Fleece-Bekleidung aus Holz, „transparente“ Schuhe und Wachs gegen eindringendes Wasser – die Industrie forscht und nutzt dabei intensiv die Kräfte der Natur.

Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass sich die Outdoor-Hersteller dem Thema Nachhaltigkeit verpflichtet haben. Und das, obwohl sie eher kleine Verarbeiter von Textilien, Stoffen und Materialien sind. 

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Doch nicht erst seit Greenpeace 2012 auf die Missstände in Sachen Fluor-Kohlenstoffverbindungen (PFC) hingewiesen hat, ist der Trend zu grüneren Materialien (z. B. PFC-freie Membranen und wasserabweisende Ausrüstungen), höherem Recycling-Anteil (PET-Flaschen oder Pastikmüll als Rohstoff für Garne und Füllungen), fairer und sauberer Produktion (umweltfreundlichere Chemikalien, einheitliche Produktions-Standards für Daunen oder Merino-Wolle) ungebrochen.

Schützt Umwelt und Körper

© marmot.com
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So schnell, robust und umtriebig, wie sich die namensgebenden Murmeltiere in der alpinen Welt bewegen, ist auch der Anspruch von Marmot an die eigenen Produkte. Das sieht man zum Beispiel in der neuen EvoDry-Technologie der Kalifornier, die nicht nur den Körper schützen soll, sondern auch die Umwelt. So besteht zum Beispiel das Eclipse Jacket aus recyceltem, sehr strapazierfähigem Nylon-Material und ist vom Reißverschluss bis zur Imprägnierung 100% PFC-frei. Dabei ist die Jacke atmungsaktiv, und hat 20.000 mm Wassersäule. Besonders schlau: Die Imprägnierung ist direkt ins Garn eingearbeitet, ein lästiges Nachimprägnieren entfällt daher. Eclipse Jacket, 270 Euro marmot.com

Ein transparenter Schuh

© aku.it

Welchen Einfluss hat ein Schuh auf die Umwelt? Aku hat sich dieser Frage von den Rohmaterialien u¨ber die Produktion, den Verkauf bis hin zur Entsorgung des ausgedienten Schuhs gestellt und dabei versucht, jeden Prozessschritt zu optimieren. Beim Bellamont Plus kann man diese komplett zurückverfolgen. 99% der Materialien des transparenten Outdoor-Schuhs stammen aus Europa. Das Leder ist chrom- und schwermetallfrei, die Schnürung besteht aus natürlicher Baumwolle und die Laufund Zwischensohlen enthalten Recyclingmaterial. Bellamont Plus, 169,90 Euro aku.it

Ein halbes Jahrhundert

© fjallraven.de

Nicht alle grünen Trends sind neu! Fjällräven Gründer Åke Nordin entwickelte schon 1968 ein extrem robustes Material, mit dem man Berge besteigen und Holz hacken konnte: das G-1000. Er imprägnierte es mit natürlichem Wachs, dem Greenland Wax. Beides ist heute noch Basis der Fjällräven-Kollektion. Wie in der Keb-Hose (65% recyceltes Polyester, 35% Bio-Baumwolle), die strapazierfähig ist und viel Bewegungsfreiheit bietet. Sie ist anatomisch geformt, die Nähte sind verstärkt, das Material teils doppellagig. Dazu gibt es praktische Ventilationsöffnungen sowie Taschen – alles natürlich ausgerüstet mit nachimprägnierbarem Greenland Wax! Keb Trousers, 219,95 Euro fjallraven.de

Bewusst für den Nachwuchs

© deuter.com

Der Kikki von DEUTER ist ein Renner bei den Kleinen ab 3 Jahren. Keine Kleinigkeit hingegen ist seine bluesign-Zertifizierung (siehe S. 19). Bei Hartware, die aus vielen Einzelteilen besteht (der Kikki kommt mit einem erwachsenen Rückensystem), ist die Implementierung der strikten Kriterien besonders komplex. Auch schön: Die Kikkis sind komplett PFC-frei. Kikki, 44,95 Euro deuter.com

Marke mit Mission

© maier-sports.com

2012 feierte das Traditionsunternehmen Maier Sports sein 75-jähriges Bestehen und startete die „Mission Clean Function“. Mit dem Ziel, „die Umwelt und die Natur nachhaltig zu schützen.“ Seit 2011 ist man Mitglied der Fair Wear Foundation und setzt ohnehin auf lange Produktlebenszyklen. Kein Wunder, dass die Schwaben freiwillig 5 Jahre Garantie auf Verarbeitung und Material geben. Außerdem haben sie sich verpflichtet, bis 2020 komplett PFC-frei zu sein. Bei den elastischen Funktionshosen haben die Hosen- und Passform- Spezialisten ihr Ziel schon erreicht. Die bequeme Nil Plus glänzt mit toller Passform, robusten Einsätzen an Gesäß wie Beinabschlüssen und leichtem Material, das besonders schnell trocknet. Kurzum: eine vielseitige Hose. Nil Plus, ab 129,95 Euro maier-sports.com

Ein hundertprozentiges Statement

© jack-wolfskin.de

Eine Million Plastikflaschen werden weltweit pro Minute verkauft. Über 90% davon enden auf Deponien oder im Ozean. In der Herbstkollektion von Jack Wolfskin steckt mit 1.034.498 PET-Flaschen also eine globale Plastikflaschen-Minute. So viel Einsatz brauchen die Hessen, weil sie als erster Bekleidungshersteller mit ihrer Texapore- Ecosphere-Linie Membranjacken entwickelt haben, deren Textilien komplett aus recyceltem Material bestehen. So sind Membran, Oberstoff und Futter der schicken 2-Lagen-Jacke Newport zu 100% recycelt und zu 100% frei von PFC. Die Texapore- Ecosphere-Membran ist wind- sowie wasserdicht (20.000 mm Wassersa¨ule) und angenehm atmungsaktiv. Newport Jacket, 169,95 Euro jack-wolfskin.de

Komfort aus Holz

© vaude.com

Als grüner Vorreiter in der Outdoor-Branche setzt Vaude eine Vielzahl von Naturmaterialien in den unterschiedlichsten Produkten ein, vom Reisetrolley bis zum T-Shirt. Die bequeme Sport-Tights aus der Green Core Linie – dem Herzstückder Kollektion – eignet sich für Wandertouren genauso wie für Yoga-Einsätze und besteht aus recyceltem Polyamid, Merinowolle und Holz. Letzteres in Form der Tencel-Faser, einer natürlichen Zellulosefaser, die aus Eukalyptusholz gefertigt wird. Tencel hat eine ausgezeichnete Ökobilanz, weil das Holz sehr schnell wächst und keine künstliche Bewässerung benötigt – ganz im Gegensatz zur Produktion von Baumwolle. Green Core Tights, 75 Euro vaude.com

Ausgezeichneter Gerber

© lowa.de

Der Tegernsee ist nicht nur eine schöne Region, sondern auch ein Schuhmodell des bayerischen Bergschusters Lowa. Der bequeme Reiseschuh im Retro-Style nutzt Terracare, ein Leder der Gerberei Heinen, die in Sachen ressourcenschonender und umweltverträglicher Verarbeitung seit Jahren federführend ist. Die Traditionslederfabrik verwendet ausschließlich deutsche Rohware, achtet auf optimale Nutzung mit minimalem Energieaufwand und CO2-Ausstoß und außerdem darauf, ein guter Arbeitgeber zu sein: Denn die Industrie- und Handelskammer kürte die vielfach umweltausgezeichnete Firma Heinen auch zum besten Ausbildungsbetrieb Deutschlands. Tegernsee, 199,95 Euro lowa.de und terra-care.de

Grüner Münchner

© triple2.de

Matthias Dreuw gründete die kleine Münchner Marke Triple2, nachdem er als Testredakteur einer Bike-Zeitschrift unzählige Bekleidungsstücke in Händen hielt oder am Körper hatte – und sich dachte: „Das müsste doch auch ökologischer gehen.“ So startete er seine Marke als grünes Label für Bikewear, führt aber inzwischen auch eigene Outdoor-Produkte wie zum Beispiel das Kapp Merino Storm Hoodie, das geschickt feine Merinowolle mit recyceltem Polyester kombiniert. Kapp Merino Storm Hoodie, 139,95 Euro triple2.de

Klimaneutrale Jacke

© bleed-clothing.com

Membranen halten trocken, belasten bislang aber die Umwelt, da sie aus PTFE bestehen. Sympatex strebt schon lange nach wasserdichten und umweltfreundlichen Lösungen. Ihre Membran ist nicht nur recycelbar, sondern auch PTFE- und PFC-frei, weil sie nach einem chemisch- physikalischen Prinzipfunktioniert. Zudem hält die Marke ihre gesamte Membran-Jahresproduktion klimaneutral und unterstützt auch ihre Kunden darin: wie die deutsche Öko-Marke Bleed Organic Clothing, die den CO2-Ausstoß der Lieferkette ihres Rain Shell Jackets errechnet hat und das Äquivalent an Waldschutzprojekte spendet. Rain Shell Jacket, 260 Euro, bleed-clothing.comsympatex.com

Doppelt hält besser

© hagloefs.com

Zur OutDoor-Messe 2018 gab Membran-Spezialist Gore bekannt, den ersten Meilenstein erreicht zu haben, „um bis zum Jahr 2020 ökologisch bedenkliche PFCs aus dem Lebenszyklus der überwiegenden Zahl ihrer Outdoor-Laminate zu beseitigen“. Dieses Ziel hatte Gore 2017 ausgegeben. So gelang es für 2019, mit exklusiven Partnern wie Haglöfs zweilagige Jacken zu präsentieren, deren Imprägnierung ohne ökologisch bedenkliche PFCs auskommt. Außerdem sind diese Jacken doppelt umweltfreundlich, bestehen ihre Gore-Tex-Laminate in der äußeren Textillage doch aus recyceltem Material. Merak Jacket, 280 Euro hagloefs.comgoretex.com

Zurück zur Farm

© devold.com

Die Hiking-Bekleidung von Devold besteht aus 100% Merinowolle. Besonders fein ist dabei Devolds Sheep-to-Shop-Konzept, mit dem die Norweger garantieren, die gesamte Produktion zu kontrollieren: Vom Scheren der Schafe über das Kämmen, Spinnen, Färben und Nähen (in Europa) bis hin zum Fachhändler. Die leichte und weiche Hiking-Kollektion isoliert gut und ist atmungsaktiv. Praktische Mesh-Einsätze helfen zusätzlich bei der Belüftung. Dank eines körpernahen Schnitts und flacher Nähte ergibt sich ein hoher Tragekomfort. Praktisch, denn die Kollektion passt zu allen Jahreszeiten. Hiking Woman Long John, 70 Euro devold.com

Made in Austria

Seit der Firmengründung am Standort Mondsee verankert, ist Komperdell eine fixe Größe hinsichtlich Arbeitsplätzen und langfristigen Arbeitsverhältnissen. Auch langjährige Partnerschaften mit Kunden und Lieferanten sind Bestandteil der Firmenphilosophie. Als inhabergeführter Familienbetrieb steht die nachhaltige Wirtschaftlichkeit über kurzfristigen Renditen und Aktiensteigerungen. 

Als inhabergeführter Familienbetrieb steht die nachhaltige Wirtschaftlichkeit über kurzfristigen Renditen und Aktiensteigerungen. Daher werden auch große Teile des Umsatzes in den Betrieb reinvestiert. Komperdell folgt nicht dem Trend der Umweltsiegel. 

Die Firma ist sich aber bewusst, dass Outdoorsportarten von einer intakten Natur abhängig sind. Komperdell produziert 100% aller Stöcke in Mondsee. Die Umweltauflagen sind in Österreich wesentlich strenger als beispielsweise in Asien. So sind alle verwendeten Lacke auf Wasserbasis und die Stockverpackungen aus Karton. Auf das Einschweißen in Polybeutel wird bis auf Ausnahmen verzichtet.

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