Bei den Skitouren-Bindungen gab es zuletzt viele Neuerungen. Wir haben sie getestet!

So haben wir getestet

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Mit insgesamt zwölf Testern haben wir an vier Testtagen die Tourenbindungen durch den Schnee gejagt. Bewertet wurde beim Praxistest vor allem der Bedienkomfort. Kraftschluss und Gewicht haben wir indoor auf Prüfstand bzw. Waage ermittelt. Die Z-Wert-Genauigkeit haben wir auf zwei unterschiedlichen Maschinen getestet, wobei wir in der Tabelle nur exemplarisch den Wert für die Frontalauslösung angeben.

Hier geht's zum Test der Skitouren-Bindung der Saison 2016/17!

Auslöse-Werte der Bindungen

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Wir haben für den Test der Skitouren-Bindungen auch die Z-Werte der Bindungen überprüft. Dazu wird ein vorher definierter Z-Wert auf der Bindung eingestellt. Der Z-Wert (auch Auslöse-Wert) errechnet sich aus den Nutzerdaten Körpergewicht, Körpergröße, Alter, Fahrkönnen und Sohlenlänge des Schuhs.

Wir haben die Z-Werte für Seit- und Frontalauslösung auf zwei Maschinen überprüft: hier die Wintersteiger im Einsatz.

| © Birgit Gelder

Der so ermittelte Wert wird an der Bindung eingestellt und dann auf der Maschine überprüft und funktioniert ganz ähnlich wie die Einstellung bzw. Überprüfung von Alpin-Bindungen.

Test Maschine Nummer zwei: die Montana-Maschine bei der Arbeit.

| © Birgit Gelder

Bei unserer Überprüfung der eingestellten Z-Werte haben wir mitunter massive Abweichungen gemessen. Bei einer ersten Prüfung haben wir auf einer Maschine von Wintersteiger (skitronic plus) gearbeitet. Da wir hier teilweise massive Abweichungen vom gemessenen Wert zum eingestellten Z-Wert erreichten, haben wir zur Validierung der Werte nochmal auf einer zweiten Maschine von Montana getestet.

Auch hier kam es zu massiven Abweichungen zwischen dem eingestellten und dem tatsächlichen Wert. Solange mittlere Werte auf der Z-Wert-Skala eingestellt sind (bei einer Skala von 4 bis 10 also in etwa 6 bis 8), hielten sich die Abweichungen meist im Rahmen. Geht man an die unteren oder oberen Grenzen der Werte der jeweiligen Bindung, werden die Abweichungen mitunter extrem.

Einfach zu bedienen sind alle Klapp-Steighilfen. Hier die der der Dynafit ST Rotation 10.

| © Birgit Gelder

15 Prozent nach unten oder oben sind nach Norm erlaubt (also eine Spanne von 30 Prozent). Wir haben in Spitzenwerten Abweichungen von über 70 Prozent (in eine Richtung!) gemessen. Das heißt für den Endverbraucher, dass der über die Z-Wert-Skala eingestellte Wert mit der Kraft, bei der die Bindung tatsächlich auslöst, je nach Bindungsmodell und Einstellung nichts zu tun hat.

Wir haben diese Werte nicht in die Bewertung der Bindungen einfließen lassen, da es für den Endverbraucher – egal welche Tourenbindung er benutzt – nur einen möglichen Weg gibt, um diesem Dilemma zu entkommen: Er MUSS seine Bindungen im Sportfachhandel auf einer Maschine einstellen lassen, wenn er einen halbwegs verlässlichen Auslöse-Wert haben möchte.

Der Z-Wert dieser Bindung ist dann auch NICHT auf andere Modelle übertragbar, auch nicht auf Bindungen des gleichen Herstellers.

Bindungen, die TÜV-zertifiziert sind, haben bei dieser Überprüfung besser abgeschnitten als die meisten anderen Bindungen. Allerdings hatten wir auch bei TÜV-zertifizierten Bindungen deutliche Abweichungen, besonders dann, wenn man sich am Randbereich der Z-Wert-Skala bewegt.

Fazit zur Einstellung / Auslösung

Jede einzelne Skitourenbindung MUSS vor der Nutzung auf einer Maschine eingestellt werden. Wird der Z-Wert nicht maschinell überprüft, besteht keine Auslöse-Sicherheit. Besonders im Grenzbereich der Z-Wert-Skalen der Bindung ist eine Nutzung ohne vorherige Überprüfung nicht empfehlenswert.

Besonders heikel sind dabei die unteren Z-Werte (je nach Bindung 3, 4 oder 5), weil Abweichungen meist nach oben auftraten und die Bindungen nach unten nicht weiter einstellbar sind.

Fazit

Die Steighilfen sind in Sachen Bedienung ein wichtiger Aspekt.

| © alpin.de

Wir haben uns mit der Bewertung der Bindungen wirklich schwer getan. Deshalb gibt es dieses Mal auch keine Testsieger. Irgendein Manko hat jede Bindung. Unter Einbeziehung der Ergebnisse der Auslöse-Werte hätten einige Bindungen schlechter abgeschnitten.

Die Bandbreite dessen, was man auf dem Markt bekommt, ist groß. Die ATK-Bindungen sind leicht, fast schon minimalistisch und die ATK Raider 12 (Gewichts-Tipp) lässt sich sehr gut bedienen.

Die Dynafit ST Radical Turn (Preis-Tipp) ist preislich interessant mit guten Basis-Funktionen. Die Fritschi Vipec Evo 12 (Allround-Tipp) kann alles gut, ist aber in keinem Bereich spitze.

In Sachen Bedienung kann der G3 ION 12 (Komfort-Tipp) keine das Wasser reichen. Und wer eine einfache und solide Abfahrts-Bindung sucht, ist mit der Marker Kingpin 10 (Abfahrts-Tipp) gut beraten. Die zweite Rahmenbindung (Fritschi Scout 11) ist eine unkomplizierte Bindung für jeden Einsatzzweck.

Unsitten!

Bei der Nutzung von Pin-Bindungen haben sich zwei "Unsitten" eingeschlichen, die der Sicherheit nicht zuträglich sind.

1. Alle Pin-Bindungen werden für den Aufstieg vorne verriegelt. Das heißt aber auch, dass sie für die Abfahrt NICHT verriegelt werden, sprich, der Hebel vorne wird nach dem Einsteigen mit dem Skischuh nicht hochgezogen. Eine verriegelte Bindung löst nicht aus!

2. Viele "Gewichtsjünger" meinen, auf Skibremsen (zwischen 60 und 80 g) verzichten zu müssen, um 1000 Hm 2,8 Sekunden schneller aufzusteigen. Was im Skitourenrennlauf passiert ist das eine. Für den Breitensport macht das überhaupt keinen Sinn.

Auch die Nutzung von Fangriemen ist lästig (z. B. beim Einsteigen) und bei einem Sturz schlagen einem die Ski um die Ohren. Daher: Bitte nur mit Skibremsen auf Tour gehen!

Jede Bindung braucht auch den passenden Ski

Text von Olaf Perwitzschky

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