. Im Vergleich zu seinen Nachbarn erscheint er eher unbedeutend: Auch der höchste Gipfel, der Berchtesgadener Hochthron, bleibt noch unter der 2000-Meter-Marke. Trotzdem ranken sich gerade um den Untersberg viele Sagen und Geschichten, bis dahin, dass Friedrich Barbarossa im weit verzweigten Höhlensystem des Untersbergs ruhen soll.

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Tatsächlich gilt seit einigen Jahren das Riesending im Untersberg als Deutschlands tiefste und längste Höhle. Mit den beiden bekanntesten Gipfeln Berchtesgadener und Salzburger Hochthron sieht der Untersberg besonders von Osten charakteristisch aus. Wie eine sehr lange und sehr steile Felsmauer wirkt er von hier. Eine Reihe von traditionellen Klettereien zieht sich durch die maximal 400 Meter hohe Wand – und seit 2007 auch ein sehr schöner Klettersteig.

Hochthron-Klettersteig – Berchtesgaden

Dieser Klettersteig hat es in sich.

| © Andreas Strauß

Die Schwierigkeiten liegen bei C und D, kaum einmal wird es leichter. Der Fotoquergang mit Paradeblick auf den Watzmann ist natürlich die bekannteste Stelle, aber auch vorher schon hat der Hochthron-Klettersteig mit Pfeiler und Genusswandl tolle Stellen zu bieten. Die zweite Hälfte legt bei den Schwierigkeiten etwas zu, sodass man sich nach dem Ausstieg am Berchtesgadener Hochthron ein kühles Getränk im nahen Stöhrhaus jedenfalls verdient hat.

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Die Tour

Berchtesgadener Hochthron, 1972 m - Hochthron-Klettersteig

Schwierigkeit: Klettersteig, schwer, C/D

Dauer: 7 ½ Std.

Höhenmeter: 1200 Hm

Der Hochthron-Klettersteig durch die Untersberg-Ostwand ist eine lange und schwierige Tour. Dafür gibt es ein umfassendes Erlebnis mit aussichtsreichem Gipfel.

Talort: Berchtesgaden, 571 m

Ausgangspunkt: Parkplatz Rossboden in Hinterettenberg, 770 m

Beste Zeit: Juli – Oktober

Hochthron-Klettersteig – Berchtesgaden

Ganz schön ausgesetzt: Genug Luft ist hier garantiert.

| © Andreas Strauß

Route: Vom Parkplatz folgt man der gesperrten Forststraße (Weg 466). Der Weg verläuft anfangs im Ludlgraben und führt dann mit einigen Serpentinen beständig bergauf. Er wird zum Fußweg und schlängelt sich durch den Wald bis ins freie Gelände. Über einen steilen Grasrücken zum Scheibenkaser (1440 m). Direkt an der Hütte rechts auf Steig nach Norden und durchs Kar teils über Wiesen, teils durch Felsschutt hinauf zum Anseilplatz in einer Felsnische am Wandfuß. Kurz links entlang zum Beginn des Klettersteigs, ca. 1580 m. Nach einem ersten mäßig schwierigen Aufschwung über den Pfeiler, das Genusswandl und die Schlucht (evtl. Altschnee) zum Fotoquergang. Es folgen Hanglschuppe und Raue Welt (Schlüsselstellen, C/D), schließlich gelangt man zum Wandbuch und nach zwei kurzen Aufschwüngen zum Ende der Versicherungen. Links haltend über einen Steig zum Gipfel. Im Abstieg auf dem markierten Weg nach Westen zum Stöhrhaus hinab und von dort nach Südwesten in eine kleine Scharte. Dort zweigt der Weg Richtung Hintergern und Ettenberg nach links ab. Nach zwei Serpentinen (beschildert) links, lange unter den Felswänden queren und so zum Scheibenkaser. Auf bekanntem Weg zurück.

ALPIN-Info: Berchtesgadener Hochthron-Klettersteig

Eine Tour für den Allrounder: Man braucht durchaus etwas Kondition für den Aufstieg, Technik und Kraft für 400 Höhenmeter Klettersteig (C/D) und Reserven für einen langen Abstieg. Dafür ist die Steiganlage sehr schön, der Ausblick perfekt und unterm Gipfel kann man am Stöhrhaus einkehren.

Hochthron-Klettersteig – Berchtesgaden

Fast geschafft: Der Ausstiegskamin.

| © Andreas Strauß

Info: Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee, 83471 Berchtesgaden, Tel. +49 8652 9670, berchtesgadener-land.com

Anreise: Mit dem Auto über die A 8 bis Grenzübergang Walserberg, dann über die A 10 Tauern-Autobahn und die B 305 nach Marktschellenberg und nach Hinterettenberg. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln: mit der Bahn nach Salzburg und dem Bus bis Marktschellenberg. (Hinterettenberg ist nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar.)

Hütte: Stöhrhaus, 1894 m, DAV, geöffnet Mitte Mai – Mitte Oktober, Tel. +49 8652 7233, stoehrhaus.de

Übersichtskarte

Übersichtskarte (Klicken Sie auf das Bild für eine Großansicht.)

| © alpin.de

Ausrüstung: Klettersteigausrüstung

Bergführer: Bergschule Berchtesgadener Land, Heinz Zembsch, Silbergstraße 25, 83483 Bischofswiesen, Tel. +49 8652 5371, berchtesgaden-bergschule.de; Bergschule Watzmann, Hubert Nagl, Am Forstamt 3, 83486 Ramsau, Tel. +49 8657 711, bergschule-watzmann.de

Literatur: Axel Jentzsch-Rabl, Dieter Wissekal, Andreas Jentzsch: Klettersteigführer Österreich, Alpinverlag, 2015.

Karte: AV-Karte, 1: 25 000, Blatt BY22, Bayerische Alpen, Berchtesgaden – Untersberg.

ALPIN-Tipp: Nördlich des Scheibenkaser gibt es einen kleinen Brunnen, der in der Regel auch im Sommer noch Wasser hat. Dort sollte man die Trinkflaschen auffüllen, denn sonst kann man sich erst wieder am Stöhrhaus versorgen.

Text von Andrea Strauß

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