Test: Schmale und leichte Tourenski haben einen besonderen Vorteil, sie sind pistentauglich.

Unser großer Skitest ist in diesem Jahr in zwei Teile gegliedert. Im ersten Teil testen wir die Tourenski, die in den letzten Jahren langsam, aber sicher immer breiter geworden sind. Noch vor wenigen Jahren galt ein Ski mit einer Mittelbreite von über 90 Millimetern als breit, heute ist das schon fast Standard. Heuer waren die Ski des ersten Testteils zwischen 88 und 95 Millimeter breit.

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Im zweiten Teil testen wir die Ski, die die abfahrtsorientierten Tourengeher ansprechen, also die Freetourer mit einer Breite zwischen 96 und 108 Millimeter.

Aber natürlich gibt es noch schmalere und vor allem leichtere Ski. Diese fallen mittlerweile durch unser Testraster, weil wir beim Skitest schwerpunktmäßig auf die Abfahrtseigenschaften der Ski achten. Doch besonders im Bereich der Pistentouren sind die Abfahrtseigenschaften nicht so wichtig, meist bewegt man sich auf präparierten Pisten oder pistenähnlich eingefahrenen Hängen.

Auf Pisten haben zu breite Ski deutliche Nachteile.

| © Birgit Gelder
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Die Tiefschneeeignung ist da kein entscheidendes Kriterium. In Bezug auf Abfahrtseigenschaften geht es bei den Ski zum Pistengehen eher um Griffigkeit auf harten Untergründen. Was aber vor allem zählt, sind ein geringes Gewicht und eine reduzierte Breite.

Skitouren-Vergnügen mit dem passenden Ski für die Bedingungen.

| © picture alliance / Udo Bernhart

Pistentouren finden häufig außerhalb der Betriebszeiten der Bahnen statt. Das heißt, die Pisten sind oft noch sehr hart (morgens) oder abgefahren (abends). Ein guter Kantengriff ist hier angenehm. Für den Aufstieg sollte der Ski wiederum nicht allzu breit sein.

Denn ein Aufkanten der Ski auf hartem Untergrund fällt mit breiten Ski deutlich schwerer. Je breiter der Ski, desto schwieriger ist es, ihn auf einer harten Traverse auf die Kante zu bringen. Quert man länger, spürt man das schnell in der Muskulatur des Schienbeins.

Ski mit einer Breite zwischen 80 und 88 Millimeter sind da ideal. Sie haben genug Fläche, um auch bei weicheren Bedingungen gut unterwegs zu sein, aber im Aufstieg lassen sie sich viel angenehmer gehen als sehr breite Ski. Und dass ein schmalerer Ski auch leichter ist, liegt auf der Hand.

Jetzt sind in den letzten Jahren die "normalen" Tourenski schon immer leichter geworden. Da kann man sich vorstellen, wie es um die hier vorgestellten schmaleren Ski beschaffen ist. Es gibt teilweise extrem leichte Modelle. So wiegt der Adret 81 von ZAG deutlich unter einem Kilo pro Ski.

Da hat man nicht mehr viel an den Füßen. Den sportlichen Aufsteiger freut es. Etwas schwerer als dieser sehr leichte Ski von ZAG war der Elan Ibex 84 Carbon XLT. Ein Ski, der auffällt. Dass hier Carbon ein wichtiger Baustein ist, sieht man auf den ersten Blick an der Optik.

Auch bei diesen Schneeverhältnissen reichen schmale Tourenski.

| © picture alliance / blickwinkel

Was Elan aber mit diesem Ski geschaffen hat, hat uns richtig überrascht. Der Ibex ist superleicht (2160 Gramm bei 170 Zentimeter Länge). Für dieses geringe Gewicht fährt sich der Ski wirklich toll. Wir waren mit den gesamten Ski zum Pistengehen am Ende der Saison auf der Zugspitze, bei Traum-Bedingungen (wie inzwischen oft am Ende der Saison).

Die Pisten perfekt präpariert, super Schnee, Bedingungen, bei denen ein Ski einfach funktionieren muss. Von daher hatte der Ibex Carbon ein leichtes Spiel. Was er dann aber an den Füßen der Tester in den Schnee zauberte, war wirklich toll für so ein Leichtgewicht.

Aber auch die meisten anderen Ski waren sehr gut unterwegs. Wie gesagt: Die Bedingungen waren wirklich super. Gemäß der Skibreite zeigten sich die Ski sehr wendig und agil. Auf der Kante konnten einige Ski richtig überzeugen, hier hatten wir lediglich mit dem Speedfit 84 von Dynafit Probleme. Was einige Ski nicht so gerne mochten, war eine höhere Geschwindigkeit.

Selbst ein Klassiker wie der K2 Wayback 82 hatte mit Speed so seine Nöte. Aber ganz klar, zum echten Schnellfahren sind die Ski auch nicht gemacht. Die hier vorgestellten Ski sollen all diejenigen ansprechen, die leicht und unbeschwert aufsteigen möchten, aber auch beim Abfahren noch ein Mindestmaß an Spaß erwarten.

Natürlich geht es auch noch leichter. Skitouren-Rennski wiegen zwischen (oft nicht mal) 700 und 800 Gramm. Allerdings muss man hier ganz klar sehen, dass es sich um Spezialski handelt. Mit einem Formel-1-Wagen fährt man auch nicht auf der Straße.

Teilnehmer an Skitourenrennen haben Spezialski, die nicht für den "normalen" Tourengebrauch gedacht sind.

| © dpa

Diese Ski sind kurz (selten länger als 160 Zentimeter) und schmal (in der Mitte so um die 65 Millimeter). Über die Dimensionen spart man schon mal Gewicht. Und dann verfügen sie natürlich über absoluten Leichtbau. Nur: Zum Skifahren sind diese Ski nicht mehr gemacht. Hier geht es darum, irgendwie runter zu kommen. Abfahrtsspaß kommt da keiner auf – was bei den Ski in unserer Übersicht durchaus anders ist.

Kommen wir zum Thema Bindungen. Wir haben natürlich einen ausführlichenTest der gängigen Bindungssysteme für Dich. Doch welche Bindung gehört auf die hier vorgestellten Ski. Konsequenterweise eine Pin-Bindung. Schließlich haben wir gewichtsoptimierte Ski getestet.

Und dann sollte man auch bei der Bindung auf das Gewicht achten. Ob da aber nun eine ganz leichte ATK, eine bewährte Dynafit oder eine etwas schwerere Fritschi Tecton drauf kommt, spielt weniger eine Rolle. Was nach unserer Meinung nicht sinnvoll für den normalen Tourengeher ist, sind Bindungen, bei denen man keinen Z-Wert einstellen kann.

Diese Bindungen sind zwar extrem leicht, bieten aber ein sehr eingeschränktes Maß an Auslösesicherheit und man muss sich über die vermeintlichen Folgen im Klaren sein. Genauso gehört an jeden Ski ein Rückhaltesystem, sprich eine Skibremse oder ein Fangriemen. Ganz ohne Rückhaltesystem unterwegs zu sein, ist sehr fahrlässig.

Zum einen ist die Gefahr den Ski zu verlieren deutlich erhöht. Zum anderen wird es ein teures Unterfangen, wenn durch einen Ski ohne Rückhaltesystem ein anderer Skifahrer verletzt wird. Fangriemen oder Skibremse muss jeder für sich entscheiden.

Welchen Typ von Tourengeher die Hersteller mit dieser Ski-Kategorie anvisieren, wird beim Blick auf den Preis deutlich. Vier der sieben vorgestellten Ski kosten ca. 500 Euro. Das ist für heutige (Ski-)Preise eher günstig.

Und wenn man jetzt noch in Betracht zieht, zu welchem Setpreis der Ski schlussendlich über die Ladentheke geht, sind die Preise noch interessanter. Da wird ganz klar die Einsteiger- oder Zweitski-Klientel anvisiert. Und wer mehr ausgeben möchte, findet auch Ski, die teurer sind und (vielleicht) etwas mehr können.

Fazit

Auch bei den sehr leichten Ski gibt es viele, die zum Runterfahren noch richtig Spaß machen. Für Pistentouren sind Breiten zwischen 80 und 88 Millimetern gut geeignet. Mit diesem Maß kann man dann auch schon in "echte" Skitouren reinschmecken. Und besonders bei Frühjahrsbedingungen bieten schmalere Ski mehr Vorteile als die ganz breiten Powderlatten.

Text von Olaf Perwitzschky

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