Bikebrillen sollen das Auge schützen und dem Träger vollen Durchblick erlauben – unabhängig von den aktuellen Lichtverhältnissen. Doch welches Glas ist das richtige? Ein helles? Ein dunkles? Oder am Ende gar eines für alles?

Ein wunderschönes Wochenende ist angesagt und dann das: kein strahlendblauer Himmel, sondern die Diagnose heiter bis wolkig. Ein kurzer Blick in den Tagesverlauf zeigt, es bleibt wechselhaft. Zum Biken dennoch bestes Wetter.

- Anzeige -

!!! Achtung: Einen Test zu 12 Bergsport-Sonnenbrillen finden Sie hier !!!

Auf uns warten wilde Trails, schweißtreibende Auffahrten und schnelle Abfahrten auf Schotter. Klar, dass Handschuhe und Helm hier Pflicht sind, aber eine Brille eben auch. Nur, nach der obigen Wetterprognose, mit welchem Glas, bitteschön? Die klare Scheibe ist vielleicht zu hell, die verspiegelte Sonnenbrille auf den technischen Waldtrails nicht nur zu dunkel, sondern damit auch zu gefährlich! Was tun?

Die Gläser sollen das Auge gut abdecken, aber nicht die Belüftung behindern!

| © alpin.de
- Anzeige -

Die gute Nachricht: Es gibt Abhilfe. Selbsttönende Brillen. Die müssen allerdings das Gleiche leisten wie normale Sonnenbrillen und das ist 100-prozentiger Schutz vor schädlicher UV-Strahlung. Denn ultraviolette Lichtstrahlen sind für uns nicht sichtbar und sehr gefährlich. Weil sie so energiereich sind, können sie zu Gewebeschäden an Bindehaut und Hornhaut führen und auf lange Sicht sogar zu grauem Star.

Gut auch zu wissen, dass die Intensität der UV-Strahlung im Gebirge pro 1000 Höhenmeter um rund 10 Prozent zu nimmt. Daher nie (und in den Bergen noch weniger) mit billigen oder zerkratzten Sonnenbrillen unterwegs sein!

Denn dann ist die Pupille weit und die Strahlung trifft mehr oder weniger ungefiltert auf die Netzhaut! Aber neben dem UV-Schutz, den alle Modelle unseres Testfelds leisten, ist der Blendschutz (vor dem sichtbaren Licht) für den Augenschutz entscheidend. Der wird in Kategorien bzw. Schutzklassen angegeben.

ALPIN-Tipp: Nützliche Kauftipps

  • Nicht zu klein kaufen, schließlich soll sie vor UV-Strahlen schützen – auch seitlich. Die Gläser sollten bis zu den Augenbrauen reichen.

  • Die Brille sollte nur auf Nase und Ohren aufliegen (und zwar fest, auch bei Schweiß!) sowie weder Wangen noch Wimpern berühren.

  • Die Gläser sollten aus bruchsicherem Polycarbonat- oder dem teureren NXT-Material bestehen.

  • Zum Biken lohnt sich ein fotochromatisches Glas, Wechselscheiben sind als Ergänzung sinnvoll.

  • Zum Kauf unbedingt den Helm mitnehmen, nur so weiß man, ob die Brille unter den Helm passt!

Anpassbare Pads aus Gummi, die auch auf verschwitzten Nasen halten, sind Pflicht für guten Sitz!

| © alpin.de

Schutzklassen

Moderne fotochromatische Brillen decken bis zu drei der fünf Schutzklassen ab. Gängig bei Bikebrillen sind Filter der Kategorie 1 – 3. Kategorie 0 absorbiert 0 bis 20 Prozent des Lichts – ein sehr heller Filter, bestens geeignet für Nachtfahrten, abendliche Bikerunden oder starke Bewölkung.

Kategorie 1 schluckt schon 20 bis 57 Prozent des Lichts – ein mittlerer Filter. Gut bei bedecktem, wechselhaftem Wetter. Gläser der Kategorie 2 filtern 57 bis 82 Prozent des Lichts und sind hervorragend geeignet für den Hochsommer.

Kategorie 3 ist besser geeignet für die Berge oder den Strand mit starker Sonneneinstrahlung. Und Kategorie 4 ist ein extrem dunkler Filter mit 92 bis 97 Prozent Lichtabsorption: den brauchen Hochtourengeher und Schneesportler!

Wie funktionierts?

Seitliche Pads schützen vor Wind und biegbare Bügel für optimale Anpassbarkeit an die Kopfform.

| © alpin.de

Fotochromatische oder als fototrop bezeichnete Brillengläser gibt es bereits seit den 1960er-Jahren. Damals nur als Silikatglas – für Sportler aus Sicherheitsgründen keine Option. Seit den 80er-Jahren dann die Variante aus Kunststoff. Beiden Selbsttönern ist gemeinsam, dass sie UV-Licht zur Aktivierung benötigen.

Heißt umgekehrt: Hinter UV-Licht-filternden Scheiben (wie im Haus oder im Auto) funktioniert der Effekt schlecht oder gar nicht, je nach Menge des durchgelassenen UV-Anteils. Und: In der Höhe dunkeln die Scheiben aufgrund stärkerer UV-Strahlung schneller ein. Nimmt die Strahlung dann wieder ab, hellen die Filter wieder auf. Auch die Temperatur hat Einfluss auf die Reaktionsgeschwindigkeit.

Je niedriger sie ist, desto schneller der Prozess. Im Klartext funktionieren die Gläser also auf einer winterlichen Skitour am besten. Verantwortlich für die Zauber-Scheiben-Technik sind sogenannte Indolino-Spironaphthoxazine, die entweder in der Glasoberfläche oder in eine (geschütztere) Zwischenschicht eingelagert sind. Bei Bestrahlung klappen diese Moleküle ähnlich einem Sonnenschirm auf und tönen dadurch die Brillengläser.

Unzerbrechlich: Die Gloryfy-Brillen sind unkaputtbar. Maximal die Bügel springen aus dem Rahmen!

| © alpin.de

Fototrope Brillen verdunkeln bis etwa 90%. Bei optimalen Verhältnissen benötigen sie dafür bis zu eineinhalb Minuten. Leider verläuft der Prozess aber nicht gleichschnell in beide Richtungen. Denn die Aufhellung dauert nach wie vor deutlich länger. Nach bis zu zwei Minuten ist eine mittlere Aufhellung erreicht.

Komplett "Licht" wird es auch gern mal erst nach rund zehn Minuten. Einen schnellen Licht-Schatten-Wechsel wie beim Biken von Alm-Wiesen hinein in den Wald wird man also nicht sofort bemerken. Grundsätzlich gilt also: Auch im Wald können selbsttönende Brillen noch getönt sein, je nach Stärke der herrschenden UV-Strahlung (Höhe, Temperatur).

Gut ausgerüstet

Auch wenn die Brillen mehrere Filterstufen abdecken, eine Möglichkeit die Scheiben zu wechseln, ist für alle Modelle sinnvoll. Denn so lässt sich die Brille für diverse Bedürfnisse (zu Hause) anpassen. Ein einfaches und unkompliziert zu bedienendes Wechselsystem ist da sehr hilfreich. Und auf die Passform kommt es an.

Das Gestell sollte den Kopf ohne Druck umschließen, rutschfest auch bei schweißtreibenden Auffahrten sitzen – auf gummierten, anpassbaren Bügelenden und Nasenauflagen. Wie gut die Brillepasst, können Sie selbst einfach testen: Schütteln Sie mit der Brille auf der Nase und leicht gesenkt Ihren Kopf.

Beginnt die Brille zu rutschen, passt sie nicht. Ein nicht passendes Gestell lässt zudem Fahrtwind ans Auge, und das kann auf Dauer zu Verletzungen oder Bindehautentzündungen führen! Ein Test diverser Modelle ist also vor dem Kauf sinnvoll. Und dann: Immer schön den Durchblick behalten!

Unser aktueller MTB-Test

Text von Andreas Erkens

- Anzeige -

0 Kommentare

Kommentar schreiben