Jedes Jahr präsentieren uns die Hersteller neue Sicherungsgeräte zum Klettern. Dabei gibt es schon so viele. Wir haben uns drei Neuheiten der Saison genau angesehen.

Tabelle Sicherungsgeräte
Klicken Sie auf das Bild für eine Großansicht. | © Birgit Gelder
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Es ist eigentlich unglaublich: Auf dem Markt findet sich schon eine Vielzahl von Sicherungsgeräten und doch scheint das perfekte (noch?) nicht dabei zu sein. Auf den Messen präsentieren die Hersteller jährlich neue Sicherungsgeräte. Oftmals sind es ähnliche Formen und Versionen von bestehenden Systemen, manchmal aber auch geniale neue Ansätze oder Ideen.

Auf der Outdoor im Sommer 2014 wurden fünf neue Sicherungsgeräte vorgestellt. Zwei davon sind bis Redaktionsschluss noch nicht erhältlich gewesen. Edelrid wird das Jule² im Zuge der aktuellen Diskussion nochmal komplett überarbeiten und DMM konnte den vorgestellten Klapp-Tuber noch nicht liefern. Wir haben uns die anderen drei Modelle vorgeknöpft und waren damit intensiv klettern und sichern und abseilen und eisklettern und …

Das Schöne an den drei Geräten: Es sind komplett verschiedene Ansätze. Salewa präsentiert mit dem Ego Belay ein Gerät, das nicht nur optisch ein Zwitter zwischen Smart (Mammut) und Click Up (Climbing Technology) ist. Camp hat mit dem Matik eine Zielgruppe im Visier, die bisher eher zum GriGri gegriffen hat. Climbing Technology möchte mit dem Be Up eine Tuber-Version etablieren, die zum Sichern im Vorstieg, im Nachstieg und zum Abseilen geeignet ist.

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Der Sportkletterer - Matik von Camp

Camp Matik
Das Seileinlegen ins Matik von Camp ist anders, als man es von anderen halbautomatischen Geräten kennt. | © Birgit Gelder

Das Matik von Camp ist ein recht schwerer Halbautomat, wie es ihn (in Form des GriGri) in ähnlicher Form schon sehr lange gibt. Das Matik ist edel verarbeitet und soll gegenüber dem GriGri (genau GriGri II) einige Vorteile haben. Laut Camp wird das Seil beim Matik nicht so punktuell abgequetscht, wie es beim GriGri der Fall ist. Daher ist das Gerät unterm Strich seilschonender, was sich besonders beim häufigem Topropen bemerkbar machen sollte. 

Darüber hinaus hat das Matik eine Panik-Funktion. Denn beim GriGri ist es schon einige Male vorgekommen, dass der Ablasshebel von unerfahrenen Sichernden durchgerissen wurde, um den Kletterer beim Ablassen zu stoppen. Damit erreicht man beim GriGri aber genau das Gegenteil, der Kletterer rauscht fast ungebremst durch. Tut man selbiges beim Matik, wird die Ablassfunktion gestoppt und das Gerät blockiert. 

Beim Sichern ist das Matik von der Bewegung her einem Tuber sehr ähnlich. Man muss beim Seilausgeben in einer halbkreisförmigen Bewegung mit der Bremshand das Bremsseil freigeben (natürlich ohne die Bremshand vom Seil zu nehmen) und mit der Führhand herausziehen. Das funktioniert sehr gut, solange die Seile eine Dicke von etwa 9,6 Millimeter nicht überschreiten. Mit dicken Seilen macht das Matik keinen Spaß.

Ein Detail, das nicht ganz optimal ist, ist das Seileinlegen. Hier muss man wie eigentlich bei allen Geräten die Gebrauchsanleitung (GAL) lesen. Das gilt vor allem für ehemalige GriGri-User. Denn beim Matik wird das Seil in einer Schlaufe durch das Gerät gesteckt und dann um den Bremsnocken gelegt. Man kann theoretisch das Seil aber auch um den Nocken legen, ohne es vorher durch das Gerät zu führen. Das Gerät lässt sich so auch schließen, allerdings hängt es schon recht merkwürdig da.

Der alpine Allrounder - Be Up von Climbing Technology

Be Up von Climbing Technology
Das Be Up von Climbing Technology ist ein dynamischer Tuber, der vor allem für den Einsatz in Mehrseillängenrouten gemacht wurde. | © Birgit Gelder

Das Be Up ist ein Tuber, den es vom Prinzip her schon vielfach gibt (Black Diamond, ATC, Guide …). Allerdings hat CT genau hingesehen und an Details gearbeitet. Durch eine längere Vorderseite (die Seite, in der die Bremsschlitze sind) soll sich Seil schneller ausgeben lassen, ohne zu verkrangeln. Auch die Befestigung bzw. Aufhängung für den Guide-Modus (nachsichern am Stand) ist neu. Es ist keine geschlossene, sondern eine offene Öse. So kann man das Gerät auch in einem Karabiner mit Verschlusssicherung noch verdrehen.

Die Lösung, um im belasteten Zustand Seil auszugeben, ist hingegen nicht neu, das findet man schon an anderen Geräten. Dazu wird ein Karabiner in eine kleine Öse eingehängt, mit der dann der Tuber gekippt und die Auto-Block-Funktion somit aufgehoben wird. Das Seilausgeben funktioniert tatsächlich sehr leicht. Wer Seil rauszieht und nicht reinstopft, kann die Bremshand sogar unter dem Gerät lassen und muss sie nicht wie sonst meist üblich zum schnellen Ausgeben nach oben führen.

Zum Sportklettern ist das Gerät nicht gemacht, es kann aber natürlich genau wie die meisten anderen Tuber dafür verwendet werden – mit den inzwischen bekannten Schwachpunkten.

Der Zwitter - Ergo Belay von Salewa

Ergo Belay von Salewa
Die Grundposition beim Sichern mit dem Ergo Belay von Salewa: Die Bremshand ist unter dem Gerät und hat Kontakt zur "Nase". | © Birgit Gelder

Das Ergo Belay von Salewa ist schon optisch ganz klar ein Zwitter zwischen Smart und Click Up. Es hat die "Nase" vom Smart und die Bauform vom Click Up. Nur clickt es nicht, wenn es blockiert. Das Ergo Belay ist ein einfaches und schnell zu begreifendes Sicherungsgerät. Ein Vorteil ist der, dass man das Seil nicht komplett verkehrt einlegen kann, also so, dass es zu einem Totalversagen des Gerätes kommen kann.

Mindestens die Bremswirkung eines normalen Tubers ohne Bremsschlitze hat das Ergo immer (genau wie das Click Up). Das Seilausgeben funktioniert mit den meisten Seilen sehr gut. Lediglich wenn die Seile mal zehn Millimeter überschreiten und steif sind, wird es hakelig. Das beste am Ergo ist aber die Ablassfunktion. Auch oder gerade weil es keine Hebel gibt, ist das Ablassen einfach und kann sehr gut dosiert werden. Es macht richtig Spaß, einen Kletterer mit dem Ergo abzulassen. Man muss das Gerät nur leicht von sich wegschieben und die Bremshand am Seil halten und schon hat man die totale Tempokontrolle. 

Die vom Smart übernommene Nase hätte etwas größer ausfallen können. Zum (schnellen) Seilausgeben muss man mit der Bremshand das Gerät leicht aufkippen und kann dann mit der Führhand Seil aus dem Gerät herausziehen. Wer die "Stopfvariante" bevorzugt, also mit der Bremshand Seil ins Gerät einführen möchte, hat etwas mehr zu tun und muss das sauber machen, damit das Ergo nicht blockiert.

Das Gefühl am Seil auf der Bremshandseite ist beim Ergo nicht immer das beste, wenn die Hand wie vorgesehen an der Nase einrastet. Man hat dann nur noch "wenig" Seil in der Hand, muss aufgrund der Blockierfunktion aber auch nicht alles Gewicht halten, sondern nur "verzögern", damit das Gerät blockiert. Eine totale Blockade, wie sie beim Click Up geschehen kann, wenn sich dünne Seile mit eingeschliffenen Karabinern ganz oben im Gerät so verkeilen, dass nichts mehr geht, gibt es beim Ergo nicht. Zumindest haben wir diese Situation nicht provozieren können.

Fazit - Kurz und bündig

Das Ergo Belay von Salewa ist ein gut zu handhabendes Sicherungsgerät zum Sportklettern und für die Halle. Es hat mehr Sicherheitsreserven bzw. weniger Fehlanwendungsmöglichkeiten als ein Tuber und ist genauso einfach in der Handhabung. Es erscheint uns lediglich für das, was es bietet, recht teuer zu sein.

Das Be Up von Climbing Technology ist ein sehr gutes Gerät für den alpinen Einsatzbereich und zeigt, dass manchmal die Arbeit an Details mehr bringt als komplette Neuansätze.

Das Matik von Camp ist ein tolles Gerät für alle Komfortsicherer, die mit dünnen Seilen (knapp über 9 Millimeter Durchmesser) zum Sportklettern oder in die Halle gehen. Dickere Seile mag das Matik gar nicht.

Text von Olaf Perwitzschky

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