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Tourenbuch

Abenteuer Mittellegigrat

30.11.2006 08:26:40
Der Mittellegigrat musste es sein, damals, als wir die Nordwand noch nicht als konkretes Ziel zu denken wagten, aber natürlich als Perspektive im Auge hatten, und deshalb schon bei unseren ersten selbstständigen Westalpentouren nach hohen Zielen griffen - vier junge Burschen (16, 17, 18, 21) auf dem Weg nach oben.
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Der Eiger in seiner ganzen Pracht über Grindelwald.
Am Tag zuvor waren wir um neun Uhr abends vom Schreckhorn zurückgekommen (trotz der furchtbar langsamen Zeit empfanden wir das als Erfolg); nach Hüttenabstieg, Ausruhen und Bahnfahrt war es schon wieder vier Uhr nachmittags, als wir vom Eismeer-Stollenfenster über die überhängende Randkluft auf den Kalligletscher abseilten. Wie Grufthauch moderte uns die Tunnel-Luft an, aus der Eiger-Südwand rauschte Wasser, rumpelte Steinschlag; nicht ganz auf der richtigen Route krustelten wir uns über heikles Felsgelände hinauf zur Mittellegihütte - acht Uhr, einmal richtig früh dran.
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Bei der Morgentoilette scheinen durch die Klobrille die Lichter von Grindelwald herauf; ich hoffe, dieser atemberaubende Tiefblick ist bei der Hütten-Renovierung nicht verbaut worden. Vor uns baut sich der Grat als Schneide einer übersteilten Pyramide auf. Die herrlich schneefreien, sonnengewärmten Felsen sind eitel Vergnügen für uns ambitionierte Kletterer, perfektes Steigen auf einer Himmelsleiter mit Blick auf eisige Viertausender und die grüne Weite des Mittellandes. Erst am Firngrat zum Gipfel kommen Probleme auf, weil einer von uns die Steigeisen seines Vaters nicht allzu sehr verstellen wollte.

Gewiss einer der ästhetisch schönsten und erlebnisreichsten Gratwege der Alpen: Der Mittellegigrat am Eiger bietet in seinem oberen Teil eine herrliche Aussicht.
Trotzdem erreichen wir den Gipfel, machen ein gut gelauntes Gipfelbild, bekommen auch das verklemmte Seil beim Abseilen über den Südgrat wieder flott. Erst als uns bei der Kraxelei über die Eigerjöcher die Wolken einhüllen, werden wir unruhig. Ein Gewitter hier oben, auf 3700 Metern, irgendwie ist das nicht so das Wahre. Doch Wärmegewitter sollen ja schnell vorbei sein - wir ziehen die Anoraks an, einen Biwaksack haben wir auch noch im Rucksack, sitzen wir’s aus!

Nach einer Viertelstunde im Graupelsturm merken wir, dass "Wärmegewitter" nicht unbedingt warm sein müssen. Nach einer weiteren Viertelstunde packt uns die Angst zu erfrieren - lieber in Bewegung bleiben und hoffen, dass die Blitze uns verfehlen. Gleichzeitig am Seil kletternd und flüchtig sichernd, hasten wir über den frisch geweißten Grat, der Wind peitscht Eiskristalle an die Backen, Blitze schlagen ein, die Luft vibriert und summt vor Elektrizität. Einer bekommt einen Stromschlag durch die Beine und lässt vor Schreck die Steigeisen in den Abgrund fallen.
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Nach einer halben Stunde ist das Inferno vorbei, auch der Grat ist zu Ende, wir haben überlebt. Nach weiteren zweieinhalb Stunden erschöpften Stapfens erreichen wir die Mönchsjochhütte zur neuen Rekordzeit: zehn Uhr abends.

Text und Fotos: Andi Dick

Aus ALPIN 02/2005
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30.11.2006 08:26:40
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