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Ein Blick in Karte und Führer zeigt die Problemzonen im Gelände: beim Liskamm zum Beispiel einen spaltigen Gletscher von der Monte-Rosa- Hütte bis zum Lisjoch (Spaltensturzgefahr), dann einen Firnaufschwung und -grat (mäßige Absturzgefahr), einen Wechtengrat (Absturzgefahr durch Wechtenbruch) und zuletzt eine 45 Grad steile, ausgesetzte Firnflanke (Absturzgefahr).
Welches Seil wofür?
Wo Absturzgefahr herrscht, egal ob in Firn-, Eisflanken oder im Fels, muss seillängenweise gesichert werden - es sei denn, man hat das Gelände seilfrei im Griff. Hier bietet die Zweierseilschaft deutliche Vorteile: Man kann überschlagend gehen, sich also im Vorstieg abwechseln; zum Handling am Stand hat man mehr Platz; und man kann die volle Seillänge nutzen, weil kein Dritter eingebunden werden muss.
So baut man einen 16er-Knoten: Man beginnt wie beim Achter.
Mit mehr Leuten am Seil tut sich die Gruppe deutlich leichter, einen Spaltensturz des Ersten zu halten - und ihn gemeinsam wieder heraus zu bugsieren. Erst wenn ein Gletscher so steil und wild wird, dass die Absturzgefahr ernster zu bewerten ist als die eines Spaltensturzes, ist man mit dem größeren Team ungünstig dran.
Die Seilsschlaufe wird aber zweimal mehr um das Hauptseil gelegt, bevor es duch das Auge geführt wird.
Die erste Maßnahme sind Bremsknoten im Seil. Für eine Gletscher-Zweierseilschaft wird das Seil gedrittelt, damit jeder viel Seilreserve zur Spaltenbergung hat, dann werden zwischen den Partnern im Abstand von etwa zwei Metern Knoten ins Seil geknüpft. Große, dicke Knollen, die sich beim Spaltensturz in den Schnee einschneiden und den Sturz bremsen oder gar blockieren. Der "16er"- oder "32er"-Knoten funktioniert wie der bekannte Achterknoten; nur wird die Seilschlaufe ein paarmal mehr verdreht, bevor sie zum Knoten gesteckt wird.
Danach muss der Knoten noch etwas zusammengezogen werden.
Ein Seilpartner nimmt dann den verbleibenden Seilrest von etwa 30 Meter, der andere hat den zweiten Strang im Rucksack; so haben beide reichlich Seil für die Spaltenbergung zur Verfügung. Besonders heikle Stellen können natürlich auch klassisch gesichert werden.
Welches Seil wofür?
Apropos Seil: Ein Einzelstrang eines Doppelseils reicht für Gletscherbegehungen aus; in felsigem Gelände muss er doppelt genommen werden. Man hat also nur die halbe Seillänge zur Verfügung, es sei denn, man nimmt auch den zweiten Strang mit. Damit kann man dann auch über die volle Länge abseilen, was mit einem Einfachseil nicht möglich ist. Wer gerne mit Zwillingsseil geht, sollte es am Gletscher lieber auch im Doppelstrang verwenden.
Eine Zweierseilschaft ist unter Umständen eine heikle Sache.
Der kann helfen, indem er am fixierten Strang der Losen Rolle mitzieht, vielleicht mit einer Prusikschlinge als Haltehilfe. Bei der Selbstbergemethode mit Prusik und Selbstflaschenzug ist irgendwann ein Bremsknoten im Weg. Der kann mit einem Trick überwunden werden:
Selbstflaschenzug bis zum Bremsknoten, oberen Prusik nach oberhalb des Knotens versetzen, Trittschlinge einklinken und darin aufstehen, den nun entlasteten Knoten öffnen und das frei werdende Seil durch die Rücklaufsperre am Hüftgurt ziehen.
Sofern der Knoten nicht vereist ist und sich öffnen lässt, kann das funktionieren - aber man merkt schon: Wer zu zweit ernste Gletscher begehen will, muss die Techniken souverän draufhaben. Vor allem einen Fixpunkt zu bauen, etwa einen Toten Mann, während das Gewicht des in der Spalte hängenden Partners am Körper zieht, fordert Können, Kraft und Coolness.
Text und Fotos: A. Dick
Aus ALPIN 08/07
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