Hans Conrad, Geschäftsführer von Sport Conrad, spricht über die Umsetzung von Nachhaltigkeit im Sport-Einzelhandel.

Welche Rolle spielt das komplexe Thema Nachhaltigkeit bei Sport Conrad?

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Bedingt dadurch, dass sich verschiedene Firmen wie etwa Patagonia oder Vaude schon lange mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen, ist das natürlich auch für uns so. Seit diesem Sommer ist Nachhaltigkeit bei uns im Haus noch wichtiger geworden. Es war auch das Hauptthema unseres Sommerkatalogs. Wir wollen einen Prozess beginnen, der enorm komplex ist. Aber irgendwo müssen wir ja anfangen. Das Thema wird bei uns die nächsten Jahre eine große Rolle spielen und immer mehr in den Betrieb implementiert werden.

Eure Mitarbeiter sind perfekt geschult, was passiert da hinter den Kulissen?

Unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nehmen an mehreren Verlaufsschulungen pro Jahr teil, zusätzlich gibt es von Firmen, die unser hauseigenes Nachhaltigkeitslogo „Wir denken um!“ erhalten haben, spezielle, auf das Thema Nachhaltigkeit ausgerichtete Schulungen. Das Thema Nachhaltigkeit ergänzt also die „normalen“ Produktschulungen. 

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Aufmacherseite aus dem EXTRA in ALPIN 08/2019.

| © www.alpin.de

Unsere Mitarbeiter wissen so nicht nur über die technischen Eigenschaften eines Produktes Bescheid, sondern auch wie es produziert wird, wie die Lieferkette aussieht, also wie nachhaltig das Produkt ist. Natürlich sind noch nicht alle unsere Lieferanten schon da, wo wir sie gerne hätten. Auch bei uns gibt es Mitarbeiter, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit noch nicht so sehr auseinandergesetzt haben. Andere, speziell die Jüngeren, brennen für das Thema.

Hast du das Gefühl, dass sich eure Kunden mehr als früher mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen und darauf achten, ob ein Produkt nachhaltig produziert wurde?

Ja, definitiv. Wir sehen das auch an den Verkaufszahlen der verschiedenen Hersteller, wie auch an Kundenzuschriften per Mail oder über Social-Media-Kanäle. Das ist heute ganz anders, als vor etwa 15 Jahren, als etwa Patagonia als erstes Unternehmen recycelte Produkte in sein Angebot aufgenommen hat. Da bestand damals kaum Nachfrage im Gegensatz zu heute. Der Kunde kauft heute deutlich bewusster ein und hinterfragt das auch bei uns in den Läden.

Schlägt sich dieses veränderte Kundenverhalten bei euch im Wareneinkauf nieder?

Ja, unser Logo „Wir denken um!“ sollte genau diesen Prozess anstoßen, dass wir als Einkäufer auch einen gewissen Druck auf die Unternehmen ausüben können, das Thema Nachhaltigkeit intensiver zu behandeln und mehr Produkte zu liefern, die nachhaltig produziert sind. Diese Produkte verkaufen wir besser, somit erhöhen sich auch der Einkauf und der Gewinn der von uns ausgezeichneten Firmen.

Das bedeutet, der Einzelhandel und somit auch der Konsument haben Einfluss auf eine nachhaltige Produktpalette?

Der Konsument wie der Einzelhandel können da durchaus etwas bewirken. Der Einzelhandel steht hierbei als Mittler zwischen dem Lieferanten und dem Kunden. Und diese Position können wir nutzen. Wenn mehr Einzelhändler wie wir aber auch Einkaufsverbände – etwa Intersport oder Sport 2000 – auf fair produzierte und nachhaltige Ware umsteigen würden, hätte der Kunde genau das, was er will. 

Und somit würde auch der wirtschaftliche Druck auf die Firmen größer, die sich zum Thema Nachhaltigkeit noch nicht so viele Gedanken gemacht haben. Diese Hersteller haben dann schlicht und ergreifend einen Wettbewerbsnachteil. Jeder Hersteller wird sich in Zukunft überlegen müssen, ob er auf dem Markt ohne Nachhaltigkeitsprogramm noch erfolgreich sein kann.

„In Bezug auf Nachhaltigkeit haben wir einen weiten Weg vor uns. Wie bei jedem Weg, ist der erste Schritt der wichtigste. Und irgendwann ist das Ziel hoffentlich erreicht.“ Hans Conrad, Geschäftsführer von Sport Conrad.

| © Birgit Gelder

Sport Conrad hat auch einen Online-Versand. Wie sieht das aus mit dem Verpackungswahnsinn, der Zustellung der Waren, den Rücksendungen?

Der Online-Handel ist ökologisch gesehen ein Desaster. Das muss man ganz klar sagen. Der CO2-Footprint eines Artikels, der über den Hersteller zu uns, von uns weiter zum Kunden geht, und eventuell vom Kunden wieder zurück an uns ... das ist eine Katastrophe. 

Über 30 Seiten alles zum Thema Nachhaltigkeit und Bergsport: unser EXTRA in ALPIN 08/2019.

| © ALPIN

Aber das Rad kann man nicht mehr zurückdrehen. Man kann nur versuchen, den Impact so gering wie möglich zu halten. Das betrifft natürlich auch die Umverpackungen. Oftmals sind Produkte, die wir von den Lieferanten bekommen, in Einwegfolie geschweißt, jeder Reißverschluss ist extra mit Plastik umwickelt ... 

Das ist aber auch Teil des von uns angestoßenen Prozesses „Wir denken um!“ Dass wir mit unseren Lieferanten ins Gespräch kommen und gemeinsam versuchen Verpackungsmüll möglichst gering zu halten. Was Rücksendungen betrifft, muss sich der Konsument aber auch an der eigenen Nase packen. Da können wir nur aufzeigen, was es bedeutet, wenn bestellte Ware wieder zurückgeht. Aber das werden wir wohl oder übel aushalten müssen.

Sehr wichtig ist mir, dass sich keiner von uns aus dem Thema Nachhaltigkeit raushält ­- egal ob Kunde, Händler oder Hersteller. Der erste Schritt ist immer der wichtigste, man muss sich auf den Weg machen und zwar jetzt.

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