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Früh los, früh zurück
"Sicherheit zuerst" heißt das Motto, und das mündet im Frühjahr in die eiserne Grundregel: früher Aufbruch. Frühjahrsskitouren sind nichts für Langschläfer. Wer sich nicht damit anfreunden kann, nach einer anstrengenden Woche auch an deren Ende zeitig aufzustehen, sollte es lassen. Wer zu spät startet, lebt gefährlich.
Auf konkaven Firnhängen und Gletschern können am späten Vormittag mitunter Temperaturen von bis zu plus 20 oder mehr Grad herrschen. Innerhalb weniger Stunden verändert sich der Schnee von hart und gefroren über leichten zum schweren Firn bis hin zum Sulz. Die Gefahr der Selbstauslösung von Schneebrettern und Nassschneelawinen steigt erheblich an.
Und wer am Gipfel in der Wärme eingeschlafen ist, verpasst den Traumfirn und muss unter Umständen mit dem sogenannten "Hax'nbrecher- Schnee" kämpfen, der die Abfahrt wenig genussreich und mitunter gefährlich macht. Grundsätzlich gilt: Mittags ist man möglichst wieder im Tal oder auf der Hütte. Und wenn das bei sehr langen Touren nicht möglich ist? Dann muss abgewogen werden, welcher Geländeabschnitt gemieden werden muss. Im äußersten Fall wartet man die kühleren Nachmittags- und Abendstunden ab.
Harsch- und Steigeisen
Nichts ist unangenehmer, als durch ständiges Zurückrutschen beim Aufstieg unnötig Kraft zu lassen. Gerade am Morgen sind die Aufstiegsspuren - weich am Nachmittag und gefroren in der Nacht - in einem traurigen Zustand. Hart wie Beton und manchmal holprig wie ein Acker. Da kommen die Felle an steilen Stellen schnell an ihre Grenzen, und deswegen gehören Harscheisen bei jeder Tour in den Rucksack.
Das Gleiche gilt für Steigeisen. Steile Kare oder Rinnen mutieren zu knallharten "Wadelbeißern", denen ohne Zwölfzacker nicht beizukommen ist. Allerdings sollte man sich vor diesen Passagen darüber klar werden, ob man die Stellen auch im Abstieg meistern kann. Oft macht es Sinn, die Ski zu deponieren.
Fellwachs
Gerade noch war man in der Sonne unterwegs, jetzt liegt der Aufstieg im Schatten. Und schon ist es passiert: Die Felle stollen. Auch wenn sie wegen ihrer guten Qualität mittlerweile weniger dazu neigen, manchmal passiert es eben doch. Und dann ist Kampf angesagt. Das Gewicht, das die Beine zusätzlich heben müssen, ist beträchtlich. Wer nicht in Minutenabständen mühsam mit dem Stock die Stollen wegkratzen will, reibt die Felle vorher mit einem speziellen Wachs ein oder hat ein Wachs im Stück oder als Spray dabei.
Viel trinken
Schon ein Flüssigkeitsverlust von ca. einem Prozent des Körpergewichts lässt die Leistungsfähigkeit spürbar sinken und ist schneller erreicht, als man denkt. Bei einem 80 Kilogramm schweren Mann sind das 800 ml Wasser. Entscheidend ist die Art des Nachschubs während der Tour. Die Grundregel dabei: lieber öfter und weniger als selten und viel. In der Stunde sollten Sie rund 500 bis 750 ml Flüssigkeit zu sich nehmen, wenn machbar in regelmäßigen Abständen. Ein Wassersack mit Schlauch macht da Sinn, denn der erlaubt regelmäßiges Trinken, ohne den Rucksack abnehmen zu müssen.
Richtige Bekleidung
Die intensive Sonneneinstrahlung bringt erhöhte UV-Werte mit sich. Der höhere Sonnenstand bewirkt, dass der Schnee die Strahlung stärker reflektiert als im Winter. Sonnenbrand und Schneeblindheit drohen. Daher gehören ein gutes Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor, Lippenstift und ein Sonnenhut zur Standardausrüstung. Eine Gletscherbrille mit dunklen Gläsern der Kategorie drei oder vier ist auch bei bedecktem Himmel Pflicht. Und auch wenn man tagsüber im T-Shirt geht: Hard- oder Softshell, Wechselwäsche, Mütze und Handschuhe gehören ins Gepäck.
Bei mancher Tour muss bis zum ersten Schneekontakt ein gutes Stück zu Fuß zurückgelegt werden. Wer den Zustieg nicht mit den Skischuhen entlangstolpern will, hat Turnschuhe oder Sandalen dabei. Auch ein Fahrrad kann bei besonders weiten Zustiegen Sinn machen oder ist bei mancher Tour unerlässlich.
Frühes Aufstehen, Aufstieg mit Harscheisen und erschöpfende Wärme: Frühjahrs-Skitouren können mühsam sein. Aber die Mühe lohnt sich. Denn während man eben noch seine Schwünge in den Firn gezogen hat, sitzt man mittags schon wieder gemütlich in kurzen Hosen auf der Hütten- oder Restaurant- Terrasse und genießt Apfelschorle oder Radler. Und vielleicht findet sich für den Nachmittag ja auch noch ein Stückchen sonniger Fels.
Text: Johannes Wessel
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