Beim Aufstieg nicht zu warm, auf dem Gipfel möglichst taktil und feingriffig, bei der Abfahrt oder dem Abstieg so warm wie nötig: Handschuhe für Wintertouren müssen viel können.

Nicht jeder ist bereit, für einen dünnen Softshell-Handschuh 100 Euro auszugeben. Das ist aber eine der entscheidenden Fragen, wenn man sich für den Winter neue Handschuhe zulegen möchte. Dieser Frage vorausgehen sollte aber eine andere: Bekomme ich schnell kalte Hände?

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Denn danach sollte sich die Dicke bzw. die Ausstattung der Handschuhe richten. Dabei gibt es immer mehr funktionelle und variable Handschuhe, die sehr taktil sind, also sehr viel Gefühl vermitteln, die aber mit einem schnellen Handgriff zu einem mehr oder weniger warmen Handschuh umfunktioniert werden können. 

Kapuzen-Handschuhe sind zwar nicht neu, bisher gab es sie aber eher für Skitouren-Rennläufer. Aus einem dünnen und winddurchlässigen Fleecehandschuh wurde dank der Kapuze eine winddichte Konstruktion.

Produkttest Handschuhe

Ein Notfall? Viel Gefühl trotz Handschuh hilft in vielen Situationen.

| © alpin.de
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Das gibt es heute nun etwas mehr auf den normalen Skitourengeher zugeschnitten. Das Modell von Reusch beispielsweise (Svalbard) ist ein dünner Fleecehandschuh aus Polartec Powerstretch, die Kapuze aber ist mit Primaloft gefüttert und damit richtig warm und auch für den Daumen verfügbar. 

Die Vorteile einer solchen Konstruktion liegen auf der Hand: Im "normalen" Einsatz reicht oft ein Fleecehandschuh, besonders im Aufstieg. Bisher war es Usus, für die Abfahrt dann einen anderen, wärmeren Handschuh mitzunehmen. Das ist mit einem gut abgestimmten Kapuzenhandschuh nicht mehr nötig.

Und es gibt noch einen Vorteil: Zum Felle-Aufziehen, Rucksack-Öffnen und zum An- und Ausschalten des LVS-Geräts muss man dick isolierte Handschuhe oft ausziehen, weil man zu wenig Gefühl hat. Dabei bekommt man dann schnell kalte Hände.

Dünne Handschuhe kann ich bei solchen Handgriffen gut anbehalten. Ein Problem aber bleibt bestehen: das der Feuchtigkeit. Ist der Fleecehandschuh vom Aufstieg nass oder feucht, kann meist auch die Kapuze nicht genügend Wärme spenden, um die Finger wirklich warm zu halten. Da ist ein Handschuhwechsel am Gipfel dann sicherlich die bessere Taktik.

Produkttest Handschuhe

Felle runter? Wenn es kalt ist, mit Handschuhen.

| © Stefan Leitner

Wie dick ist sinnvoll ?

Nicht alle Hersteller setzen auf diese variablen Kapuzen-Modelle. Ein guter Softshell-Fingerhandschuh mit einer dünnen Isolierung ist für fast alles zu gebrauchen. Mit etwas Geschick kann ich auch mit diesen Modellen die Felle abziehen, ohne die Handschuhe ausziehen zu müssen. Für den Aufstieg sind sie aber nicht zu warm und für die Abfahrt oft ausreichend.

Wobei die Taktilität an mehreren Faktoren festzumachen ist. Da ist natürlich die Dicke und Art der Isolierung: je dicker ein Handschuh, desto weniger Handgriffe kann man mit ihm erledigen. Aber auch die Konstruktion der Finger ist wichtig. Wie viele Nähte laufen über die Fingerspitzen und aus welchem Material sind die Spitzen?

Hier gilt es oftmals für die Hersteller abzuwägen: Robustheit (Leder) versus Taktilität (weiche, textile Materialien). Und noch ein Aspekt darf nicht vergessen werden: Der Handschuh muss passen!

Zu lange, nicht ausgefüllte Finger an einem Handschuh bewirken, dass man mit den Modellen fast nichts hinbekommen wird. Da die Konstruktion und Abstimmungen bei den Größen und Fingerlängen von Modell zu Modell, aber auch von Hersteller zu Hersteller variieren, hilft hier nur anprobieren.

Formgebung

Produkttest Handschuhe

Gerade beim Sichern kommt es auf den Griff und das Gefühl der Handschuhe an.

Vorgeformte Finger, wie man sie in Extremform bei Hestra oder in nicht ganz so extremer Form beispielsweise bei Roeckl findet, erleichtern zudem das Handling.

Wird Isoliermaterial eingesetzt, hört man in den letzten Jahren schnell das Wort Primaloft. Eine unempfindliche Kunstfaserfütterung, die besonders leicht ist. In Handschuhen verarbeitet, kann diese Wattierung aber den Effekt haben, dass die verschiedenen Isolierschichten aufeinander rutschen.

Das kann zum Beispiel beim Stockeinsatz beim Skifahren störend sein. Deshalb ist Primaloft (oder vergleichbare Isolierungen), in der Innenhand eingesetzt, oft weniger gut für den Griff. Am besten im Geschäft ausprobieren, den Effekt spürt man schnell.

Eine andere Isolierung ist Wolle. Der Woll-Liner in dem Modell Tour Glove ist dünn, die Taktilität des Handschuhs daher recht gut, die Wärmeleistung allerdings nicht gigantisch. Zanier spendiert dem Modell Laserz eine Woll-Fleece-Isolierung, die den Handschuh deutlich wärmer macht, worunter aber wieder das Feingefühl leidet.

Preis versus Leistung

Womit wir beim Preis wären. 50 Euro oder 110 Euro? Das Modell von Hestra ist aus hochwertigen Materialien gemacht, aufwendig hergestellt und wirklich schön. Es kostet 110 Euro. Arc’teryx ist bekanntlich eher hochpreisig, bietet aber einen sauber verarbeiteten Handschuh für ebenfalls 110 Euro.

Für normale Skitouren oder Winterwanderungen ist der Windstopper-Handschuh von Marmot für 50 Euro voll und ganz ausreichend.

Die richtige Pflege

Aber egal, wofür man sich entscheidet: Fast jeder Handschuh will gepflegt werden. Wurde Leder verarbeitet, muss man beim Trocknen vorsichtig sein. Lieber im Keller langsam trocknen lassen als auf der Heizung schnell.

Und hin und wieder mit Lederwachs einreiben hat noch nie geschadet. Wer allerdings seinen Handschuh auch hin und wieder waschen möchte, greift lieber zu Modellen ohne Naturleder: ab in die Waschmaschine und schon ist der Handschuh wieder gut riechend und sauber, fast wie neu!?

Damit nicht nur die Finger warm bleiben gibt es hier die besten Kunstfaser-Isolationsjacken.

Text von Olaf Perwitzschky

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