In unserer Rubrik "Kontrovers" geht es dieses Mal um die Natur und deren Artenvielfalt. Wie seht Ihr als Bergsportler Eure Rolle bei diesem Thema? Hier das Ergebnis unserer Umfrage.

Obwohl die Eintragungsfrist offiziell erst am Mittwoch, 13.02. endete, erreichte das Volksbegehren "Rettet die Bienen!" bereits einen Tag zuvor die benötigte Stimmenanzahl

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Über zehn Prozent der Stimmberechtigten in Bayern trugen sich demnach für die Änderung des bayerischen Naturschutzgesetzes zugunsten der "Artenvielfalt und Naturschönheit in Bayern" ein.

Im Zusammenhang mit dem Volksbegehren gibt es viele Disskussionen. Agnes Becker, Beauftragte des Volksbegehrens "Rettet die Bienen!" und stellvertretende Landesvorsitzende der ÖDP erklärt welche Bedeutung das Volksbegehren aus ihrer Sicht für den alpinen Raum hat:

"Bergwiesen und weitere Flächen im alpinen Raum sind vom Artensterben betroffen solange sie landwirtschaftlich genutzt werden. Darüber hinaus können die zahlreichen Biotope im alpinen Raum ein wertvoller Teil des Biotopverbundnetzes werden, das wir mit unserem Gesetzentwurf schaffen wollen. Gerade der alpine Raum ist für die Artenvielfalt und das Überleben von vielen bedrohten Pflanzen- und Tierarten besonders wichtig und verdient größte Beachtung."

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Was blüht denn da (noch)? Artenbestimmung am Brauneck.

| © DAV/Hans Herbig

Journalistin, Naturschützerin und Autorin Margarete Moulin ist sehr entschieden der Meinung, Bergsportler wären nicht ganz unschuldig an der ökologischen Krise und somit auch am Artensterben: 

"Versagt hat nicht nur die Politik. Versagt hat auch die Mitte der Gesellschaft, die diese Entwicklung seit Jahren erschreckend tatenlos und unpolitisch begleitet. Und darunter ist auch eine Gruppe, die die Natur zwar gerne nutzt, aber wenig für ihren Schutz tut: Ihr Bergsportler!" 

Und weiter: "Der gemeine Bergsportler kann mehr Skibindungsmarken oder Jackenlabels aufzählen als heimische Vogel- oder Insektenarten. Die Präsenz von Natur empfindet er als selbstverständlich und verschläft darüber ihre Verteidigung. Mehr noch: Er delegiert sie."

Hier findet ihr die Streitschrift von Margarete Moulin in kompletter Länge. 

Wir grün sind wir Outdoorsportler wirklich? Das sagt Ihr dazu!

In diesem Zusammenhang haben wir Euch gefragt, ob wir Outdoorsportler eventuell eine verschobene Selbstwahrnehmung haben, wenn es um das grüne Gewissen geht? Sind wir echte Naturliebhaber oder schnöde Egoisten und Selbstdarsteller? Sollten wir unsere Einstellung überdenken oder weitermachen wie bisher?

Knapp 60 Prozent von Euch möchte die Konsequenzen des eigenen bergsportlichen Handels zukünftig genauer überdenken. Dazu gehört auch, Fernziele zum Klettern oder Skitourengehen auf ein Minimum zu reduzieren.

Gut 40% können hingegen folgenden Satz unterschreiben: Mein Reise-Verhalten beeinflusst sicher nicht das Insektensterben – da sollten doch eher Politik & Wirtschaft Vorbilder sein. Stichworte: Flächenfraß und Versiegelung!

Sämtliche abgegebenen Kommentare findet Ihr - wie immer - unterhalb des Artikels. Hier eine redigierte Auswahl:

Christoph: Frau Moulin hat im Wesentlichen recht. Für Umweltschutz ist fast jeder, aber sobald das persönliche Mühen oder gar Einschränkungen zur Folge hätte, ist Feierabend. Im Winter zum Klettern nach Griechenland oder Teneriffa, im Sommer zum Skifahren nach Chile, dank Billigflügen alles kein Problem.

Felix: Ich bin mir durchaus bewusst, dass ich mit meinen Wochenendfahrten von Nürnberg in die Alpen einen recht hohen carbon footprint hinterlasse. Andererseits wäre es realitätsfremd, zu erwarten, dass ich z.B. auf den ÖPNV zurückgreifen könnte - da bin ich ja länger unterwegs, als dann auf Bergtour. Soll/Muss ich daher auf meine Leidenschaft Berge größtenteils verzichten? Darf ich deswegen guten Gewissens nur noch ein oder zweimal im Jahr in die Berge fahren und dann gleich für eine ganze Woche, damit es sich lohnt? Am besten mit dem Fahrrad? Ich denke nicht.

Murmel: Autark - ja oder nein, das ist für mich eher die Frage nach dem ökologisch bewussten Bergsportler. Beinhaltet meine Tour Skilifte, Seilbahnen, Tunnel u.Ä., dann bin ich nicht autark unterwegs, da ich maschinelle Unterstützung benötige, um mein Ziel zu erreichen. Der autarke Bergsportler hingegen verzichtet auf man-made Technik/Gehhilfen. Gleiches gilt für mich im Übrigen auch für bewirtschaftete Berghütten. Wer sich selber nicht versorgen kann, fällt meiner Meinung nach aus dem grünen Bereich.

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18 Kommentare

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Florian

Die teilweise sehr einleuchtenden Gedanken von Margarete Moulin treten leider vollkommen in den Hintergrund, da sie in eine Aneinanderreihung von inhaltsleeren und pauschalen Diffamierungen einer doch sehr inhomogenen Gruppe - der Bergsteiger - eingerahmt sind. Grundsätzlich ist es jedoch richtig dass sich hier jeder selbst hinterfragen muss. Ein kleiner Schritt wäre es schon mal, wenn sich alle an die Mindestanforderungen des DAV (Auf den Wegen bleiben, Müll wieder mitnehmen, etc.) halten würden.

Manfred

Beide Antworten sind nicht wirklich passend für mich. Ich begebe mich zwar nicht auf fernreisen zum Wandern aber dennoch sehe ich es als. Meine Pflicht die Umwelt zu schützen und Verantwortung zu übernehmen... Dies fängt beim Einkaufen sowie im eigenen Garten an und hört beim bergwandern auf.

Anonymer User

Jeder sollte sich bezüglich des Umweltschutzes an der eigenen Nase fassen. Wir wollen alle einen lebenswerten Planeten und sollten auch unseren Beitrag dazu leisten. Sicher klappt das nicht immer, aber es bringt schon viel die eigenen Verhaltensweisen zu überdenken und zu hinterfragen.

Anonymer User

Die Frage ist nicht besonders gut, da beides zutrifft.

Monika Teusch

Ich plädiere schon länger dafür, das Freizeitverhalten zu überprüfen. Muss es immer der Fernwanderweg in Australien sein? So lange wir bedenkenlos mit dem Auto zum Freizeitvergnügen fahren, so lange wird sich kaum etwas ändern. Die Auswirkungen scheinen ja so weit weg. Allerdings tragen die Medien ihren Teil dazu bei. Schaue ich mir die Angebote an, so ist kaum eines dabei, das mit ÖV erreichbar ist. "Nach mir die Sintflut" scheint immer noch das Motto vieler Freizeitsportler zu sein.

Murmel

Autark - ja oder nein, das ist für mich eher die Frage nach dem ökologisch bewussten Bergsportler. Beinhaltet meine Tour Skilifte, Seilbahnen, Tunnel u.Ä., dann bin ich nicht autark unterwegs, da ich maschinelle Unterstützung benötige, um mein Ziel zu erreichen. Der autarke Bergsportler hingegen verzichtet auf man-made Technik/Gehhilfen. Gleiches gilt für mich im Übrigen auch für bewirtschaftete Berghütten. Wer sich selber nicht versorgen kann, fällt meiner Meinung nach aus dem grünen Bereich. Das würde die Berge nicht unangetastet lassen (Wintersport, MTB), doch es wäre wieder ein großer Schritt in diese Richtung.

Anonymer User

Beide Fragen kann ich so nicht beantworten. Eine pauschale Verurteilung der Bergsportler halte ich auch für unangemessen. Es gibt wie immer solche und solche. Die Zahl derer, die unsere alpine Natur aber mehr als Mittel zum Zweck sehen hat sicherlich deutlich zugenommen, die Achtlosigkeit vor ihr auch. Allein der Müll auf Wanderwegen spricht hier eine deutliche Sprache. Die immer intensivere Nutzung von Bikes in den Bergen ist für mich inzwischen grenzwertig, eine Lösung -denn von Verboten halte ich nichts- sehe ich nur in mehr Aufklärung, was man mit seinem „Gerät“ in der Natur auch anrichten kann.

Anonymer User

Die Frage ist nicht besonders gut, da beides zutrifft.

Anonymer User

Mit nur 2 Antwortmöglichkeiten, ist mir das gezeichnete Bild eindeutig zu schwarz-weiß gezeichnet. Ich denke vielen Menschen sind die Auswirkungen ihres Handelns bewusst. Trotzdem ändern sie nichts daran. Das liegt daran, dass die Auswirkungen meist nur indirekt wahrzunehmen sind, es einen gefühlten Einschnitt in die Lebensqualität bedeutet und teilweise wirklich Zwänge des Systems eine Änderung des Handelns erschweren.
Ein Wertewandel ist hier notwendig. Weg von der individualistischen Selbstdarstellung, hin zu Selbsterfahrung und Gemeinschaftserlebnis. Mit ein bisschen Kreativität und Willen zeigen sich nämlich doch oft gangbare und zufriedenstellende Optionen dar. Trotzdem ist auch die Politik und die Wirtschaft in der Verantwortung. Einerseits weiter an einer Bewusstseinsbildung zu arbeiten. Andererseits Rahmenbedingungen für eine gemeinwohlorientierte und nicht zum Selbstzweck verkommene Wirtschaft zu bieten. Mit wirtschaftlichen Zwängen zu argumentieren, ist in meinen Augen nicht zielführend. Unser (neoliberales) Wirtschaftssystem ist von Menschen erfunden und kein Naturgesetz. Somit ist es auch möglich, dieses Wirtschaftssystem umzugestalten und an die Bedürfnisse von Mensch und Natur anzupassen!

Anonymer User

Jeder muss sein Verhalten hinterfragen und schauen was man besser machen kann. Sicher ist das Handeln des Einzelnen nur ein kleiner Teil des Gesamten, was den Umweltschutz ausmacht. Aber wenn jeder denkt, dass man allein nichts tun kann, macht es natürlich doch etwas aus. Es gibt viele Möglichkeiten sein Verhalten und Handeln umweltverträglicher zu gestalten, ohne sein Leben komplett umkrempeln zu müssen.

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