Pin-Bindungen liegen seit Jahren im Trend! Manchmal meint man fast, die "alten" Rahmenbindungen seien völlig out. Dabei haben beide Bindungssysteme ihre spezifischen Vor- und Nachteile.

Besonders im Bereich der (semi)professionellen, ultraleichten Rennbindungen ist der Markt der Pin-Bindungen inzwischen sehr unübersichtlich. Allein Dynafit hat 15 verschiedene Modelle im Sortiment. Und auch der italienische Spezialist für besonders leichte Bindungen, ATK, hat zwölf Versionen zur Auswahl. Eine Übersicht oder gar ein Test scheint bei der Vielfalt fast unmöglich.

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Wir haben uns daher an ein übergeordnetes Kriterium gehalten: die TÜV-Zertifizierung. Für den normalen Skitourengeher halten wir das für ein sehr sinnvolles Feature, weil es ein Mindestmaß an Zuverlässigkeit garantiert. Denn besonders bei den Leichtbauweisen sind viele Modelle dabei, bei denen man im Falle eine Sturzes vor allem eines sollte: hoffen! Hoffen darauf, dass die Bindung aufgeht oder dass der Sturz so verläuft, dass man sich nichts tut.

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Gut gelöst: Die Steighilfen bei Marker sind einfach mit dem Stock zu bedienen.

| © Birgit Gelder

Nur um ein paar Gramm zu sparen, sollte man nicht seine Gesundheit aufs Spiel setzen. Natürlich gibt es bei den Bindungen, die nicht TÜV-zertifiziert sind, auch welche, die (relativ) zuverlässig auslösen. Aber man hat keine Garantie dafür. Die Dynafit Radical II, das Flaggschiff im Hause Dynafit, hat seit vergangenem Jahr eine Zertifizierung durch den TÜV. Vorher hatte diesen Anforderungsnachweis nur die Freeride-Bindung von Dynafit, die Beast.

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Wo wir beim Thema Gewichtsersparnis sind: Die Unsitte, ohne Rückhaltesystem, sprich ohne Skistopper und oft auch ohne Fangriemen unterwegs zu sein, ist absolut fahrlässig. Auf einem beliebten Südtiroler Skitourengipfel habe ich durchgezählt: Fast ein Drittel der Ski hatte weder Fangriemen noch Bremse, ein weiteres Drittel nur einen (windigen) Fangriemen, mit dem sich die Besitzer abmühten, um den Ski an den Fuß zu bekommen.

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Gut gelöst II: Das Harscheisen bei Fritschi lässt sich leicht anbringen.

| © Birgit Gelder

Das Risiko, den Ski zu verlieren, ist extrem hoch und es gab schon einige Bergungen aus Notlagen, weil ein Skitourengeher einen Ski verloren hatte. Sobald man Pisten berührt, sind Rückhaltesysteme vorgeschrieben. Wenn hier ein Unfall durch einen den Berg hinunterschießenden Ski passiert, der kein Rückhaltesystem hat, haftet der Verursacher.

Doch zurück zu unseren Testbindungen. Unter den Pin-Bindungen gibt es inzwischen drei Modelle, die eine TÜV-Prüfung haben: Das sind neben der oben erwähnten Dynafit Radical II die Fritschi Vipec und die Marker King Pin. Bei den Rahmenbindungen ist das einfacher: Da sind nämlich alle TÜV-konform.

Die Sache mit dem Drehpunkt

Ein entscheidendes Kriterium beim Gehkomfort von Tourenbindungen ist der Drehpunkt. Das ist der Punkt bzw. die Achse am Schuh, über die man den Schuh anhebt. Das Bestreben der Hersteller ist es schon lange, den Drehpunkt so nah wie möglich an die Zehen zu bekommen. Subjektiv ist es angenehmer mit einer Bindung zu gehen, bei der der Drehpunkt optimiert ist. Inwieweit das dann wirklich Kraft spart, ist zwar schon mehrmals erhoben worden, wissenschaftlich belegt ist da aber nichts.

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Das Hauptcharakteristikum jeder Skitourenbindung: Die Ferse lässt sich anheben.

| © Birgit Gelder

Bei den Pin-Bindungen ist der Drehpunkt in etwa gleich. Bei den Rahmenbindungen gibt es mitunter erhebliche Unterschiede. Fritschi hat mit der Diamir Eagle 12 eine Bindung am Markt, die einen optimierten Drehpunkt hat. Und auch Tyrolia und Hagan versuchen den Drehpunkt möglichst nahe an die Zehen zu bekommen, was sich in einer größeren Standhöhe bemerkbar macht.

Die Marker Tour F 12 ist die Bindung, die uns beim Gehen am wenigsten gefallen hat. Besonders der Fersenautomat fällt ins Gewicht. Und auch der Drehpunkt ist nicht optimal. Dafür ist die Marker aber die Bindung mit der besten Kraftübertragung beim Abfahren.

Und wie schlagen sich die Pin-Bindungen bei der Abfahrt? Die Dynafit Radical II ist besser als die alten Dynafit Tourenbindungen, vor allem wegen des Längsausgleichs und des Drehtellers vorne. Trotzdem sind die Fritschi Vipec und die Marker King Pin noch etwas besser. Die Fritschi hat am Heckbacken keine Drehauslösung, weil sie vorne auslöst und damit hat sie auch keine Kraftverluste durch Mitdrehen des Heckbackens. Und die Marker hat eine pistenbindungsähnliche Festigkeit besonders am Heckbacken, der auf den Sohlenrand greift und nicht mit den (schmalen) Pins arbeitet.

Welche für wen?

Wer eine einfach zu bedienende Bindung haben will, mit der er alles machen kann, greift zu einer Rahmenbindung. Die bietet den Komfort einer Pistenbindung bei einem Höchstmaß an Sicherheit. Wer gerne etwas schneller und länger unterwegs ist, der ist mit einer Pin-Bindung gut beraten. In Sachen Komfort und Handling muss man – je nach Modell unterschiedlich – leichte Abstriche im Vergleich zu Rahmenbindungen machen.

Text von Olaf Perwitzschky

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